Frankenschock bremst Tourismus in der Schweiz

18. Januar 2016 Drucken
Frankenschock bremst Tourismus in der Schweiz
Wandern in Wallis: Die Schweizer Tourismus-Industrie kämpft mit ihrem hohen Preisniveau. |© swiss-image.ch © swiss-image.ch

Touristen in der Schweiz müssen nach der Frankenaufwertung seit vergangenem Jahr tiefer in die Tasche greifen, wenn sie aus dem Euroraum einreisen. Der kleine Walliser Ort Grächen bietet Urlaubern Preise zum Wechselkurs von 1,30 Schweizer Franken je Euro – fast wie in alten Zeiten. Eigener Wechselkurs Mit Euro zu einem günstigeren Frankenkurs konnten Touristen in […]

Touristen in der Schweiz müssen nach der Frankenaufwertung seit vergangenem Jahr tiefer in die Tasche greifen, wenn sie aus dem Euroraum einreisen. Der kleine Walliser Ort Grächen bietet Urlaubern Preise zum Wechselkurs von 1,30 Schweizer Franken je Euro – fast wie in alten Zeiten.

Eigener Wechselkurs

Mit Euro zu einem günstigeren Frankenkurs konnten Touristen in Grächen schon vor der deutlichen Aufwertung vor exakt einem Jahr rechnen. Denn bereits 2011 rechneten Wirte, Bergbahnen und Hoteliers mit einem moderateren Kurs als von der Zentralbank vorgegeben. Nicht dauerhaft, also nur zu bestimmten Zeiten, aber immerhin. „Wir wollten proaktiv handeln“, sagt Marketingleiterin Beatrice Meichtry. Und das zeigt offenbar Wirkung: 2015 verbuchten nicht nur die Bergbahnen ein deutliches Plus. Auch die Zahl der Übernachtungsgäste aus Deutschland legte zu. Die Aktion wird in diesem Winter fortgeführt.

Leichte Preissenkungen

Die Schweiz gilt seit jeher als teures Urlaubsziel. Deutsche bevorzugen Österreich oder Italien, wenn es in Richtung Alpen geht. Seit 2008 sei die Zahl der deutschen Urlauber in der Schweiz rückläufig, heißt es beim Schweizer Tourismusverband. Für die Eidgenossenschaft besonders hart, denn Deutschland ist ein wichtiger Auslandsmarkt. „2014 hatte allein der deutsche Markt einen Anteil von 22,1 Prozent von allen ausländischen Quellmärkten“, sagt ein Sprecher des Verbands. Und nachdem die Schweizer Nationalbank die Bindung des Franken an den Euro aufgehoben hatte und der Franken massiv an Wert gewann, war der Urlaub dort noch teurer geworden.

Preisvergleich CH-DE

Davon profitierten wiederum die Tourismusbetriebe auf der deutschen Bodensee-Seite. Denn wer als Tourist in die Region kommen will, hat die Wahl. Er kann sich ein Schweizer Städtchen aussuchen, etwa Rohrschach. Eine Beispielrechnung im Drei-Sterne-Hotel: Doppelzimmer 148 Franken (135,2 Euro), Bodensee-Felchenfilets 28,50 Franken, der Besuch im Strandbad als Erwachsener 6 Franken. Oder er geht auf die deutsche Seeseite: In Immenstaad etwa kosten das Doppelzimmer 98 Euro, das Felchenfilet 18,70 Euro und der Strandbad-Besuch 3,90 Euro.

Schweizer pendeln selbst

Für die Schweizer Tourismusbetriebe im Grenzgebiet zu Deutschland ist der teure Franken aber gleich ein doppeltes Problem: „Es bleiben nicht nur Gäste aus Deutschland weg“, sagt Ammann. „Es gibt auch ein zunehmendes Wanderungsverhalten von Schweizern, die selbst ins benachbarte Ausland in den Euroraum ausweichen.“ Denn für die Eidgenossen sind nicht nur die preiswerteren Hotels attraktiv: Nach der Aufhebung des Mindestwechselkurses wurden deutsche Einkaufsgüter für die Schweizer nochmals deutlich günstiger – im Urlaub locken also auch billige Shopping-Möglichkeiten. (APA)