Meinungshoheit: Können die traditionellen Medien den Kampf gegen Facebook, Twitter und Co gewinnen?

21. Januar 2016 Drucken
Meinungshoheit: Können die traditionellen Medien den Kampf gegen Facebook, Twitter und Co gewinnen?
Soziale Medien führen zu selktiver Information: Aufgenommen wird nur, was den eigenen Standpunkt stärkt. |© Hans Peter Dehn/pixelio.de © Hans Peter Dehn/pixelio.de

Liefern Zeitungen und Magazine mit Meinungsstücken noch einen Mehrwert gegenüber 140-Zeichen-Tweets? Darüber gingen die Anschauungen bei einer Diskussion anlässlich der „Woche des Zeitungslesens“  auseinander. „Unser Mehrwert ist die Glaubwürdigkeit“, meinte etwa Christoph Kotanko, Wien-Korrespondent der „Oberösterreichischen Nachrichten“. Alle in einem Topf „Ein Problem ist, dass Politiker und Journalisten als gemeinsame Klasse wahrgenommen werden“, sagte Kotanko […]

Liefern Zeitungen und Magazine mit Meinungsstücken noch einen Mehrwert gegenüber 140-Zeichen-Tweets? Darüber gingen die Anschauungen bei einer Diskussion anlässlich der „Woche des Zeitungslesens“  auseinander. „Unser Mehrwert ist die Glaubwürdigkeit“, meinte etwa Christoph Kotanko, Wien-Korrespondent der „Oberösterreichischen Nachrichten“.

Alle in einem Topf

„Ein Problem ist, dass Politiker und Journalisten als gemeinsame Klasse wahrgenommen werden“, sagte Kotanko weiter. Die Nachfrage nach Meinungen sei groß, da in der aktuellen krisenhaften Situation „Orientierung gesucht wird“, in sozialen Medien gebe es zwar viel Meinung, aber auch „viel Dummheit“, so der OÖN-Korrespondent.

Junk-Bonds und Blue-Chips

Einen hohen Bedarf an qualifizierter Meinung ortete auch „profil“-Chefredakteur Christian Rainer: „Wenn Medien der Marktplatz für Meinungen sind, dann befinden wir uns in einem Bärenmarkt mit vielen Junk Bonds, Online-Marktversagen, einer Social-Media-Blase und Marktverzerrungen durch Staatseingriffe. Und mit einigen Blue Chips.“ Die Frage sei, ob es den Medien gelinge, die Hoheit in Sachen qualifizierter Meinungen zu halten.

Meinungshoheit verloren

Anders NZZ.at-Chefredakteur Michael Fleischhacker. „Die Meinungen in sozialen Medien sind oft qualifizierter als die Meinungen von Journalisten. Der durchschnittliche Kommentator in einem Medium hat oft weniger Expertise als viele Teilnehmer in sozialen Netzwerken. Ich habe nicht den Eindruck, dass soziale Medien selbstreferenzieller sind als die gedruckten Medien in Österreich. Der Diskurs ist offener, breiter und egalitärer geworden.“ Fleischhacker glaubt auch nicht, dass die Medien die Meinungshoheit zurückgewinnen können. (APA)