Crowdfunding: Wie Kleinbeträge Berge versetzen

06. Juni 2016 Drucken
Crowdfunding: Wie Kleinbeträge Berge versetzen
Das neue Gesetz greift ab 150 Geldgebern. |© Denise/pixelio.de © Denise/pixelio.de

Im September 2015 ist Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG) in Kraft getreten. „Crowdfunding“ ist eine unter dieses Gesetz fallende alternative Finanzierungsform, zu der zumindest 150 Geldgeber beitragen. Die Steuerberatungskanzlei Hübner & Hübner hat die Schwerpunkte zusammengetragen. Begriff des Emittenten Unter Crowdfunding ist das Einsammeln relativ kleiner Geldbeträge von einer Vielzahl an Personen zu verstehen. Folgende Eckpunkte sind im AltFG verankert: […]

Im September 2015 ist Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG) in Kraft getreten. „Crowdfunding“ ist eine unter dieses Gesetz fallende alternative Finanzierungsform, zu der zumindest 150 Geldgeber beitragen. Die Steuerberatungskanzlei Hübner & Hübner hat die Schwerpunkte zusammengetragen.

Begriff des Emittenten

Unter Crowdfunding ist das Einsammeln relativ kleiner Geldbeträge von einer Vielzahl an Personen zu verstehen. Folgende Eckpunkte sind im AltFG verankert: Umfasst sind natürliche oder juristische Personen (wie etwa eine GmbH), die unmittelbar für ihre operative Tätigkeit durch die Ausgabe alternativer Finanzinstrumente Gelder von 150 oder mehr Anlegern einsammeln. Damit sind lediglich Finanzierungsformen erfasst, bei denen eine finanzielle Gegenleistung für die Zurverfügungstellung der Gelder vereinbart wird. Angebote an weniger als 150 Personen oder Finanzierungsformen ohne Gegenleistung, wie etwa Spenden, sind daher nicht umfasst, betont Hübner&Hübner in einer Aussendung.

Finanzierungsformen

Dem AltFG unterliegen alternative Finanzinstrumente wie etwa Aktien, Anleihen, Geschäftsanteile an Kapitalgesellschaften, Genussrechte und stille Beteiligungen, wobei diese Finanzinstrumente, ausgenommen Anleihen, keinen unbedingten Rückzahlungsanspruch gewähren dürfen. Aus Sicht der Anleger ist zu beachten, dass pro Emission und Jahr grundsätzlich höchstens € 5.000 investiert werden dürfen. Liegt jedoch das durchschnittliche Netto-Monatsgehalt eines Investors über € 2.500, kann diese Grenze überschritten werden.

Neue Prospektpflichtschwelle

Darüber hinaus ist vorgesehen, dass erst ab einem Emissionsvolumen von € 5 Mio. ein aufwändiger und dem Kapitalmarktgesetz entsprechender vollständiger Prospekt zu erstellen ist. Bisher lag diese Prospektpflichtschwelle bei € 250.000 pro Emission. Bei Emissionen zwischen € 1,5 Mio. und € 5 Mio. ist die Erstellung eines vereinfachten Kapitalmarktprospektes zulässig. Darunter entfällt die Prospektpflicht zur Gänze. Bei der Ausgabe von Aktien oder Anleihen ist zu beachten, dass ein vereinfachter Prospekt bereits im Bereich von zumindest € 250.000 Emissionsvolumen zu erstellen ist.

Informationspflichten „light“ ab 100.000 Euro

Sofern das Emissionsvolumen zwischen € 100.000 und weniger als € 1,5 Mio. liegt, sind zusätzlich bestimmte Informationspflichten des Emittenten zu beachten. Diese Informationen sind vorab von einer dazu berechtigen Stelle zu prüfen (insbesondere Wirtschaftstreuhänder, Rechtsanwälte und Notare). Auch für die Betreiber von „Crowdfunding-Plattformen“ im Internet sind bestimmte Informations- und Veröffentlichungspflichten vorgesehen.

Informationsblatt genügt

Für Projekte mit einem Kapitalbedarf zwischen 100.000 Euro und 1,5 Millionen Euro muss ein Informationsblatt (nach den Anforderungen einer Verordnung des BMWFW und des BMASK, sogenanntes „Formblatt für Information von Anlegern“ ) mit speziellen Informationen über das Projekt aufgelegt werden. Es gilt die sogenannte „Prospektpflicht light“. Erst wenn über einen Zeitraum von sieben Jahren die Grenze von 5 Millionen Euro überschritten wird, gilt die volle Prospektpflicht. Bei Emissionen zwischen 1,5 Millionen Euro und 5 Millionen Euro genügt in Zukunft ein vereinfachter Prospekt.

 

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