Ölbranche steht vor heftigem Konzentrationsschub

30. Januar 2015 Drucken
Ölbranche steht vor heftigem Konzentrationsschub
Die schwachen Erträge in der Öl- und Gasbranche führen zu einem intensiven Konzentrations- und Übernahmeprozess. Nicht immer schluckt dabei der Große den Kleinen. |© omv.at © omv.at

Der Öl- und Gassektor wird derzeit neu geordnet. Auslöser ist der Sinkflug des Ölpreises, der nach dem Höchststand von 115 US-Dollar Ende Juni 2014 auf unter 50 US-Dollar pro Barrel Brent gefallen ist. Der enorme Preisdruck verursacht Cashflow-Probleme, deshalb müssen Ölfirmen aktiv nach neuen Perspektiven suchen. Eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney prognostiziert, dass die Branchen-Unternehmen 2015 mit […]

Der Öl- und Gassektor wird derzeit neu geordnet. Auslöser ist der Sinkflug des Ölpreises, der nach dem Höchststand von 115 US-Dollar Ende Juni 2014 auf unter 50 US-Dollar pro Barrel Brent gefallen ist. Der enorme Preisdruck verursacht Cashflow-Probleme, deshalb müssen Ölfirmen aktiv nach neuen Perspektiven suchen. Eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney prognostiziert, dass die Branchen-Unternehmen 2015 mit zahlreichen M&A-Projekten reagieren werden, um die Wettbewerbslandschaft zu ihren Gunsten zu formen. Die internationale Ölfirmen werden ihre Beteiligungen stark verändern.

Preisdruck treibt Unternehmen vor sich her

Nach einem eher verhaltenen Jahr 2013 nahmen 2014 M&A-Transaktionen in der Gas- und Ölbranche um 30 Prozent zu und beliefen sich Ende 2014 auf einen Transaktionswert von über 440 Milliarden US$.  Angesichts des weiter sinkenden Ölpreises und der Entscheidung der OPEC gegen eine Drosselung der Fördermengen werden 2015 noch intensivere M&A-Aktivitäten in der gesamten Wertschöpfungskette stattfinden. Diese strategischen Deals sind für die Unternehmen wichtig, um Wertzuwächse zu erzielen und sich für kommende Marktturbulenzen zu rüsten.

Chancen für alle Player der Öl- und Gasbranche

Sämtliche Player in der Branche können von einem strategischen M&A-Ansatz profitieren, darunter nationale und internationale Ölfirmen, unabhängige Ölunternehmen und Dienstleister (Oil Service Companies) sowie Finanzinvestoren. A.T. Kearney erwartet das wertmäßig größte M&A-Volumen und die meisten Deals im Upstream-Segment – also im Bereich Exploration und Produktion. Außerdem rechnet die Analyse mit  Wertzuwächsen im Midstream-Bereich und bei den Ölservice-Unternehmen. Gerade im Bereich Ölservices könnten sich für die innovative deutsche Technologieunternehmen, die die Gunst der Stunde nutzen, gute Wachstumsmöglichkeiten ergeben.

Internationale Ölfirmen werden ihr Portfolio optimieren

Bei internationalen Ölfirmen wird auch weiterhin die Optimierung ihrer Portfolios im Mittelpunkt stehen. 2015 könnten auch vermehrt Downstream- und nicht zum Kerngeschäft gehörende Vermögenswerte veräußert werden, um die Finanzierung von geplanten Upstream-Aktivitäten zu ermöglichen und Cashflow-Erfordernissen gerecht zu werden. Megadeals zur Erzielung von Skalen- und Synergieeffekten sind zwar nicht auszuschließen, werden aber die Ausnahme bleiben, wenn sie denn überhaupt stattfinden. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass internationale Ölfirmen zum Ausbau ihrer Positionen in ihren jeweiligen Bereichen in erster Linie auf selektive Akquisitionen setzen werden. M&A-Aktivitäten nationaler Ölfirmen werden sich an den nationalen Interessen der Regierungen der Länder orientieren, in denen sie tätig sind. Dabei üben kurzfristige inländische Erfordernisse und innenpolitischen Zielsetzungen oft ebenso starken Einfluss aus wie wirtschaftliche und geschäftliche Strategien.

M&A-Erfolg unabhängiger Ölfirmen von mehreren Faktoren abhängig

Eine weitere Schlussfolgerung der Studie ist, dass der M&A-Erfolg unabhängiger Ölfirmen von der Bilanzstärke und den Asset-Risiken im Zusammenhang mit höheren Break-Even-Ölpreisen bestimmt wird. Die risikofreudigeren Finanzinvestoren nutzen vielleicht die Chance für einen Markteintritt; aber der aktuelle Margendruck, die niedrigen Ölpreise und die schleppende Nachfrage dürften auf einige Anleger eher abschreckend wirken. Finanzinvestoren werden sich wahrscheinlich im Ölfeldservice-Sektor einkaufen oder Downstream-Desinvestitionen von internationalen Ölfirmen erwerben. Ganz Zuversichtliche engagieren sich unter Umständen außerhalb des traditionellen reifen Produktionssektors und kaufen Upstream-Assets.

Großes Konsolidierungspotenzial bei Ölservice-Unternehmen

Ölservice-Unternehmen werden angesichts des anhaltenden Margendrucks bei ihren Kunden auch weiterhin zu kämpfen haben. Diese Entwicklung wird auch für die Serviceanbieter Auswirkungen haben. Es besteht ein großes Konsolidierungspotenzial, und kapitalkräftige Investoren werden weiter aktiv sein. Zudem könnten Newcomer wie z. B. große Engineering-Unternehmen strategische Schritte für einen Markteintritt in Erwägung ziehen.