Mieten in westlichen Bundesländern deutlich teurer als im Osten

03. November 2014 Drucken

„Österreich ist ein Land der Mieter“, sagte Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer. Der Mietanteil erreichte im Vorjahr 43 Prozent, weit mehr als im EU-Schnitt. Nur in Deutschland wird noch mehr gemietet als in Österreich. Trotzdem: Wohnen hat sich in den vergangenen Jahren wieder spürbar verteuert, um 13 Prozent alleine zwischen 2009 und 2013. Alle anderen EU-Staaten hätten […]

Alte Mietverträge sind um ein wesentliches billiger als neue. Besonders teuer sind die Mieten in den westlichen Bundesländern. Wiener Mieten sind durch kommunales Angebot unterdurchschnittlich.  |© APA

Alte Mietverträge sind wesentlich billiger als neue. Besonders teuer sind dabei die Mieten in den westlichen Bundesländern.  |© APA

„Österreich ist ein Land der Mieter“, sagte Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer. Der Mietanteil erreichte im Vorjahr 43 Prozent, weit mehr als im EU-Schnitt. Nur in Deutschland wird noch mehr gemietet als in Österreich. Trotzdem: Wohnen hat sich in den vergangenen Jahren wieder spürbar verteuert, um 13 Prozent alleine zwischen 2009 und 2013. Alle anderen EU-Staaten hätten eine deutlich ausgeprägtere Eigentumsstruktur, so Pesendorfer. Mietverhältnisse gibt es vor allem in großen Städten. Während das Burgenland einen Eigentumsanteil von 76 Prozent hat, weise Wien einen in etwa ebenso hohen Mietanteil von 78 Prozent aus. 

Wichtiger sozialer Wohnbau

In der Bundeshauptstadt leben nur 19 Prozent der Haushalte in Eigentumswohnungen oder -häusern. Hierzulande spiele der soziale Wohnbau eine wesentliche Rolle, so Pesendorfer. „Der in Österreich hohe Anteil an geförderten Mietwohnungen ist in jedem Fall einzigartig.“ Zwei von zehn Österreichern wohnten in einer Gemeinde- oder Genossenschaftswohnung. Diese Struktur stärke die Kaufkraft der heimischen Haushalte. Insgesamt lag die durchschnittliche Hauptmiete inklusive Betriebskosten in Österreich 2013 bei 6,7 Euro je Quadratmeter. „In den vergangenen fünf Jahren haben wir einen Anstieg der Nettomieten von 3,4 Prozent gehabt, was doch deutlich über der Inflationsrate liegt“, betonte der Generaldirektor. Der durchschnittliche Betriebskostenanteil liegt bei 29 Prozent, sagte die Hauptautorin der Wohnstudie, Vlasta Zucha.

Befristete KJieten sind am teuersten. In der Vergangenheit wurde Wohnen mit der zeit billiger. Dies hat sich geändert.  |© Statistik Austria (zum Vergrößern bitte anklicken)

Befristete Mieten sind am teuersten. In der Vergangenheit wurde Wohnen mit der Zeit billiger. Dies hat sich geändert. |© Statistik Austria (zum Vergrößern bitte anklicken)

Privatsektor am stärksten gestiegen

Am stärksten verteuerte sich seit 2009 das Wohnen in den nicht geförderten, privat vermieteten Wohnungen – mit einem Plus von 17,2 Prozent auf 7,8 Euro je Quadratmeter. Wesentlich geringer, aber immer noch stark spürbar, fiel der Anstieg bei Gemeindewohnungen (plus 8,3 Prozent auf 5,8 Euro) und Genossenschaftswohnungen (plus 10 Prozent auf 6 Euro) aus. Die österreichischen Haushalte leben der statistischen Erhebung zufolge durchschnittlich auf 100 m2 – bei Eigentumswohnungen liegt der Schnitt bei 84 m2, bei Hauseigentum bei 140 m2 und bei Gemeindewohnungen bei 61 m2.

