Aussichten der Stahlindustrie für 2015: Leichte Erholung setzt sich fort

21. Januar 2015 Drucken
Aussichten der Stahlindustrie für 2015: Leichte Erholung setzt sich fort
© APA Stahlindustrie 2015: Leichte Erholung angesagt

Die globalen Stahlexporte sind 2014 gegenüber dem Vorjahr um rund 9 Prozent gestiegen und haben mit mehr als 440 Millionen Tonnen einen neuen Rekord erreicht, so die deutsche Interessenvertretung Wirtschaftsvereinigung Stahl. Zwar hat auch europaweit die Stahlnachfrage im vergangenen Jahr um 3 Prozent zugelegt. Mit einem Volumen von 145 Millionen Tonnen Walzstahl bleibt der EU-Markt jedoch […]

Die globalen Stahlexporte sind 2014 gegenüber dem Vorjahr um rund 9 Prozent gestiegen und haben mit mehr als 440 Millionen Tonnen einen neuen Rekord erreicht, so die deutsche Interessenvertretung Wirtschaftsvereinigung Stahl. Zwar hat auch europaweit die Stahlnachfrage im vergangenen Jahr um 3 Prozent zugelegt. Mit einem Volumen von 145 Millionen Tonnen Walzstahl bleibt der EU-Markt jedoch noch knapp 10 Prozent unter dem Level von 2011 bzw. fast 30 Prozent unter dem Niveau von 2007.

Deutschlands Stahlkonjunktur hat Turn around geschafft

Die Stahl-Konjunktur in Deutschland hat sich im abgelaufenen Jahr solide entwickelt. Die Marktversorgung mit Walzstahlerzeugnissen legte zum ersten Mal seit 2011 wieder zu, nämlich um 2 Prozent auf 39 Millionen Tonnen. Auch die Rohstahlproduktion wurde leicht um 1 Prozent ausgeweitet. Mit 42,95 Millionen Tonnen wurde nahezu punktgenau die Prognose von 43,0 Millionen Tonnen getroffen, die die Wirtschaftsvereinigung Stahl vor einem Jahr abgegeben hat. Insgesamt ist die Mengenkonjunktur 2014 vor dem Hintergrund eines herausfordernden Umfelds somit im Rahmen der Erwartungen verlaufen. Trotz einer im internationalen Vergleich sehr hohen Kapazitätsauslastung von 86 Prozent ist die wirtschaftliche Lage der Unternehmen aber weiterhin schwierig. Zwar zeigt sich auch hier eine leichte Verbesserung, wozu u. a. gesunkene Rohstoffkosten einen Beitrag geleistet haben. Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage befindet sich jedoch immer noch auf einem niedrigen Niveau.

Die russische Stahlindustrie war 2014 mit 28 Millionen Tonnen der viertgrößte Stahlexporteur weltweit. Rund ein Viertel der russischen Stahlexporte gehen in die EU - 2015 gehen neue Kapazitäten in Betrieb. | © Wirtschaftsvereinigung Stahl (z7um Vergrößern bitte anklicken).

Die russische Stahlindustrie war 2014 der viertgrößte Stahlexporteur weltweit. Rund ein Viertel der russischen Stahlexporte gehen in die EU. | © Wirtschaftsvereinigung Stahl (zum Vergrößern bitte anklicken).

Kapazitätsauslastung EU-weit bei 78 Prozent

Ursächlich für die Diskrepanz zwischen Mengenkonjunktur und wirtschaftlicher Lage ist zum einen die anhaltende Strukturkrise auf dem EU-Stahlmarkt. Zwar hat auch europaweit die Stahlnachfrage im vergangenen Jahr erfreulicherweise um 3 Prozent zugelegt. Mit einem Volumen von 145 Millionen Tonnen Walzstahl bleibt der EU-Markt jedoch noch knapp 10 Prozent unter dem Level von 2011 bzw. fast 30 Prozent unter dem Niveau von 2007. Die Kapazitätsauslastung in der EU lag im vergangen Jahr mit 78 Prozent das sechste Jahr in Folge unter der 80-Prozent-Marke. Hinzu kommt zum anderen ein deutlich verschärfter Wettbewerb auf den internationalen Märkten: So haben im vergangenen Jahr nach Schätzungen der Wirtschaftsvereinigung Stahl die globalen Stahlexporte um rund 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugelegt und mit mehr als 440 Millionen Tonnen einen neuen Rekord erreicht. Mehr als 80 Prozent des Zuwachses von 37 Millionen Tonnen entfielen dabei auf China, das seine Exporte 2014 gegenüber einem bereits hohen Ausgangsniveau um knapp 50 Prozent auf einen neuen Höchststand von mehr als 90 Millionen Tonnen gesteigert hat.

