Wirte versus Ärzte: Bei Gastro-Rauchverbot geht es um Existenzen

06. April 2016 Drucken
Wirte versus Ärzte: Bei Gastro-Rauchverbot geht es um Existenzen
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Sprecher des Fachverbandes der Gastronomie in der WK hoffen, um Zuge neuer Koalitionen  das Gastro-Rauchverbot ab 2018 noch kippen zu können. Ganz anders die Medizinersicht: Anlässlich eines Symposiums zum Thema „Tobacco Control“ in Wien meinte ein kalifornischer Kardiologe, er fühle sich beim Thema Rauchen „in Österreich wie in einer Zeitmaschine“. Österreich liegt im Tabak-Länder-Ranking der […]

Sprecher des Fachverbandes der Gastronomie in der WK hoffen, um Zuge neuer Koalitionen  das Gastro-Rauchverbot ab 2018 noch kippen zu können. Ganz anders die Medizinersicht: Anlässlich eines Symposiums zum Thema „Tobacco Control“ in Wien meinte ein kalifornischer Kardiologe, er fühle sich beim Thema Rauchen „in Österreich wie in einer Zeitmaschine“. Österreich liegt im Tabak-Länder-Ranking der Europäischen Krebs-Liga an letzter Stelle.

„Der Wirt ist ein Meinungsbildner“

Mit dem Raucherbann haben sich die Wirte noch nicht abgefunden, Bis zur Umsetzung 2018 sei noch eine Nationalratswahl zu schlagen, meint Mario Pulker, Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der Wirtschaftskammer – und Rot-Schwarz habe laut Umfragen keine Mehrheit mehr. Vielleicht gäbe es bei einer neuen Koalition ein Umdenken. „Der Wirt ist ein Meinungsbildner – wir werden schauen, was dann kommt“, kündigte er eine entsprechende Stimmungsmache vor dem Urnengang an. Die Branche sei am Boden und die Verdrossenheit mit der Politik habe sich verstärkt. „Das ist ein Gesetz, das Unternehmen vernichtet“, kritisierte der Gastronom. Natürlich müsse man differenzieren, etwa zwischen Hotels mit Gastroberechtigung, Restaurants und Wirtshäusern am Eck, wo hauptsächlich Getränke konsumiert werden. „Diese Betriebe mit ein, zwei Angestellten, wo die Leute am Heimweg ein kleines Bier getrunken und eine Zigarette geraucht haben, sind tot.“

Österreich mit höchster Häufigkeit an nikotinindiziertem Krebs

Ganz anders die Töne bei einem internationalen Symposium der Akademie der Wissenschaften zum Thema „Tobacco Control“. „Ich fühle mich hier in Wien wie in einer Zeitmaschine, die mich 30 Jahre zurückversetzt hat“, sagte bei einer Pressekonferenz in Wien der kalifornische Kardiologe Stanton Glantz . Österreich liegt im Tabak-Länder-Ranking der Europäischen Krebs-Liga an letzter Stelle.

In Kalifornien sanken Gesundheitskosten um 15 Prozent

„Wir haben in Kalifornien rauchfreie Restaurants, Bars, Casinos und sogar einige rauchfreie Strände. (…) Wir hatten vor 20 Jahren rund 25 Prozent der Bevölkerung, die rauchten. Vergangenes Jahr waren es elf bis zwölf Prozent“, sagte Glantz. In Österreich rauchten 2015 rund 26 Prozent der Menschen. Dafür wurden in dem US-Bundesstaat die ökonomischen und gesundheitlichen Effekte der Rauchverbote laut dem Kardiologen klar belegt: „Man spricht im Zusammenhang mit dem Rauchen vor allem über Lungenkrebs. Aber bei Passivrauchern setzt der Schaden für die Blutgefäße binnen Minuten ein. Wir hatten eine 15- bis 20-prozentige Reduktion der Herzinfarkt- und Schlaganfallhäufigkeit. Die Gesundheitskosten sanken um 14 bis 15 Prozent. Das ist ein gewaltiger Beitrag.“ Das kalifornische Tabakkontrollprogramm hätte zwischen 1989 und 2008 2,4 Milliarden US-Dollar ( 2,11 Milliarden Euro) gekostet. Gleichzeitig seien 243 Milliarden US-Dollar an Gesundheitskosten (213,53 Milliarden Euro) eingespart worden.

Niedrigere Hospitalisierungsrate

Ähnliche Erfahrungen hat man in Italien gemacht. Giuseppe Gorini, ein Epidemiologe aus Florenz, nannte dazu Zahlen: „Bei uns ging nach dem Rauchverbot in der Gastronomie die Hospitalisierungsrate wegen Herzinfarkten binnen zwei Jahren um vier Prozent zurück. Die Sterblichkeit durch Herzinfarkte reduzierte sich um drei Prozent.“ Die breite Einführung der Medikamente gegen Bluthochdruck hätte nur eine Reduktion um zwei Prozent geschafft. (APA/red)