Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2014: Jeder zweite Täter kommt aus den eigenen Reihen

12. Dezember 2014 Drucken

Jedes dritte Unternehmen in Deutschland war in den letzten zwei Jahren Opfer wirtschaftskrimineller Handlungen, bei den großen Unternehmen war sogar jedes zweite betroffen. Die höchsten Schadenssummen entstehen durch Kartellrechtsdelikte, wie eine KPMG-Studie analaysiert: Fast drei Viertel (73 Prozent) der befragten Unternehmen beziffern ihren individuellen Schaden auf über 1 Million Euro. Jede zweite der von Kartellrechtsverstößen […]

Datendienbstahl wird meist nicht bemerkt. Unternehmen waren am häufigsten von  Delikten wie Diebstahl und Unterschlagung (63 Prozent) sowie Betrug und Untreue (54 Prozent) betroffen.Am teuersten waren kartellrechtliche Verfehlungen. | ©  Maik Schwertle/pixelio.de

Datendiebstahl wird meist nicht bemerkt. Am häufigsten waren Diebstahl und Unterschlagung, am teuersten waren kartellrechtliche Verfehlungen. | © Maik Schwertle/pixelio.de

Jedes dritte Unternehmen in Deutschland war in den letzten zwei Jahren Opfer wirtschaftskrimineller Handlungen, bei den großen Unternehmen war sogar jedes zweite betroffen. Die höchsten Schadenssummen entstehen durch Kartellrechtsdelikte, wie eine KPMG-Studie analaysiert: Fast drei Viertel (73 Prozent) der befragten Unternehmen beziffern ihren individuellen Schaden auf über 1 Million Euro. Jede zweite der von Kartellrechtsverstößen betroffenen Firmen gab an, dass mindestens 500.000 Euro allein auf Ermittlungskosten entfallen – mehr als bei jedem anderen wirtschaftskriminellen Delikt. Bußgelder, Geldstrafen und eventuelle Gewinnabschöpfungen kommen hinzu.

Kartellrecht als ernstzunehmende Hürde

Kartellrechtliche Verstöße verfügen auf Grund der dramatischen Sanktionen über die stärksten Auswirkungen. Eine überwältigende Mehrheit der in einer Studie befragten Wirtschaftslenker (86 Prozent) ist aber der Meinung ist, im Falle einer kartellrechtlichen Ermittlung einen umfassenden Überblick über kartellrelevante Daten und Dokumente zu haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage unter 400 – repräsentativ nach Branchen, Mitarbeiterzahl und Umsatz ausgewählten – Unternehmen in Deutschland, die TNS Emnid im Auftrag von KPMG durchgeführt hat. Häufigste Delikte waren Diebstahl und Unterschlagung (63 Prozent) sowie Betrug und Untreue (54 Prozent). Der Schaden, der durch wirtschaftskriminelle Handlungen entsteht, wird auf 80 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

 Angst vor Datendelikten geht um

87 Prozent der Befragten fürchten, Opfer von Datendiebstahl oder Datenmissbrauch zu werden. Fast zwei Drittel (64 Prozent) gehen davon aus, dass ihr Risiko, Opfer eines ,Datendelikts‘ zu werden, in Zukunft noch steigen wird. Tatsächlich betroffen waren in den letzten beiden Jahren aber nur 30 Prozent. Die Dunkelziffer ist aber bei daten- und technikbezogenen Deliktarten  höher als die betroffenen Unternehmen ahnen. Es fehlt an Kontrollmechanismen, um datenbezogene Vorfälle überhaupt entdecken zu können.

Falsche Risikoeinschätzung blockiert Prävention

Knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland stufen das eigene Risiko in Bezug auf wirtschaftskriminelle Handlungen als gering ein. Gleichzeitig sehen 82 Prozent ein hohes bzw. sehr hohes Risiko für andere Firmen. Und obwohl jedes dritte Unternehmen in den letzten beiden Jahren Opfer von Wirtschaftskriminalität war, glauben 85 Prozent, ihr Schutz sei gut oder sogar sehr gut. Reputationsschäden werden dabei völlig unterschätzt: 77 Prozent der Befragten stufen die Gefahr von Reputationsschäden durch wirtschaftskriminelle Handlungen als gering bzw. sehr gering ein.

Jeder zweite Täter kommt aus den eigenen Reihen

Bei der Betrachtung aller Fälle, in denen die Befragten einen Täter ermitteln konnten, waren interne Täter mit 55 Prozent in der Überzahl (2012: 48 Prozent). 45 Prozent der Delikte wurden von unternehmensexternen Personen verübt, in 16 Prozent der Fälle waren sowohl interne als auch externe Täter an einer wirtschaftskriminellen Handlung beteiligt. Innerhalb der Gruppe der internen Täter ist der Prozentanteil von Mitarbeitern unterhalb der Topmanagement-Ebene auf 66 Prozent angestiegen. Die Anzahl der Täter aus dem Topmanagement ist hingegen deutlich (von 18 Prozent in 2012 auf 5 Prozent in 2014) gesunken.

Strafrechtliche Sanktionen werden häufiger

Bei den Sanktionsmaßnahmen handelt es sich in den meisten Fällen (73 Prozent) um arbeitsrechtliche Maßnahmen. Inzwischen scheuen sich aber immer weniger Unternehmen davor, straf- oder zivilrechtliche Konsequenzen zu ziehen.

Vertrieb ist besonders gefährdet

In jedem zweiten Fall (50 Prozent) war der Vertrieb von wirtschaftskriminellen Handlungen betroffen (2012: 44 Prozent). Am zweithäufigsten (29 Prozent) wurde der Einkauf genannt. Hingegen war die Anfälligkeit der Bereiche Lager/Logistik und Produktion rückläufig.Die befragten Unternehmen wurden hauptsächlich infolge offener Hinweise sowohl von Unternehmensinternen (57 Prozent) als auch von Unternehmensexternen (47 Prozent) sowie durch Erkenntnisse der internen Revision oder einer sonstigen internen Ermittlungseinheit (52 Prozent) auf wirtschaftskriminelle Handlungen aufmerksam. Nahezu unverändert wird jedoch jede zweite Tat (54 Prozent) durch ,Kommissar Zufall‘ aufgedeckt.

 

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