Tourismusbranche steht bei Investitionen auf der Bremse

08. Januar 2016 Drucken
Tourismusbranche steht bei Investitionen auf der Bremse
© Petra Bork/pixelio.de

Trotz steigender Nächtigungszahlen und niedriger Zinsen haben die heimischen Hoteliers 2015 nur zögerlich investiert. Ein Grund dürfte die mäßige Ertragslage vieler Betriebe sein. „Der operative Überschuss stagniert seit 2010“, sagte der Geschäftsführer der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT), Franz Hartl, am Donnerstag vor Journalisten. Geförderte ÖHT-Kredite sollen den Investitionsstau in der Tourismusbranche beseitigen.  Wenig Optimismus […]

Trotz steigender Nächtigungszahlen und niedriger Zinsen haben die heimischen Hoteliers 2015 nur zögerlich investiert. Ein Grund dürfte die mäßige Ertragslage vieler Betriebe sein. „Der operative Überschuss stagniert seit 2010“, sagte der Geschäftsführer der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT), Franz Hartl, am Donnerstag vor Journalisten. Geförderte ÖHT-Kredite sollen den Investitionsstau in der Tourismusbranche beseitigen. 

Wenig Optimismus

Dies sei bedauerlich, denn andere Kosten wie etwa die Bau- und Energiekosten stiegen. „Der Tourismus ist momentan in einer sehr kritischen Stimmung“, räumte Wolfgang Kleemann, ebenfalls ÖHT-Geschäftsführer, ein. Nach der Krise 2008 – in den Jahren 2009 und 2010 – hatten die Hoteliers laut Hartl noch „munter weiterinvestiert“; ab 2012 habe sich die Tourismuswirtschaft dann „sehr stark zurückgenommen“. Dafür verbesserte sich die Eigenkapitalausstattung. „Das Eigenkapital war lange Zeit der Pferdefuß in der Branche, auch bei 4- und 5-Sterne-Hotels – jetzt ist es im Durchschnitt im positiven Bereich“, sagte Hartl in einer Pressekonferenz. Auch die Bonität habe sich dank niedriger Zinsen und Zurückhaltung beim Investieren verbessert.

Investitionen an der Nullinie

Beim Investieren bewege sich die Tourismuswirtschaft „haarscharf bei Null“, sie ersetze gerade mal die Abschreibungen und nehme keine Kredite auf. „Bei den Investitionen haben wir 2015 ein Formtief erreicht, von dem wir glauben, dass es 2016 überwunden wird“, so ÖHT-Chef Hartl. Einen „deutlichen Rückgang“, gebe es vor allem bei den Investitionen in Infrastruktur, wo man eine Sättigung erreicht habe. Vor zehn Jahren seien noch 20 Prozent der ÖHT-Kredite in Golfplätze, Thermen, Tennisplätze und Beschneiungsanlagen geflossen, jetzt seien es nur noch 5 Prozent. Die ÖHT wickelt im Auftrag des Wirtschaftsministeriums die Tourismusförderungen des Bundes ab.

Erhöhung der Mehrwertsteuer

Ab heuer haben die Beherbergungsbetriebe aber auch an der Steuerreform zu knabbern. Diese bürdet ihnen höhere Steuern auf Nächtigungen auf – der ermäßigte Steuersatz ist von 10 auf 13 Prozent gestiegen. Die neue Basis für die Berechnung der Grunderwerbsteuer verteuert zudem vielfach die Weitergabe von Betrieben an die nächste Generation.

Geförderte Kredite

„Wir stellen der Tourismuswirtschaft zinsgünstiges Kapital zur Verfügung“, bekräftigte Kleemann unter Verweis auf die heurigen Zinssätze der Förderbank zwischen 0 und 0,9 Prozent. Einen „Investitionsschub auslösen“ soll etwa ein Finanzierungsprodukt, das die ÖHT in Zusammenarbeit mit Bund und Ländern anbietet. Der Bund übernehme das Risiko, das Land stelle den Kredit kosten- und gebührenfrei. Erste Anzeichen für eine Belebung der Kreditnachfrage habe es bei der ÖHT, dem Förderinstitut des Bundes für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), gegen Ende zweiten Jahreshälfte 2015 gegeben. Für 2016 rechnet die ÖHT mit einem gewährten Gesamtkreditvolumen von 230 Mio. Euro, in den beiden Jahren davor wurden jeweils nur 186 Mio. Euro finanziert. „Wir haben im Tourismus sicherlich keine Kreditklemme“, meinte ÖHT-Chef Kleemann. (APA)

 

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