Aufsichtsrats-Vorsitz kostet im Jahr 16 Tage Arbeit

24. Februar 2015 Drucken
Aufsichtsrats-Vorsitz kostet im Jahr 16 Tage Arbeit
Die Gehälter von Vorstandsvorsitzenden sind fast drei Mal so hoch wie das Durchschnittssalär des oberen Führungskreises, ein ordentliches Vorstandsmitglied verdient das 1,9-fache. |© brandtmarke/pixelio.de © brandtmarke/pixelio.de

45 Prozent der österreichischen Aufsichtsräte sehen Chancen für Effizienzsteigerungen im Gremium. Allerdomngs sind nur sieben Prozent der Vorstände dieser Ansicht. Das sind Ergebnisse der aktuellen Vorstands- und Aufsichtsratsstudie Österreich. Dazu hat die Beratungsgesellschaft Kienbaum 44 Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder österreichischer Unternehmen befragt. Im Mittel wendet ein Aufsichtsratsvorsitzender 16 Arbeitstage im Jahr für seinen Kontrolleur-Job auf. Kleinere Gremien für effizientere […]

45 Prozent der österreichischen Aufsichtsräte sehen Chancen für Effizienzsteigerungen im Gremium. Allerdomngs sind nur sieben Prozent der Vorstände dieser Ansicht. Das sind Ergebnisse der aktuellen Vorstands- und Aufsichtsratsstudie Österreich. Dazu hat die Beratungsgesellschaft Kienbaum 44 Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder österreichischer Unternehmen befragt. Im Mittel wendet ein Aufsichtsratsvorsitzender 16 Arbeitstage im Jahr für seinen Kontrolleur-Job auf.

Kleinere Gremien für effizientere Arbeit?

Die Studienteilnehmer sind unterschiedlicher Meinung, ob ein kleineres Kontrollgremium effizienter arbeitet: Ein Viertel der Befragten befürwortet einen kleineren Aufsichtsrat. Jedoch messen 45 Prozent der Aufsichtsräte in Gremien mit mehr als neun Mitgliedern der Anzahl der Aufsichtsratsmitglieder keine Bedeutung bei. Mitglieder kleinerer Aufsichtsräte sind eher der Meinung, dass kleine Kontrollgremien effizienter arbeiten können als größere. Zudem erwarten 35 Prozent der Studienteilnehmer eine effizientere Aufsichtsratsarbeit durch eine höhere Qualifizierung der Mitglieder und ein professionelleres Gremium.

Aufsichtsräte überschätzen ihren Informationsstand

Österreichische Topmanager bewerten eine umfassende Vorbereitung als wichtigstes Kriterium für effiziente Aufsichtsratsarbeit, überschätzen ihre tatsächliche Informationsversorgung aber erheblich: Denn die Vorstände sind der Ansicht, dass der Aufsichtsrat sowohl bei Kontroll- als auch bei Beratungsthemen Nachholbedarf hat, was Wissen und Kompetenz angeht. Hingegen schätzen die Aufsichtsräte sich selbst deutlich besser ein.

Aufsichtsratsarbeit braucht Zeit

Eine Tätigkeit als Aufsichtsrat ist zeitintensiv: Im Mittel wendet ein Aufsichtsratsvorsitzender 16 Arbeitstage im Jahr für seinen Kontrolleur-Job auf. Ein Viertel der Befragten für die Kienbaum-Studie schätzt den Aufwand für den Aufsichtsratschef sogar auf mehr als 30 Arbeitstage im Jahr. Zwei zusätzliche Arbeitstage im Jahr benötigen die Aufsichtsräte im Mittel für ihre Ausschusstätigkeit. „Vor allem eine sorgfältige Vorbereitung auf die Sitzungen ist in den Augen der Befragten zentral für eine erfolgreiche Arbeit des Aufsichtsrats. Je mehr Mandate ein Aufsichtsrat innehat, desto schwieriger ist es für ihn, im Vorfeld die nötigen Informationen zu beschaffen und kritisch zu hinterfragen. Gerade angesichts der immer stärkeren Dynamik in den Märkten besteht dann die Gefahr einer Informationsasymmetrie zwischen Vorstand und Kontrolleuren“, heißt es in der Studie.

Topmanager fordern gerechte Vergütungsverhältnisse

Österreichische Topmanager sehen das Vergütungsniveau der Vorstände etwas kritischer als deutsche Manager: Etwa die Hälfte der Befragten beurteilt die Vorstandsvergütung als teils angemessen, teils überhöht. 42 Prozent der befragten Vorstände halten die Vergütung für fair und leistungsorientiert, während nur ein Fünftel der Aufsichtsräte dieser Meinung ist.
Einig sind sich die Entscheider bei der Frage nach gerechten Vergütungsverhältnissen: 81 Prozent sind der Ansicht, die Vergütung sollte in einem angemessenen Verhältnis zu den Gehältern des oberen Führungskreises stehen. Ein Vorstandsvorsitzender ist gerecht entlohnt, wenn er das 2,4-fache im Vergleich zum Durchschnittssalär des oberen Führungskreises verdient, bei einem ordentlichen Vorstandsmitglied ist es das 1,8-fache, so die Einschätzung der Studienteilnehmer. Tatsächlich sind die Gehaltsunterschiede aber größer: Die Gehälter von Vorstandsvorsitzenden sind fast drei Mal so hoch wie das Durchschnittssalär des oberen Führungskreises, ein ordentliches Vorstandsmitglied verdient das 1,9-fache. Einer staatlichen Regulierung der Vorstandsgehälter steht rund die Hälfte der Befragten jedoch negativ gegenüber. Dafür spricht auch, dass lediglich neun Prozent der österreichischen Unternehmen angeben, keine Begrenzung der Höhe der variablen Vergütung zu haben.

Wirtschaftselite rückt Compliance-Themen stärker in den Fokus

Die österreichischen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder messen Compliance-Themen eine hohe Bedeutung bei: 86 Prozent der Befragten sind dieser Meinung. Dies gilt insbesondere für Banken und Finanzdienstleister sowie börsennotierte Aktiengesellschaften. Die Hälfte der Manager erwartet ein steigendes Budget für Compliance-Themen in den nächsten fünf Jahren. Ein weiterer Trend: Inzwischen kooperieren 43 Prozent der österreichischen Unternehmen mit externen Compliance-Organisationen, deutsche Firmen tun dies eher seltener. Ein funktionierendes Compliance-Management gelingt nach Ansicht der Teilnehmer durch Schulungen der Mitarbeiter und effektive Kontrollmechanismen. Nur neun Prozent der Befragten halten eine regelmäßige externe Bewertung ihres Compliance-Systems für notwendig. Im Gegensatz zu deutschen Unternehmen messen österreichische Firmen dem Thema Compliance einen höheren Stellenwert bei, um Schäden oder Strafen für das Unternehmen zu vermeiden. Das persönliche Haftungsrisiko durch Compliance-Systeme zu minimieren, ist für die österreichischen Studienteilnehmer hingegen weniger wichtig als für die deutschen Aufsichtsräte.