Top 100-Autozulieferer: Übernahmen verändern die Branche

25. August 2015 Drucken
Top 100-Autozulieferer: Übernahmen verändern die Branche
Die Nummer 1 der globalen Autozulieferer: Continental | © Continetnal/Desiree Balk Continental Hauptverwaltung © Continetnal/Desiree Balk

Das Jahr 2014 war ein Spitzenjahr für die gesamte Automobil­zulieferindustrie. Die deutschen Automobilzulieferer konnten ihre Position unter den Top 100 der Autozulieferer weiter ausbauen, heißt es in einer Branchenanalyse des deutschen Consultingunternehmens Berylls.  Nach Jahren der Stagnation und des Rückgangs gewinnen auch die amerikanischen Zulieferer wieder Anteile. Haupttreiber für die starken Positionsveränderungen waren zahlreiche Firmenübernahmen; dieser Trend […]

Das Jahr 2014 war ein Spitzenjahr für die gesamte Automobil­zulieferindustrie. Die deutschen Automobilzulieferer konnten ihre Position unter den Top 100 der Autozulieferer weiter ausbauen, heißt es in einer Branchenanalyse des deutschen Consultingunternehmens Berylls.  Nach Jahren der Stagnation und des Rückgangs gewinnen auch die amerikanischen Zulieferer wieder Anteile. Haupttreiber für die starken Positionsveränderungen waren zahlreiche Firmenübernahmen; dieser Trend hält auch in 2015 an. Magna ist von Platz 4 auf 3 vorgerückt. 

Firmenübernahmen verändern Ranking massiv

Der weltgrößte Automobilzulieferer bleibt mit Euro 34,5 Milliarden Continental – selbst wenn die non-automotive Aktivitäten der ContiTech (Conveyors, Compounding, Elastomer Coating, etc.) mit geschätzten Euro 1,1 Milliarden abgezogen werden. Die zehn größten Automobilzulieferer der Welt sind noch die gleichen wie im vergangenen Jahr. 2014 war gekennzeichnet durch eine Flut an M&A Aktivitäten, die zu großen Verschiebungen bei der Rangliste geführt. Vor allem die großen amerikanischen Zulieferer haben sich durch Akquisitionen massiv nach vorne gearbeitet, stellt Berylls fest. Visteon hat durch den Erwerb von JCI Electronics sowie ein starkes organisches Wachstum 11 Plätze gut gemacht. Lear konnte durch den Zukauf von Eagle Ottawa zwei Plätze hinzugewinnen. Aber auch die deutschen Zulieferer haben zugeschlagen: Der Sitzspezialist AUNDE beispielsweise ist durch den Erwerb des Interior-Spezialisten Fehrer erstmals in die Top 100 gerutscht.

Weitere Übernahmen stehen an

Der Trend über Akquisitionen zu wachsen, hält weiter an. Der Kauf von TRW Automotive durch ZF Friedrichshafen wird dazu führen, dass im Jahr 2015 drei deutsche Automobilzulieferer die Plätze 1, 2 und 3 belegen werden. Durch die 100 prozentige Übernahme von ZF Lenksysteme (Euro 4,3 Milliarden Umsatz in 2014) wird Bosch in 2015 wieder auf Platz 1 rücken. Die erstmalig in 2015 konsolidierte Akquisition von Veyance (+ Euro 1,5 Milliarden Umsatz) wird nicht ausreichen, damit Continental weiter die Spitzenposition halten kann. Das Ziel von Continental bis zum Jahr 2020 die Euro 50 Milliarden Umsatzgrenze zu erreichen, ist durchaus möglich und über ein organisches Wachstum von 6,4 Prozent pro Jahr erreichbar. Sehr wahrscheinlich wird Continental aber weitere große Firmenübernahmen durchführen. Einen Umsatz von Euro 50 Milliarden können – sofern keine Konjunkturkrise die Branche zurückwirft – neben Continental auch Bosch, ZF Friedrichshafen, Denso, Magna und Hyundai Mobis erreichen. Die Konsolidierung beschleunigt sich, die Konzentration wächst.

Magna ist von 5 auf 3 vorgerückt.. |© Berylls - Top 10 des Jahres 2015

Magna ist von 4 auf 3 vorgerückt.. |© Berylls – Top 10 des Jahres 2015

Neue Riesen entstehen

Ferner rechnet Berylls damit, dass weitere neue Player in den kommenden Jahren durch M&A Aktivitäten entstehen werden. Bestes Beispiel hierfür ist HVCC (Umsatz Euro 4 Milliarden), Halla Visteon Climate Control. Die Klimatechnik-Aktivitäten von Visteon werden an das seit den 90er Jahren gehaltene Joint Venture von Visteon und Mando, der Firma Halla, übertragen. Visteon verkauft in 2015 seine 70 prozentige Beteiligung an HVCC – es entsteht ein neuer, eigenständiger Player. Neben derartigen Zerschlagungen werden nach Meinung von Berylls in den kommenden 10 bis 15 Jahren auch erstmalig die großen chinesischen Zulieferkonzerne wie Huayu Automotive Systems, Yuchai Machinery (Guangxi), Guangzhou Automobile, Dongfeng Motor Parts oder Beijing Hainachuan als eigenständige Automobilzulieferkonzerne aufgestellt. Ähnlich wie die Ausgründungen der amerikanischen Big 3 in den 80er und 90er Jahren, die zur Gründung von Delphi, Visteon oder American Axle geführt haben, werden dann die chinesischen Staatskonzerne und -OEMs sich von diesen Zulieferern trennen.