IUmm Schnitt müssen Österreicherinnen und Österreicher 25 bis 30 Prozent ihres Einkommens für Wohnen ausgeben. Die Anteile sind besonders in den letzten Jahren gestiegen. |© Statistik Austria

IUmm Schnitt müssen Österreicherinnen und Österreicher 25 bis 30 Prozent ihres Einkommens für Wohnen ausgeben. Die Anteile sind besonders in den letzten Jahren gestiegen. |© Statistik Austria (zum Vergrößern bitte anklicken)

25 bis 30 Prozent Mietanteil am Gesamteinkommen

Der Anteil der Wohnkosten am verfügbaren Haushaltseinkommen lag 2013 im Median bei 25 Prozent: „Ein Viertel des Haushaltseinkommens geben die Österreicher für das Wohnen aus – der Anteil ist in den vergangenen fünf Jahren um 2 Prozentpunkte gestiegen“, so Pesendorfer. Mit einem Anteil von 28 Prozent am stärksten belastet sind die Mieter von privaten, nicht geförderten Wohnungen.

Hoher Eigenheimanteil am Land – Städter nutzen Miete

Jedem zweiten Österreicher gehört die Bleibe, die er bewohnt: 39 Prozent aller Haushalte leben im eigenen Haus, 11 Prozent in der eigenen Wohnung. „Je kleiner die Gemeinden werden, desto größer wird der Eigentümeranteil und desto mehr sinkt die Mietquote“, erklärte die Wohnexpertin Vlasta Zucha von der Statistik Austria am Montag vor Journalisten. Je städtischer die Struktur desto höher ist der Mietanteil: In Wien leben daher über drei Viertel der Menschen in Mietwohnungen, wobei die Bundeshauptstadt einen hohen Anteil an Gemeindewohnungen hat. „Fast ein Drittel der Wiener lebt in Gemeindewohnungen, die von der Stadt Wien verwaltet werden“, berichtete Zucha. In den Bundesländern wiederum gebe es einen leichten Überhang an Genossenschaftswohnungen oder privaten Mietwohnungen – zum Teil halte es sich die Waage.

Mietdauer bestimmt Miethöhe

„Die Höhe der Miete ist aber nicht nur vom Mietsegment abhängig, sondern auch davon, wie lange man schon in einer Wohnung verweilt hat“, so Zucha. Wer bereits über 30 Jahre lang in seiner Hauptmietwohnung lebt, zahlte 2013 im Schnitt 4,8 Euro pro Quadratmeter (inklusive Betriebskosten und Steuern) – also deutlich unter dem Österreich-Schnitt von 6,7 Euro pro Quadratmeter. Bei einer Verweildauer von bis zu fünf Jahren hingegen schlug die Miete hingegen mit 7,6 Euro je Quadratmeter zu Buche. Ältere Mieter zahlen im Schnitt weniger Miete als jüngere. Österreichische Einpersonenhaushalte mit Bewohnern über 60 mussten im Vorjahr im Schnitt 5,6 Euro Hauptmiete pro Quadratmeter berappen. Unter-30-Jährige zahlten hingegen durchschnittlich 7,8 Euro je Quadratmeter. Am teuersten waren im Vorjahr private Hauptmieten – mit einem Quadratmeterpreis von 7,8 Euro. Besonders kostspielig sind generell befristete Verträge: Privat vermietete Wohnungen mit Befristungen kosteten im Vorjahr 9 Euro je Quadratmeter – bei den unbefristet vermieteten lag der Schnitt wesentlich darunter (bei 7 Euro).

Westliche Bundesländer haben höchste Mieten

Die Miethöhen variieren auch nach Bundesländern beträchtlich. An der Spitze lagen hier im Vorjahr Salzburg (8,1 Euro pro Quadratmeter), Vorarlberg (7,5 Euro) und Tirol (7,3 Euro). Dahinter folgten Wien (6,9 Euro), die Steiermark und Oberösterreich (je 6,3 Euro) sowie Niederösterreich (6,0 Euro). Am billigsten war das Wohnen in Miete in Kärnten (5,4 Euro) und im Burgenland (4,8 Euro). (APA)