NEWSROOM-Wissen: Rechtliche Voraussetzungen für die Lehrlingsausbildung

16. Dezember 2014 Drucken
NEWSROOM-Wissen: Rechtliche Voraussetzungen für die Lehrlingsausbildung
Für Lehrberechtigte, die erstmals Lehrlinge ausbilden, gilt eine 18-monatige Übergangsfrist innerhalb der die Ausbilderprüfung nachgeholt werden kann. |© Karl-Heinz-Laube/pixelio.de © Karl-Heinz-Laube/pixelio.de

Unternehmen benötigen Fachkräfte, die auf die Erfordernisse des jeweiligen Betriebs ausgerichtet sind. Vor allem durch die Lehrlingsausbildung können Unternehmen einen sicheren Weg in die Zukunft wählen. Aber: Welche rechtlichen Voraussetzungen benötigt ein Betrieb zur Ausbildung von Lehrlinge? Die Wirtschaftskammer Österreich hat eine Übersicht über Voraussetzungen und Übergangslösungen zusammengestellt. Persönliche Voraussetzungen: Um Lehrlinge ausbilden zu dürfen, muss der zukünftige […]

Unternehmen benötigen Fachkräfte, die auf die Erfordernisse des jeweiligen Betriebs ausgerichtet sind. Vor allem durch die Lehrlingsausbildung können Unternehmen einen sicheren Weg in die Zukunft wählen. Aber: Welche rechtlichen Voraussetzungen benötigt ein Betrieb zur Ausbildung von Lehrlinge? Die Wirtschaftskammer Österreich hat eine Übersicht über Voraussetzungen und Übergangslösungen zusammengestellt.

Persönliche Voraussetzungen:

Um Lehrlinge ausbilden zu dürfen, muss der zukünftige Lehrberechtigte zur Ausübung jener Tätigkeiten befugt sein, die er dem Lehrling im Betrieb zu vermitteln hat. Dieser Nachweis wird im Regelfall mit einer einschlägigen Gewerbeberechtigung erbracht. Als Lehrberechtigte kommen aber auch Gebietskörperschaften, sonstige juristische Personen (etwa Vereine) sowie alle „freien Berufe“ (z. B. Rechtsanwälte, Ärzte, etc.) in Betracht. Außerdem müssen

  • im Betrieb müssen Fachkräfte beschäftigt sein, die in der Lage sind, dem Lehrling das jeweilige Berufsbild zu vermitteln.
  • Im zukünftigen Lehrbetrieb hat mindestens eine Person eine entsprechende Ausbilderqualifikation nachzuweisen.

Ausbilderqualifikation notwendig

Diese kann auf folgende Weise erbracht werden:

  • Ausbilderprüfung
  • Ausbilderkurs mit mindestens 40 Unterrichtseinheiten und abschließendem Fachgespräch (das WIFI bietet Kurse an)
  • mindestens dreijährige Ausbildungspraxis in der Zeit zwischen 1. 1. 1970 und 30. 6. 1979
  • Prüfungen, die mit der Ausbilderprüfung gleich gehalten werden.

Übergangslösung

Für Lehrberechtigte, die erstmals Lehrlinge ausbilden, gilt eine 18-monatige Übergangsfrist innerhalb der die Ausbilderprüfung nachgeholt werden kann. Das bedeutert, dass vorerst Lehrlinge auch ohne Ausbildernachweis aufgenommen werden können, die Prüfung jedoch innerhalb von 18 Monaten nachzuholen ist. Sollte die Frist ungenützt verstreichen, so dürfen die bereits aufgenommenen Lehrlinge weiterhin ausgebildet, jedoch keine Lehrlinge neu aufgenommen werden.

Betriebliche Voraussetzungen

Jeder Lehrbetrieb muss so eingerichtet sein und so geführt werden, dass dem Lehrling sämtliche im Berufsbild angeführten Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden können. Ist dies nicht in vollem Umfang möglich, so können diese Berufsbildpositionen auch in einem Ausbildungsverbund (Partnerbetrieb oder einschlägige Kurse) vermittelt werden. Sollen in einem Betrieb also erstmalig Lehrlinge ausgebildet werden, so hat der Lehrberechtigte lediglich bei der Lehrlingsstelle die Erlassung eines Bescheides zu beantragen, in welchem das Vorliegen der angeführten Voraussetzungen festgestellt wird (Feststellungsbescheid).

Welche grundsätzlichen Voraussetzungen muss der Lehrling erfüllen?

Voraussetzung für die Einstellung eines Lehrlings ist die Erfüllung seiner allgemeinen Schulpflicht. Diese beträgt in Österreich neun Schuljahre. Einen entsprechenden Vermerk finden Sie am Schulzeugnis. Bei Einstellung von Nicht-EU (EWR)-Staatsbürgern kommt dazu, dass der Lehrling eine entsprechende Bewilligung für die Beschäftigung benötigt (Befreiungsschein, Daueraufenthalt-EG usw.). Sollte der/die LehrstellenwerberIn keine solche Bewilligung besitzen, so hat der Lehrbetrieb vor Aufnahme ins Lehrverhältnis beim AMS eine Ausländerbeschäftigungsbewilligung zu beantragen.

Welche Anmeldefristen sind zu beachten?

  • Anmeldung des Lehrlings bei der Gebietskrankenkasse – vor Antritt der Lehre!
  • Anmeldung bei der Berufsschule – binnen zwei Wochen ab Antritt der Lehre!
  • Anmeldung beim Lehrvertragsservice der Wirtschaftskammer – binnen drei Wochen ab Antritt der Lehre!

Gibt es für die Lehrlinge eine Probezeit?

Ja. Die ersten drei Monate der Lehrzeit gelten automatisch als Probezeit. Sofern in dieser Zeit der Lehrling bereits die erste Klasse einer lehrgangsmäßigen Berufsschule besucht, sind es die ersten sechs Wochen der tatsächlichen Ausbildung im Betrieb. In der Probezeit kann der Lehrling feststellen, ob der Lehrberuf seinen Vorstellungen entspricht. Umgekehert kann der Lehrberechtigte die Eignung des Lehrlings für den jeweiligen Beruf prüfen. Während dieser Zeit kann sowohl der Lehrberechtigte als auch der Lehrling das Lehrverhältnis jederzeit einseitig ohne Angabe von Gründen lösen. Wesentlich für die Rechtswirksamkeit der Auflösung ist die Schriftform.

Wie geht man vor, wenn im Betrieb erstmals Lehrlinge ausgebildet werden sollen?

Es ist ein Antrag beim Lehrvertragsservice der Wirtschaftskammer auf Erlassung eines Feststellungsbescheides. Dabei ist die Bekanntgabe der Daten für den Lehrvertrag mittels Anmeldeformular oder via Internet vorgesehen. Das Lehrvertragsservice erstellt daraufhin für den Unternehmer einen unterschriftsreifen Lehrvertrag in vierfacher Ausfertigung. Außerdem wird eine vollständige Berufsschulanmeldung vorbereitet.

 

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