Lebensmittelkennzeichnungsverordnung: Aufklärung über Allergene darf bei entsprechender Schulung auch mündlich erfolgen

04. Juli 2014 Drucken

Ab 13. Dezember sind Österreichs Gastronomen verpflichtet, bei ihren Speisen Zutaten, die Allergien oder Unverträglichkeiten hervorrufen können, auszuweisen. Die Information muss jedoch nicht ausschließlich schriftlich erfolgen. So kann die Information über die Inhaltsstoffe bei entsprechender Kenntnis durch nachweislich geschulte Mitarbeiter auch mündlich – und nicht nur, wie ursprünglich von der EU , schriftlich – erfolgen, […]

Die Aufklärung über Zutaten, die Unverträglichkeiten mit sich bringen können, darf jetzt nach Auskunft der WKO auch mündlich erteilt werden. Allerdings müssen wirte und Mitarbeiter bis Ende 2015 Schulungen nachweisen. |©  APA

Die Aufklärung über Zutaten, die Unverträglichkeiten mit sich bringen können, darf jetzt nach Auskunft der WKO auch mündlich erteilt werden. Allerdings müssen Wirte und Mitarbeiter bis Ende 2015 Schulungen nachweisen. |© APA

Ab 13. Dezember sind Österreichs Gastronomen verpflichtet, bei ihren Speisen Zutaten, die Allergien oder Unverträglichkeiten hervorrufen können, auszuweisen. Die Information muss jedoch nicht ausschließlich schriftlich erfolgen. So kann die Information über die Inhaltsstoffe bei entsprechender Kenntnis durch nachweislich geschulte Mitarbeiter auch mündlich – und nicht nur, wie ursprünglich von der EU , schriftlich – erfolgen, wie Helmut Hinterleitner, Spartenobmann der Wirtschaftskammer (WKÖ), bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien informierte. Die Betroffenen müssen nachfragen, ob die für sie schädlichen glutenhaltigen Getreide oder Milchprodukte bei der Zubereitung verwendet wurden.

Gast muss selbst nachfragen

Bei der Umsetzung konnte man sich auf eine Übergangsfrist von einem Jahr einigen. Restaurantgäste, die etwa an Glutenunverträglichkeit oder Lactoseintoleranz leiden, müssen auch dann weiterhin aktiv nach den für sie schädlichen Inhaltsstoffen fragen, wenn das Lokal ihrer Wahl die mündliche Form der Deklaration wählt. „Die meisten Allergiker wissen, was sie essen können“, argumentierte der Spartenobmann.
Die Information über die Inhaltsstoffe kann bei entsprechender Kenntnis durch nachweislich geschulte Mitarbeiter auch mündlich – und nicht nur, wie ursprünglich von der EU , schriftlich – erfolgen. Die Möglichkeit zur Information durch geschultes Personal muss dabei entweder auf der Karte oder andernorts im Lokal gut sichtbar sein. Laut WKÖ wird die österreichische Verordnung mit den Umsetzungsrichtlinien in Kürze veröffentlicht. Es bleibt aber jedem Lokalbetreiber überlassen, die von der EU weitergehende, schriftliche Form der Ausweisung der 14 betroffenen Hauptallergene zu wählen.  Grundlage für die EU-weite Kennzeichnung allergener Zutaten ist die Richtlinie 2003/89/EG. Sie wurde im Rahmen der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung (LMKV) in österreichisches Recht umgesetzt.

Das Gesundheitsministerium fordert aber zusätzlich zur Allergeninformation die ausdrücklichen schriftliche Kennzeichnungs- und Warnver­pflichtung bei bestimmten künstlichen Süßstoffen (zum Beispiel Aspartam). Dies betrifft vor allem alkoholfreie „light“ Getränke, die offen ausgeschenkt werden, bzw. bestimmte Süßspeisen für Diabetiker.

Schulungen müssen erst erfolgen

Die Übergangsphase von einem Jahr begründete Hinterleitner damit, dass die rund 55.000 Gastronomie- und 28.000 Hotelleriebetriebe Zeit für die Schulungen des Personals für die 2011 beschlossene EU-Verordnung benötigen würden. LAut WKO wird die Lebensmittelinspektion im ersten Jahr der Umsetzung den Gastronomen bera­tend zur Seite stehen wird. Kein Gastronom müsse daher fürchten, dass im kommenden Jahr der Lebensmittelinspektor vor der Tür steht, um die Schulungsnachweise zu kontrollieren.
Zufrieden ist man seitens der WKÖ aber noch nicht, denn die „drakonischen Strafhöhen bis 50.000 Euro“, die bei Übertretung drohen, sind „unzumutbar und würden jeden Betrieb in den Ruin treiben.“ So würden die Pläne des Ministeriums vorsehen, denselben Strafrahmen zur Anwendung zu bringen, der bei Verstößen gegen die Kennzeichnungsbestimmungen des EU-Lebensmittelrechts vorgesehen ist – der zudem wegen des Pferdefleischskandals erhöht wurde. Ein Verstoß gegen das Tabakgesetz macht hingegen nur 2.000 Euro aus. (APA/red)

 

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