Wann brauchen Unternehmensgründer eine UID-Nummer?

16. Januar 2015 Drucken
Wann brauchen Unternehmensgründer eine UID-Nummer?
Erbringt der Kleinunternehmer Dienstleistungen an ausländische Privatkunden, unterliegt der Umsatz grundsätzlich der österreichischen Umsatzsteuer. |© flown/pixelio.de © flown/pixelio.de

Da Unternehmensgründer mangels Überschreitens der jährlichen Umsatzgrenze von € 30.000,– häufig Kleinunternehmer (ohne UID-Nummer) sind, stellt sich vielmals die Frage, ob nicht für bestimmte Tätigkeiten dennoch eine UID-Nummer zu beantragen wäre. Die Wirtschaftskammer Österreich hat die Antwort.  Regelung für Kleinunternehmer Als Kleinunternehmer kann man grundsätzlich Waren aus dem EU-Binnenmarkt wie ein Privater beziehen, sofern die […]

Da Unternehmensgründer mangels Überschreitens der jährlichen Umsatzgrenze von € 30.000,– häufig Kleinunternehmer (ohne UID-Nummer) sind, stellt sich vielmals die Frage, ob nicht für bestimmte Tätigkeiten dennoch eine UID-Nummer zu beantragen wäre. Die Wirtschaftskammer Österreich hat die Antwort. 

Regelung für Kleinunternehmer

Als Kleinunternehmer kann man grundsätzlich Waren aus dem EU-Binnenmarkt wie ein Privater beziehen, sofern die innergemeinschaftlichen Erwerbe im vorangegangenen sowie im laufenden Kalenderjahr € 11.000,– netto (Erwerbsschwelle) nicht überstiegen haben. Es wird der jeweilige Mehrwertsteuersatz des Versendungsmitgliedstaates verrechnet, ein Vorsteuerabzug ist nicht zulässig. Bei Überschreiten der Erwerbsschwelle müssen Kleinunternehmer den Wareneinkauf zusätzlich zur ausländischen Umsatzsteuer der österreichischen Erwerbsbesteuerung (ohne Vorsteuerabzug) unterwerfen. Um diesbezüglich eine doppelte Besteuerung zu vermeiden, kann man – ohne Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung – eine UID-Nummer beim zuständigen Finanzamt beantragen. Nach deren Verwendung ist jeder innergemeinschaftliche Erwerb in Österreich zu versteuern (Erwerbsteuer). Der Kleinunternehmer hat in diesem Fall die österreichische Umsatzsteuer auf Basis der Rechnung selbst zu berechnen und an das Finanzamt abzuführen. Der EU-Lieferant darf keine Mehrwertsteuer verrechnen.

Leistungsempfänger definiert den Leistungsort

Dienstleistungen zwischen EU-Unternehmern gelten grundsätzlich (mit Ausnahmen!) an dem Ort als ausgeführt, von dem aus der Leistungsempfänger sein Unternehmen betreibt (Empfängerort). Liegt der Leistungsort in Österreich, sind die Vorschriften des Umsatzsteuergesetzes anzuwenden. In der Regel schuldet der leistende Unternehmer die Umsatzsteuer. Sofern dieser in Österreich allerdings weder – sein Unternehmen betreibt noch eine an der Leistungserbringung beteiligte Betriebsstätte hat, geht die Umsatzsteuerschuld auf den Kleinunternehmer als Leistungsempfänger über (Reverse Charge). Dieser muss eine UID-Nummer beantragen und sie dem ausländischen Vertragspartner bekannt geben. Es darf keine Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt werden. Der Kleinunternehmer hat die Umsatzsteuer selbst zu berechnen und abzuführen, wobei kein Vorsteuerabzug möglich ist. Liegt der Leistungsort im Ausland, unterliegt der Umsatz nicht der österreichischen Umsatzsteuer. Die Steuerschuld geht im allgemeinen auf den ausländischen Leistungsempfänger über. Der Kleinunternehmer hat eine UID-Nummer zu beantragen und eine entsprechende (Netto-)Rechnung auszustellen. In Österreich scheint dieser Umsatz nicht in der Umsatzsteuervoranmeldung auf, es ist jedoch eine sogenannte „Zusammenfassende Meldung“ (ZM) beim Finanzamt abzugeben.

MOSS bringt Nummer

Erbringt der Kleinunternehmer Dienstleistungen an ausländische Privatkunden, unterliegt der Umsatz grundsätzlich der österreichischen Umsatzsteuer (Unternehmerort). Aufgrund der (unechten) Steuerbefreiung als Kleinunternehmer ist jedoch keine Umsatzsteuer zu verrechnen und abzuführen. Seit 1. Jänner 2015 sind jedoch elektronisch erbrachte sonstige Leistungen, Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen immer am Empfängerort steuerbar. Der Kleinunternehmer hat daher für derartige Dienstleistungen an ausländische Privatkunden die Umsatzsteuer des Empfängerortlandes zu verrechnen. Hier besteht aber die Möglichkeit, eine UID-Nummer zu beantragen und sich für den EU-Umsatzsteuer Mini-One-Stop-Shop (MOSS) zu registrieren. Dadurch können sämtliche diesbezügliche Umsätze in Österreich erklärt und die fällige Umsatzsteuer hier bezahlt werden.