OECD-Bericht zur Korruption im Ausland: Im Schnitt gibt es 14 Mio. Dollar

03. Dezember 2014 Drucken

Auf internationaler Ebene werden die meisten Bestechungsgelder von großen Unternehmen gezahlt – in der Regel mit dem Wissen der Geschäftsleitung. Das geht aus dem ersten OECD-Bericht zur Auslandsbestechung, dem “Foreign Bribery Report”, hervor. Der Bericht wertet mehr als 400 Fälle aus, in denen seit 1999 ermittelt wurde. In diesen Fällen machen Bestechungsgelder rund elf Prozent der […]

Rohstoffindustrie weist die meisten Korruptionsfälle auf. Aber auch Bau, Logistik und Medien halten laut OECD die Hand auf. |© Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de

Die Rohstoffindustrie weist die meisten Korruptionsfälle auf. Aber auch Bau, Logistik und Medien halten laut OECD die Hand auf. |© Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de

Auf internationaler Ebene werden die meisten Bestechungsgelder von großen Unternehmen gezahlt – in der Regel mit dem Wissen der Geschäftsleitung. Das geht aus dem ersten OECD-Bericht zur Auslandsbestechung, dem “Foreign Bribery Report”, hervor. Der Bericht wertet mehr als 400 Fälle aus, in denen seit 1999 ermittelt wurde. In diesen Fällen machen Bestechungsgelder rund elf Prozent der gesamten Transaktionskosten aus. Im Durchschnitt flossen knapp 14 Millionen US-Dollar pro Bestechungsvorgang. Der Bericht kommt allerdings zu dem Schluss, dass selbst diese Zahlen nur die Spitze des Eisberges darstellen.

Industriestaaten führen

Die Adressaten von Auslandsbestechung sind in der Regel eher entwickelte Volkswirtschaften als Entwicklungsländer. Das Ziel der Bestechung ist es, Verträge mit staatseigenen oder staatlich gelenkten Unternehmen zu schließen. Die meisten Zahler und Empfänger von Bestechungsgeldern stammen aus wohlhabenden Staaten. In fast zwei Dritteln der Fälle konzentriert sich die Bestechung auf vier Sektoren:

  • die Rohstoffindustrie (19%),
  • das Baugewerbe (15%),
  • Verkehr und Lagerung (15%)
  • und Kommunikation (10%).

Der Trend geht nach oben: Unter den Beschuldigten sind auch (Ex)Regierungschefs und (ehemalige) Minister. |©  OECD (zum Vergrößern bitte anklicken)

Unter den Beschuldigten sind auch (Ex)Regierungschefs und (ehemalige) Minister. |© OECD (zum Vergrößern bitte anklicken)

Staatsmanager am anfälligsten

Angestellte staatseigener Betriebe führen die Liste derer an, denen Bestechungsgelder versprochen oder gezahlt wurden (27%). Daneben stehen Zollbeamte sowie Mitarbeiter von Gesundheits- und Verteidigungsbehörden häufig auf Bestechungslisten. In fünf Prozent der Fälle waren aber auch Staats- und Regierungschefs, beziehungsweise Minister das Ziel der Bestechung – sie bezogen sogar elf Prozent aller illegalen Zahlungen. In 41 Prozent der Fälle wurde die Bestechung von Führungskräften vorgenommen oder abgesegnet, in 12 Prozent war die Unternehmensleitung involviert. Dreiviertel aller Fälle von Auslandsbestechung liefen über Mittelsmänner oder -institutionen, wie zum Beispiel örtliche Vertriebspersonen, Makler aber auch Firmen in Übersee-Finanzzentren.

Mittelsmänner managen Geldfluss

Regierungen weltweit sollten die Strafen bei Auslandsbestechung und Korruption verschärfen, Beilegungsverfahren öffentlich machen und den Informantenschutz stärken, fordert der Bericht. Dass in so vielen Bestechungsfällen Mittelsmänner genutzt würden, zeige, dass die Compliance Programme der Unternehmen effektiver beaufsichtigt werden müssten. Insgesamt könne Auslandsbestechung nur eingedämmt werden, wenn die Führungskräfte eines Unternehmens mit gutem Beispiel vorangingen.

400 untersuchte Fälle

Der Bericht wertet 427 Fälle von Auslandsbestechung aus, in die Unternehmen oder Einzelpersonen der 41 Länder verwickelt waren, die das OECD Übereinkommen gegen die Bestechung ausländischer Amtsträger unterzeichnet haben. Die Fälle gehen zurück bis Februar 1999, dem Zeitpunkt, zu dem das Übereinkommen in Kraft trat, und reichen bis zum Juni 2014.‌