EuGH: Eine Flugverspätung wird mit Öffnen der Kabinentür bemessen

03. Februar 2015 Drucken
EuGH: Eine Flugverspätung wird mit Öffnen der Kabinentür bemessen
Die tatsächliche Ankunftszeit wird mit dem Öffnen der Flugzeugtüren bemessen. Das Aufsetzen der Räder gilt nicht als ausschlaggebend. |© Andri Peter/pixelio.de © Andri Peter/pixelio.de

Für das Ausmaß einer Flugverspätung ist das Öffnen der Flugzeugtür nach der Landung und nicht das Aufsetzen der Maschine auf der Landebahn entscheidend. Der EuGH erklärte, erst ab dem Öffnen der Flugzeugtür könne die Dauer der Verspätung im Hinblick auf eine etwaige Entschädigung bestimmt werden. Ein österreichisches Gericht hatte beim EuGH in der Frage um […]

Für das Ausmaß einer Flugverspätung ist das Öffnen der Flugzeugtür nach der Landung und nicht das Aufsetzen der Maschine auf der Landebahn entscheidend. Der EuGH erklärte, erst ab dem Öffnen der Flugzeugtür könne die Dauer der Verspätung im Hinblick auf eine etwaige Entschädigung bestimmt werden. Ein österreichisches Gericht hatte beim EuGH in der Frage um eine Vorabentscheidung ersucht.

Präzedenzfall Salzburg – Köln

Konkret ging es um einen Flug von Germanwings von Salzburg nach Köln. Die Maschine war mit einer Verspätung von 3:10 Stunden gestartet, setzte mit einer Verspätung von 2:58 Stunden auf der Landebahn Köln auf, doch betrug die Verspätung beim Öffnen der Flugzeugtüren 3:03 Stunden. Einer der Passagiere klagte, dass ihm wegen der Flugverspätung von mehr als drei Stunden eine Ausgleichszahlung von 250 Euro zustehe. Germanwings vertrat dagegen die Auffassung, dass die tatsächliche Ankunftszeit jener Zeitpunkt sei, an dem die Räder der Maschine die Landebahn berührt hätten, sodass die Verspätung mit 2:58 Stunden weniger als drei Stunden ausmachte und somit kein Anspruch auf Ausgleichszahlung bestehe.

Tatsächliche Ankunftszeit

Der EuGH verwies in seiner Vorabentscheidung darauf, dass sich die Passagiere während des Flugs unter der Kontrolle des Luftfahrtunternehmens in einem geschlossenen Raum aufhalten müssen, in dem ihre Möglichkeiten zur Kommunikation mit der Außenwelt aus technischen und Sicherheitsgründen erheblich eingeschränkt seien. Daher könnten sich die Fluggäste nicht weiter um ihre persönlichen, familiären, sozialen oder beruflichen Angelegenheiten kümmern. Der Begriff „tatsächliche Ankunftszeit“ sei daher so zu verstehen, dass er für den Zeitpunkt stehe, zu dem eine solche einschränkende Situation ende. Und das ist eben das Öffnen der Flugzeugtür. (APA)