Deutsche Automobilzulieferer setzen sich weiter ab

Die deutschen Player der Top 100 Automobilzulieferer konnten ihren Umsatz auf Euro 155 Milliarden steigern (+8,5 Prozent) und damit im sechsten Jahr in Folge stärker zulegen alsder Durchschnitt aller Unternehmen (+6,6 Prozent vor Währungskurseffekten). Berylls warnt aber auch: Die gute deutsche Position kann die Probleme der anderen EU-Automobilnationen nicht überdecken. Französische, britische, italienische, spanische oder schwedische Zulieferer konnten 2014 nur um 4,1 Prozent zulegen. Die 25 US-amerikanischen Unternehmen der Top 100 konnten hingegen nach über zehn Jahren den Abwärtstrend im Jahr 2014 stoppen: mit einem Umsatz von Euro 166 Milliarden (+7,2 Prozent wechselkursbereinigt gegenüber 2013) sind sie kräftig gewachsen; die drei Jahre davor stagnierten sie noch. Durch die starke Aufwertung des US Dollars (+11,7 Prozent im Jahresvergleich) sind viele amerikanische Player im Ranking gestiegen. Die japanischen Zulieferer haben mit Euro 193 Milliarden +7,4% gegenüber dem Vorjahr gewonnen und erstarken ebenfalls wieder. Die Untersuchung „4. Global Top Automotive Suppliers 2014″ der Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors analysiert die weltweit 100 größten Automobilzulieferer und gibt Aufschluss über Rangfolge, Umsätze sowie operative Ergebnisse (EBIT / Operating Income) für die Jahre 2010 bis 2014.

Nur Michelin und Pirelli  können Umsatz nicht steigern

Das fünfte Jahr in Folge haben die Top 100 der Automobilzulieferindustrie alle Rekorde gebrochen. Ein gegenüber 2013 um 11,0 Prozent gesteigertes Umsatzniveau von Euro 719 Milliarden (wechselkursbereinigt +6,6 Prozent) bei einer kräftigen Steigerung des operativen Ergebnisses auf 8,1 Prozent vom Umsatz (+0,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr) belegt die gesunde Stellung der Industrie.  Mit einem durchschnittlichen operativen Ergebnis (EBIT oder Operating Income) von 8,1 Prozent (+0,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr) vom Umsatz wurde der höchste Wert seit über 10 Jahren erreicht. 80 Prozent der Unternehmen, dieihre Ergebnisse bis März 2015 veröffentlicht haben, lagen oberhalb des langfristigen Mittels von 5,3 Prozent bei der Gewinnmarge. Nur zwei Unternehmen konnten ihre Gewinne nicht steigern: Michelin und Pirelli, die unter starkem Einfluss der Rohölpreisentwicklung stehen. Insgesamt stiegen die Gewinne um +11,2 Prozent gegenüber 2013 und somit stärker als die Umsätze. Wie im letzten Jahr auch hat keines der untersuchten Unternehmen Verluste geschrieben. In allen Regionen das gleiche Bild: bei Umsatz und Gewinn konnten alle zulegen. Die Unterschiede bei den Gewinnmargen zwischen den „Ländergruppen“ sind gering. Deutschland liegt erstmalig mit 9,0 Prozent Gewinnmarge vom Umsatz an der Spitze der profitabelsten Automobilzulieferer. Die Europäer (ohne Deutschland) erreichen 8,7 Prozent, die US-Amerikaner ebenfalls 8,7 Prozent, die Japaner liegen bei 7,2 Prozent und die restlichen Asiaten bei 8,9 Prozent.

Andere Reifenhersteller sorgen für höchsten Gewinn

Die profitabelste Gruppe bestand wieder aus den 10 großen Reifenherstellern; sie kamen in 2014 auf ein durchschnittliches Jahresergebnis von 12,3 Prozent vom Umsatz. Ohne die Reifenhersteller lag bei den restlichen Zulieferern die Gewinnmarge bei 7,3 Prozent (+0,6 gegenüber Vorjahr).
Der Profitabilitäts-Champion des Jahres 2014 ist ITW Illinois Tool Works aus den USA; mit einem EBIT von 23,2 Prozent vom Umsatz konnte sich der Spezialist von Fluidtechnik und Komponenten an die Spitze der erfolgreichsten Zulieferer setzen. Die Spitzengruppe ist zudem breiter geworden. Dort finden sich der Steckerspezialist TE Tyco Electric (21,1 Prozent Operating Income vom Umsatz), der Antriebsstrang-Komponenten-Anbieter Eaton (16,1 Prozent) sowie HankookTires (15,4 Prozent). Mit Ausnahme von Hankook Tires liegt der Automotive-Anteil bei den ersten vier Zulieferern allerdings bei deutlich unter 50 Prozent.

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