Konjunkturausblick 2015: Leichte Erholung setzt sich fort

Im laufenden Jahr erwartet die WS Stahl eine fortschreitende Erholung der Stahl-Mengenkonjunktur auf dem deutschen und europäischen Stahlmarkt. Dafür spricht zum einen, dass der Auftragseingang in der Stahlindustrie auch im vierten Quartal seinen moderaten Aufwärtstrend fortgesetzt hat. Treiber waren vor allem die anziehenden Bestellungen aus dem Ausland. Enttäuscht hat dagegen erneut der Auftragseingang aus dem deutschen Inland. Dies passt zu der gegenwärtig schwachen Investitionsnachfrage in Deutschland.
Für eine anhaltende Erholung auf dem Stahlmarkt sprechen zum zweiten die moderat positiven Konjunkturperspektiven der Stahlverarbeiter. Sicherlich ist eine Verunsicherung als Folge der geopolitischen Belastungen bei vielen Abnehmerbranchen noch spürbar. Auch haben sich aufgrund des gesunkenen Ölpreises und dem Ende des South-Stream-Projektes die Perspektiven für die Stahlrohrproduktion in den letzten Wochen eingetrübt. Indes wird der Ölpreisverfall (in Verbindung mit der schwächeren Euro-Notierung) den stahlverarbeitenden Branchen in den kommenden Wochen und Monaten insgesamt einen spürbaren konjunkturellen Schub verleihen.

Erwartungen sind optimistisch

Die Verbände von wichtigen Kundenbranchen haben daher auch positive Erwartungen für 2015 formuliert: So prognostizieren sowohl der Verband der Deutschen Automobilindustrie als auch der Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer ein Produktionswachstum von 2 Prozent. Auch die deutsche Bauindustrie geht für das laufende Jahr von einem Umsatzplus von 2 Prozent aus. In Summe entfallen auf diese Branchen rund 75 Prozent des deutschen Stahlbedarfs.
Unterstützung dürfte die Stahlnachfrage im laufenden Jahr auch vom Lagerzyklus erhalten: Im Distributionssektor wurden die Lagerbestände im zweiten Halbjahr 2014 auf ein inzwischen sehr niedriges Niveau heruntergefahren. Erfahrungsgemäß führt dies insbesondere im ersten Halbjahr zu einer Gegenreaktion in Form einer Aufstockung von Lagerbeständen. In Summe wird die Stahlnachfrage in 2015 um 1 bis 2 Prozent auf 39,5 Millionen Tonnen zulegen und die Rohstahlerzeugung um 1 Prozent auf 43,3 Millionen Tonnen ausgeweitet werden.

Schwieriges Marktumfeld 2015

Der Ausblick spiegelt wider, dass weiterhin erhebliche Risiken bestehen und das Marktumfeld schwierig bleiben dürfte. Die Wachstumsdynamik der globalen Stahlnachfrage wird nach wie vor durch den schwachen chinesischen Markt gebremst, der im Vorjahr, erstmals seit 1995, geschrumpft ist. Aufgrund der Schwäche auf dem Immobilienmarkt und zunehmender Sättigungstendenzen dürfte im Reich der Mitte die Nachfrage 2015 allenfalls schwach zulegen. Zudem gehen – trotz der Bemühungen der Zentralregierung um Konsolidierung – weitere Stahlkapazitäten in China neu in Betrieb. Der Kapazitätsüberhang wird sich bestenfalls auf hohem Niveau stabilisieren bzw. vermutlich sogar noch einmal erhöhen.

Unsicherheitsmarkt Russland: Neue Kapazitäten bei bröckelnder Inlandsnachfrage

Erhebliche Risiken für den europäischen Stahlmarkt gehen auch von der Entwicklung in Russland aus. Bereits im vergangenen Jahr ist der Stahlmarkt um 5 Prozent geschrumpft (Bild 9). Im laufenden Jahr sind weitere Rückgänge in Folge des sich dramatisch verschärfenden Wirtschaftsabschwungs zu erwarten. Die russischen Stahlunternehmen werden daher bestrebt sein, die Exporte zu erhöhen, zumal neue Kapazitäten in Russland in Betrieb gehen und die russischen Unternehmen in Folge des Rubelverfalls erhebliche preisliche Wettbewerbsvorteile erhalten. Die russische Stahlindustrie war 2014 mit 28 Millionen Tonnen der viertgrößte Stahlexporteur weltweit. Rund ein Viertel der russischen Stahlexporte gehen in die EU.

 

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