Kreditmonitor: Kreditnachfrage wächst auf niedrigem Niveau

26. Juni 2014 Drucken
Kreditmonitor: Kreditnachfrage wächst auf niedrigem Niveau
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Das Wachstum des Kreditvolumens, das von österreichischen Banken an Unternehmen vergebenen wird, hat sich im April ganz leicht beschleunigt. Im April stieg es auf 0,3 Prozent, nachdem im März 2014 mit einer Zunahme von 0,2 Prozent ein Tiefpunkt erreicht worden war. Laut Kreditbericht der OeNB war die Entwicklung in Österreich aber trotz allem noch deutlich […]

Das Wachstum des Kreditvolumens, das von österreichischen Banken an Unternehmen vergebenen wird, hat sich im April ganz leicht beschleunigt. Im April stieg es auf 0,3 Prozent, nachdem im März 2014 mit einer Zunahme von 0,2 Prozent ein Tiefpunkt erreicht worden war. Laut Kreditbericht der OeNB war die Entwicklung in Österreich aber trotz allem noch deutlich positiver als jene des  Euroraum-Durchschnitts, für den die Jahreswachstumsrate von Unternehmenskrediten bereits seit fast zwei Jahren negativ ist und derzeit bei –2,8 % liegt. Die Zinsen sind weiter auf einem historisch niedrigen Niveau.

Anhebung der Kreditstandards spürbar

Aktuelle Umfragen bei Unternehmen und Banken legen nahe, dass die Abschwächung der Kreditdynamik in den letzten Monaten sowohl angebots- als auch nachfrageseitige Gründe hatte. Die befragten KMU berichteten von einer weiteren Ver-schlechterung der Verfügbarkeit von Bankkrediten, wofür sie als Hauptursache die allgemeine Wirtschaftslage nannten. Weiters sollen sich die Banken laut den befragten Unternehmen bei der Gestaltung der Sicherheitenerfordernisse und bei Zusatz- und Nebenvereinbarungen anhaltend restriktiv verhalten haben. Gemäß WIFO-Konjunkturtest hat außerdem der Anteil jener Unternehmen, die trotz bestehenden Kreditbedarfs keinen Bankkredit bekommen hatten, seit Herbst 2013 deutlich zugenommen. Die bei der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft  (Bank Lending Survey) befragten Banken gaben an, die Richtlinien für die Kreditvergabe an KMU seit Mitte des Jahres 2013 nicht weiter verschärft zu haben. Die in den acht Quartalen zuvor erfolgte Anhebung der Kreditstandards dürfte jedoch für die Unternehmen nach wie vor spürbar sein.

Wirtschaftswachstum ist weniger fremdfinanziert

Von Bankenseite wird hingegen immer wieder betont, dass Liquidität und Finanzierungsbereitschaft ungebrochen vorhanden seien, wie Peter Bosek, Privat- und Firmenkundenvorstand der Erste Bank Österreich, im Mai bei einer Pressekonferenz betonte. Allerdings habe sich das Finanzierungsverhalten geändert. Eine Studie von Macro-Consult im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen zeigt, dass es vor der Finanzkrise 1,1% Kreditwachstum für die Produktion von 1% BIP-Wachstum benötigte. Heute sind es nur mehr 0,3%. Das schwache Kreditwachstum sei kein Ergebnis einer Kreditklemme, sondern das Ergebnis von mangelnder Nachfrage.
Die Erste Bank berichtet derzeit auch von einer spürbar steigenden Nachfrage. Im ersten Quartal 2014 hat die Bank um fast 15% mehr Frischkredite als im Vergleichszeitraum des letzten Jahres vergeben. Die Sparkassengruppe hat im ersten Quartal 2014 2.25 Mrd. Euro an neuen Krediten (ohne Haftungen) vergeben. Im Vorjahr waren es im Vergleichszeitraum 1.97 Mrd. Euro.

Handel und Industrie warten ab

Laut aktuellem Kreditmonitor der OeNB zeigen in den letzten sechs Monaten vor allem die Sektoren Bau, Verkehr, Wohnungswesen, Beherbergung und Energieversorgung einen Zuwachs bei der Kreditvergabe, während im Handel und in der Sachgütererzeugung die Kreditvergabe rückläufig war.

Privatsektor steigert Nachfrage seit Mai 2013

Das Wachstum der Kredite an die privaten Haushalte war ebenso wie jenes an die Unternehmen seit etwa zweieinhalb Jahren rückläufig, allerdings wurde bei den Haushaltskrediten bereits im Mai des Vorjahres mit einem Wachstum von nahe bei 0 % der bisherige Tiefpunkt erreicht. Seither ist die Wachstumsrate wieder angestiegen und befand sich im April 2014 bei 1,3 %. Die Trendumkehr ist somit bei den Haushaltskrediten erreicht und gut abgesichert.

Anleihenfinanzierungen für Unternehmen gehen zurück

Die Finanzierung österreichischer Unternehmen über Anleihen wächst seit dem Vorjahr weit weniger dynamisch als davor: So ging die Jahreswachstumsrate der Netto-Anleihemissionen ausgehend von 11 % im März 2013 auf nunmehr 2,5 % im April 2014 zurück. Die Finanzierung der österreichischen Unternehmen über Aktienemissionen stagniert praktisch bereits seit Mitte 2012. Lediglich im April 2014 wurde wieder ein nennenswerter Anstieg der Wachstumsrate der Netto-Aktienemissionen auf 1,4 % registriert. Zusätzlich finanzieren sich inländische Unternehmen auch über Kredite aus dem Ausland und über konzerninterne Finanzierungsströme. Die Netto-Kreditaufnahmen im Ausland waren im Jahr 2013 mit
–1,4 Mrd EUR insgesamt negativ, während die konzerninternen Finanzierungen aus dem Ausland rund 370 Mio EUR zur Finanzierung der österreichischen Unternehmen beitrugen.

Zinssätze sind weiter historisch niedrig

Die durchschnittlichen Zinssätze im Kundengeschäft sind sowohl bei Unternehmenskrediten als auch bei Haushaltskrediten im Lauf des Jahres 2012 parallel zu den Leitzinsen gesunken und haben sich in der Folge auf historisch niedrigem Niveau stabilisiert. Seit dem letzten Jahr zeigt sich allerdings trotz der neuerlichen Leitzinssenkungen kein weiterer Rückgang mehr, in manchen Bereichen wurde sogar eine leichte Aufwärtstendenz der Zinsen beobachtet. Die Zinssätze von neu vergebenen Unternehmenskrediten mit einer Zinsbindungsfrist von bis zu einem Jahr und einer Höhe von bis zu 1 Mio EUR weisen seit Beginn dieses Jahres eine leicht steigende Tendenz auf, jene von Krediten über 1 Mio EUR liegen hingegen kaum verändert bei 1,8 %. Bei den Kundenzinsen für Haushaltskredite ist ein unterschiedlicher Verlauf je Verwendungszweck zu beobachten. So sind die Zinsen von neuen Konsumkrediten seit Jahresbeginn 2013 tendenziell angestiegen, während sie bei neuen Wohnbaukrediten auf einem Niveau von etwas über 2 % stagnierten.

 

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