EU-Wirtschaftsprognose: Verbesserte Aussichten – Gefahren nicht gebannt

06. Februar 2015 Drucken
EU-Wirtschaftsprognose: Verbesserte Aussichten – Gefahren nicht gebannt
Die Wachstumsaussichten werden in ganz Europa durch eine schwache Investitionstätigkeit belastet. |© Tim Reckmann/pixelio.de © Tim Reckmann/pixelio.de

Laut Winterprognose der Europäischen Kommission dürften die Volkswirtschaften aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union zum ersten Mal seit 2007 in diesem Jahr wieder wachsen. Im Laufe dieses Jahres wird die Wirtschaftstätigkeit in der EU und im Euroraum ein voraussichtlich mäßiges Wachstum aufweisen, das sich im Jahr 2016 aber weiter beschleunigen wird, prognostiziert die Europäische Kommission in […]

Laut Winterprognose der Europäischen Kommission dürften die Volkswirtschaften aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union zum ersten Mal seit 2007 in diesem Jahr wieder wachsen. Im Laufe dieses Jahres wird die Wirtschaftstätigkeit in der EU und im Euroraum ein voraussichtlich mäßiges Wachstum aufweisen, das sich im Jahr 2016 aber weiter beschleunigen wird, prognostiziert die Europäische Kommission in ihrer jüngsten Wirtschaftsprognose. Das Wachstum dürfte sich in diesem Jahr für die EU insgesamt auf 1,7 Prozent und für den Euroraum auf 1,3 Prozent erhöhen. Im Jahr 2016 wird die jährliche Wachstumsrate – getrieben von der erstarkten Binnen- und Auslandsnachfrage, der ausgesprochen lockeren Geldpolitik und einer weitgehend neutralen Haushaltspolitik – 2,1 beziehungsweise 1,9 Prozent erreichen.

Wenig Investments

Die Wachstumsaussichten werden in ganz Europa noch immer durch eine schwache Investitionstätigkeit und hohe Arbeitslosigkeit belastet, jedoch haben einige wichtige Ereignisse im Herbst den kurzfristigen Entwicklungshorizont aufgehellt. Die Ölpreise sind rascher gesunken als bisher, der Euro hat merklich nachgegeben, die EZB hat eine quantitative Lockerung versprochen und die Europäische Kommission hat ihre Investitionsoffensive für Europa vorgelegt. All diese Faktoren werden sich positiv auf das Wachstum auswirken.

Wirtschaftswachstum auf breiter Front

Auch wenn in den letzten Quartalen eine allgemeine wirtschaftliche Erholung zu beobachten war und obwohl in diesem Jahr in allen Mitgliedstaaten positive Wachstumszahlen erwartet werden, ist davon auszugehen, dass sich die Volkswirtschaften innerhalb der EU weiterhin ungleichmäßig entwickeln. Der Grund dafür sind unter anderem die unterschiedlichen Fortschritte bei der Entschuldung der Banken, des öffentlichen und des privaten Sektors in den einzelnen Mitgliedstaaten. Auch die positiven Auswirkungen der niedrigen Ölpreise auf das Wachstum werden je nach Energiemix des Landes variieren. Die lockere Geldpolitik könnte sich vornehmlich in Ländern mit schwierigen Finanzierungsbedingungen positiv auswirken. Wie stark die Euro-Abwertung die Exporte begünstigt, hängt von der Handelsausrichtung und den Spezialisierungsmustern der jeweiligen Länder ab. All diese Faktoren führen dazu, dass auch 2015 die Wachstumsraten der Mitgliedstaaten stark voneinander abweichen werden (das derzeitige Spektrum reicht von 0,2 Prozent in Kroatien bis 3,5 Prozent in Irland).

Inflation sinkt weiter und zieht erst 2016 wieder an

Der Trend zu niedriger Inflation hielt an. In den meisten Mitgliedstaaten wiesen die Inflationszahlen im Dezember zeitweilig Negativwerte auf, was insbesondere auf die drastisch gesunkenen Energiepreise zurückzuführen war. Die Inflation dürfte auch 2015 moderat bleiben, da niedrige Rohstoffpreise die Gesamtinflation drücken. Ab Mitte 2015 und im Laufe des Jahres 2016 dürfte die Inflationsrate dann in dem Maße steigen, wie die Wirtschaftstätigkeit allmählich erstarkt, die Löhne steigen und die Konjunkturflaute nachlässt. Für die EU wird für das Jahr 2015 eine Inflationsrate von 0,2 Prozent erwartet. Im Jahr 2016 soll sie 1,4 Prozent betragen. Im Euroraum wird die Inflationsrate den Prognosen zufolge dieses Jahr auf –0,1 Prozent zurückgehen und 2016 wieder auf 1,3 Prozent ansteigen.

Erhöhte Unsicherheit

Insgesamt hat die Unsicherheit in Bezug auf die Wirtschaftsaussichten zugenommen. Die Abwärtsrisiken haben sich verstärkt, während sich zugleich aber auch neue Chancen ergeben haben. Gründe hierfür sind die geopolitischen Spannungen, die erneut stärkere Volatilität an den Finanzmärkten, die unterschiedlichen geldpolitischen Ansätze in den großen Volkswirtschaften und die unvollständige Umsetzung der Strukturreformen. Auch wenn die Inflation über einen längeren Zeitraum hinweg sehr niedrig oder negativ bliebe, würde sich dies nachteilig auf die Wachstumsaussichten auswirken. Allerdings könnten bestimmte positive Faktoren – ausgehend von den niedrigen Energiepreisen – dem Wirtschaftswachstum sowohl global als auch auf Ebene der EU einen unerwartet kräftigen Schub verleihen.