Finanz verschärft Vorgaben für Steuerbegünstigung nach „Einstellung der Erwerbstätigkeit“

08. April 2015 Drucken

Wer seinen Betrieb aufgegeben oder veräußert hat, durfte bisher den halben Durchschnittssteuersatz in Anspruch nehmen, wenn er ein Jahr lang keinen bezahlten Beruf ausgeübt hat. Nun soll aber jegliche Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit diese Steuerbegünstigung ausschließen, wie die Wiener Steuerberatungskanzlei Hübner und Hübner informiert. So steht es im aktuellen Entwurf der Einkommensteuerrichtlinien. Aufgabe und Veräußerung – der steuerliche […]

Bisher reichte es, die Vorteil eines halben Steuersatzes zu behalten, wenn man nach Veräußerung oder Aufgabe eines Betriebes ein Jahr lang beruflich pausierte. Jetzt soll jede neue Erwerbstätigkeit zur  Streichung des Steuerzuckerls führen. |© Bernd Sterzl/pixelio.de

Wer nach einer Betriebsveräußerung eine neue Erwerbstätigkeit aufnimmt, verliert Steuervorteile. |© Bernd Sterzl/pixelio.de

Wer seinen Betrieb aufgegeben oder veräußert hat, durfte bisher den halben Durchschnittssteuersatz in Anspruch nehmen, wenn er ein Jahr lang keinen bezahlten Beruf ausgeübt hat. Nun soll aber jegliche Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit diese Steuerbegünstigung ausschließen, wie die Wiener Steuerberatungskanzlei Hübner und Hübner informiert. So steht es im aktuellen Entwurf der Einkommensteuerrichtlinien.

Aufgabe und Veräußerung – der steuerliche Schlussstrich

Wer sein Unternehmen veräußert oder aufgibt, kam bisher in den Genuss einer steuerlichen Sonderregelung. Der Gesetzgeber nimmt die Betriebsveräußerung oder die Betriebsaufgabe zum Anlass, sämtliche im Unternehmen vorhandenen stillen Reserven (= Verkehrswert – Buchwert) zu besteuern. Der Firmenwert nimmt in diesem Zusammenhang eine Sonderstellung ein, da dieser nur im Rahmen einer Betriebsveräußerung vom Käufer abgegolten wird und dann der Besteuerung unterliegt, während der Firmenwert im Rahmen einer Betriebsaufgabe untergeht und daher auch nicht besteuert wird.

Unterschiedliche Steuererleichterungen

Da im Rahmen einer Betriebsveräußerung oder Betriebsaufgabe eine enorme Steuerbelastung auf den Unternehmer zukommen kann, hat der Gesetzgeber hierfür unterschiedliche Steuererleichterungen vorgesehen. So stehen dem Unternehmer für seinen Veräußerungs- bzw. Aufgabegewinn ein (anteiliger) Freibetrag in Höhe von € 7.300 oder die Verteilung des Veräußerungsgewinns über drei Jahre zu, wodurch die einzelnen Einkommensteuerprogressionsstufen über diese drei Jahre verteilt ausgenutzt werden können.

Besteuerung mit halbem Durchschnittssteuersatz

Das attraktivste „Steuerzuckerl“ in diesem Zusammenhang ist die Besteuerung des Veräußerungs- bzw. Aufgabegewinns mit dem halben auf das gesamte Jahreseinkommen entfallenden Durchschnittssteuersatz. Voraussetzung für die Inanspruchnahme ist, dass der Unternehmer verstorben oder erwerbsunfähig ist oder das 60. Lebensjahr vollendet hat und seine Erwerbstätigkeit einstellt. Die Erfüllung des Kriteriums – Einstellung der Erwerbstätigkeit – ist jedoch in der Praxis das problematischste. Eine Erwerbstätigkeit gilt als eingestellt, wenn der Gesamtumsatz aus den ausgeübten Tätigkeiten € 22.000 und die gesamten Einkünfte aus den ausgeübten Tätigkeiten € 730 im Kalenderjahr nicht übersteigen.

Jegliche Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit schadet Steuerbegünstigung

Bis jetzt vertrat die Finanzverwaltung die Ansicht, dass die Aufgabe der Erwerbstätigkeit bis mindestens ein Jahr nach der Betriebsaufgabe/-veräußerung für die Inanspruchnahme dieses Steuerzuckerls ausreicht. Im Rahmen eines Entwurfes der Einkommensteuerrichtlinien meint die Finanz nun aber, dass jegliche Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit – unabhängig vom Zeitpunkt der Wiederaufnahme – schädlich für die Inanspruchnahme der Steuerbegünstigung ist.

 

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