Fußball-EM: Womit der echte Fan Durst und Hunger stillt

07. Juni 2016 Drucken
Fußball-EM: Womit der echte Fan Durst und Hunger stillt
Das sind sie, die neuen Chips mit Schweinsbratengeschmack - nach Geschmackvorlage von Schneckerl Porhaska. |© Kelly,/Bill Lorenz © Kelly,/Bill Lorenz

Bier und Chips scheinen zum Fußball zu gehören wie Schweiß und Tränen. Für die Europameisterschaft in Frankreich setzen Brauereien, Knabberei-Produzenten und Metzgereien auf Zusatzverkäufe. Chips mit Schweinsbratengeschmack gelten dabei als Vorreiter ballestrischer Reizbefriedigung. Durst im Fußballfieber Mit steigendem Fußballfieber greifen die Österreicher vermehrt zum Bier, die heimischen Brauereien haben ihre Lagerbestände durchwegs aufgestockt. Egger und der Wiener […]

Bier und Chips scheinen zum Fußball zu gehören wie Schweiß und Tränen. Für die Europameisterschaft in Frankreich setzen Brauereien, Knabberei-Produzenten und Metzgereien auf Zusatzverkäufe. Chips mit Schweinsbratengeschmack gelten dabei als Vorreiter ballestrischer Reizbefriedigung.

Durst im Fußballfieber

Mit steigendem Fußballfieber greifen die Österreicher vermehrt zum Bier, die heimischen Brauereien haben ihre Lagerbestände durchwegs aufgestockt. Egger und der Wiener Braukonzern Ottakringer erwarten sich mit der EM ein zweistelliges Umsatzplus. Der ÖFB-Sponsor Stiegl sieht das etwas nüchterner: „Im besten Fall können es ein paar Prozent werden, doch fix ausgehen tun wir davon nicht“, so Stiegl-Geschäftsführer Robert Schraml gegenüber der APA. Bei Kaiserwetter und Finaleinzug der National-Elf würde der Konsum aber natürlich anziehen. Die Brauunion kann aus dem Event alleine keine Prognose abgeben.

Das Dosenmärzen im Tragerl

Die meisten Fußballfans werden ihren Durst mit klassischen Bieren wie dem Märzen löschen, Damen und alkoholbewusste Konsumenten bevorzugen alkoholfreie Sorten. Auch Radler sei hoch im Kurs. Der Trend gehe verstärkt zu Dosen und Multipacks, da Konsumenten gerne auf Vorrat kaufen und die Spiele in Gesellschaft verfolgen.

Limo und Chips

Der Handel erwartet sich zur Fußball-EM Umsatzsteigerungen in den klassischen Segmenten Softdrinks und Knabbereien. Beim (Grill)-Fleisch ist viel mehr das Wetter in der warmen Jahreszeit entscheidend, als das sportliche Großereignis, wie es von einer Sprecherin eines der größten Einzelhändlers Österreichs gegenüber der APA heißt.

Keine Ausreißer

Übers Gesamtjahr würde man die Umsatzsteigerungen bei den einzelnen Produktsparten in der Gesamtheit dann gar nicht mehr herauslesen können, so die Kennerin. Beim bekannten heimischen Knabbereien-Hersteller Kelly’s indes steigt der Produktionsausstoß im Vergleichszeitraum um 30 Prozent, wie es auf Anfrage heißt. Vor und während der Euro wird im Dreischichtbetrieb, manchmal sogar im Vierschichtbetrieb gearbeitet.

Die perfekte Symbiose: Chips mit Schweinsbratengeschmack nach Prohaska-Rezept

Das spezielle Fußball-EM-Marketing wurde bei Kelly’s schon im Vorjahr fixiert. So gibt es „National-Chips“ mit Schweinsbratengeschmack in rot-weiß-roten Packungen mit „Immer wieder Österreich“-Aufdruck. Laut Unternehmen handelt es sich um die Lieblingsgeschmacksrichtung seines Testimonials Herbert Prohaska. Der Ex-Fußballstar und ORF-Fußballexperte ist für die Snackfirma besonders wichtig, wie es auf Nachfrage heißt. Das würden „Testimonial-Studien“ immer wieder zeigen.

 

Mehrverbrauch von 25 bis 50 Prozent

Vom Konkurrenten Lorenz Snack World hieß es gegenüber der APA ebenso, dass die EM ein Absatzhöhepunkt ist. Diesen begleitet man mit speziellen Promotions und Artikeln. „Die Erfahrung zeigt, dass in dieser Zeit durchschnittlich um 25 bis 50 Prozent mehr geknabbert wird als in Vergleichszeiträumen ohne Sport-Großereignis.“ Für den Snackmarkt wird heuer laut Kelly’s ein Wachstum von 4 Prozent erwartet. Das Unternehmen selbst will über dem Schnitt wachsen. Es gelte, durch die Euro zum Jahresende das Wachstum mitzunehmen.

Regen verdirbt die Grillage

Zu konkreten Umsatzzahlen geben sich angefragte Fleischverarbeiter bedeckt – die Wiener Firma Radatz und der Kärntner Unternehmen Karnerta. Beide treten im Match um mehr Absatz jedenfalls mit eigens kreierten Fußball-EM-Angeboten und auch Gewinnspielen an. Karnerta hat sein Sortiment bei Würsteln und mariniertem Fleisch eigens für das Fußballereignis erweitert. Das Onlinebestellservice wurde adaptiert. Radatz bietet eigens geschaffene Wurst-Mixes an. Von Karnerta hieß es ähnlich der Handelskennerin, dass man sich „für den Zeitraum der EM keine Umsatzsteigerung erwartet, da der Grillfleischkonsum sich aus unserer Erfahrung eher am Wetter orientiert“.

Unternehmensdaten

Karnerta – Eigentümerin ist die Linzer Landhof GesmbH & Co KG – hat 230 Mitarbeiter und insgesamt 12 Verkaufsniederlassungen. Der Umsatz lag zuletzt laut Firmencompass bei rund 65 Mio. Euro. Kelly’s hat 318 Mitarbeiter, die in Wien und Feldbach in der Steiermark Rohstoffe verarbeiten – in Wien 35.000 Tonnen Erdäpfel, 11.000 Tonnen Salz, 2.000 Tonnen Maisgries, 300 Tonnen Gewürze, 13.000 Tonnen Mehl und knapp 48.000 Kilometer Packungsfolie pro Jahr. Jährlich verkauft man in Österreich 14 Millionen Sackerln Chips. Der Umsatz liegt bei mehr als 90 Mio. Euro aus. Radatz macht samt Töchtern rund 230 Mio. Euro Umsatz, geht aus dem Firmencompass hervor. Die The Lorenz Bahlsen Snack-World GmbH hat in Österreich 25 Mitarbeiter und setzte rund 47 Mio. Euro um. (APA)