NEWSROOM-Wissen: Werkvertrag oder Dienstvertrag – eine Frage von Zeit und Ziel

13. August 2014 Drucken

Der Grat zwischen Werkvertrag und Dienstvertrag ist schmal. Anlässlich einer GPLA-Prüfung ( Sozialver-sicherungsdeutsch für „gemeinsame Prüfung lohnabhängiger Abgaben“) wird der Charakter einer Zusammenarbeit mit Dritten beurteilt: Davon hängt ab, ob und wieviel Sozialversicherungs-abgaben bzw. Urlaubs-renumerationen an SVA und Mitarbeiter geleistet werden müssen. Die Wiener Steuerberatungskanzlei , worauf es ankommt.  Art der Tätigkeit bestimmt Art des Rechtsverhältnisses […]

Der Werkvertrag ist auf ein bestimmtes „Werk“ gerichtet (Zielschuldverhältnis), der freie Dienstvertrag auf eine bestimmte Zeit (Dauerschuldverhältnis). |© S. Hofschlaeger/pixelio.de

Der Werkvertrag ist auf ein bestimmtes „Werk“ gerichtet (Zielschuldverhältnis), der freie Dienstvertrag auf eine bestimmte Zeit (Dauerschuldverhältnis). |© S. Hofschlaeger/pixelio.de

Der Grat zwischen Werkvertrag und Dienstvertrag ist schmal. Anlässlich einer GPLA-Prüfung ( Sozialver-sicherungsdeutsch für „gemeinsame Prüfung lohnabhängiger Abgaben“) wird der Charakter einer Zusammenarbeit mit Dritten beurteilt: Davon hängt ab, ob und wieviel Sozialversicherungs-abgaben bzw. Urlaubs-renumerationen an SVA und Mitarbeiter geleistet werden müssen. Die Wiener Steuerberatungskanzlei , worauf es ankommt. 

Art der Tätigkeit bestimmt Art des Rechtsverhältnisses
Ob ein echtes oder freies Dienstverhältnis oder ein Werkvertrag vorliegt, hängt weder vom Willen des Auftraggebers noch von der Vertragsbezeichnung ab. Ausschlaggebend ist allein, wie der Mitarbeiter tätig wird. Es genügt nicht, einen Vertrag als „freien Dienstvertrag“ zu bezeichnen und dann nicht die notwendigen Kriterien eines freien Dienstverhältnisses zu erfüllen.

Dienstvertrag: Ein echter Dienstnehmer schuldet seine Arbeitskraft und wird organisatorisch in den Arbeitsprozess eingebunden. Der Dienstgeber ist für die Zahlung der Lohnsteuer, der Sozialversicherungsbeiträge und alle weiteren lohnabhängigen Abgaben verantwortlich. Beispiel: Ordinationshilfen, Bürokräfte, Sachbearbeiter, Ein- und Verkäufer, Buchhalter, Programmierer, Lohnverrechner, Rezeptionisten in Krankenhäusern

Es besteht keine SV-Pflicht, wenn der freie Dienstnehmer bereits nach GSVG versichert ist. |© Silke Kaiser / pixelio.de

Freier Dienstvertrag: Im Gegensatz zu einem echten Dienstverhältnis gibt es bei einem freien Dienstverhältnis keine oder nur eine sehr geringe „persönliche Abhängigkeit“ des Arbeitnehmers. Diese drückt sich z.B. durch die freie Einteilung der Arbeitszeit, des Arbeitsortes und des Arbeitsablaufs aus. Der freie Dienstnehmer ist organisatorisch nicht an den Arbeitsplatz eingebunden. Bei freien Dienstnehmern muss sich der Dienstgeber um alle sozialversicherungsrechtlichen Notwendigkeiten, wie An- und Abmeldung, die Abrechnung und die Beitragszahlungen kümmern, steuerrechtlich werden freie Dienstnehmer jedoch wie „Selbstständige“ behandelt. Das bedeutet, dass sie für die Entrichtung der Einkommensteuer selbst verantwortlich sind. Freie Dienstnehmer haben keinen Anspruch auf Kollektivvertragslohn und soweit nicht anders vereinbart, auf Sonderzahlungen und Urlaub. BeispielEin EDV-Spezialist verpflichtet sich zu laufenden Programmierarbeiten überwiegend in freier Zeiteinteilung. Sofern seine Tätigkeiten nicht an die EDV-Anlage des Arbeitsplatzes gebunden sind, arbeitet er zu Hause. Es bestehen keine Berichtspflichten. Er kann sich durch geeignete Personen seiner freien Wahl vertreten lassen.

Subsidiarität: Trotz Vorliegens aller oben genannten Voraussetzungen besteht keine Sozialversicherungspflicht, wenn der freie Dienstnehmer

  • aufgrund seiner Erwerbstätigkeit bereits nach dem Gewerblichen Sozialversicherungsgesetz oder als Beamter versichert ist, oder
  • die Erwerbstätigkeit als freiberufliche Tätigkeit ausübt, welche die Zugehörigkeit zu einer gesetzlichen beruflichen Vertretung (Kammer) begründet, oder
  • Arzt oder
  • Kunstschaffender ist

Beitragssätze: Freie Dienstnehmer sind pensions-, kranken- und unfallversichert. Sie haben Anspruch auf Geldleistungen aus der Krankenversicherung (Wochengeld, Krankengeld), die nach den gleichen Regeln wie für echte Dienstnehmer berechnet werden. Weiters sind freie Dienstnehmer gegen Arbeitslosigkeit versichert, haben einen Anspruch auf Weiterbildungsgeld unter den gleichen Voraussetzungen wie echte Dienstnehmer und genießen Insolvenzausfallschutz.
Der Dienstnehmeranteil beträgt 17,62 %, der Dienstgeberanteil 21,28 % der Beitragsgrundlage. Der Dienstgeber hat die Dienstgeber- und Dienstnehmeranteile an die Gebietskrankenkasse abzuführen. Für freie Dienstnehmer ist auch der MVK-Beitrag (Abfertigung Neu) in der Höhe von 1,53 % des Entgelts zu entrichten.

Werkvertrag: Werkvertragsnehmer werden nicht nach Arbeitsdauer sondern nach erbrachtem „Werk“ bezahlt. Der Werkvertragsnehmer schuldet  ein Arbeitsergebnis. Nach Fertigstellung dieser Leistung endet der Vertrag üblicherweise automatisch. Wie freie Dienstnehmer gelten Personen, die auf Basis eines Werkvertrages arbeiten, steuerlich als Selbstständige.

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