Brexit: Britische Prognosen prophezeien schweren Konjunktureinbruch

04. August 2016 Drucken
Brexit: Britische Prognosen prophezeien schweren Konjunktureinbruch
Und Tschüss: Die Konsequenzen des Brexit bringen alle Politikberater der Welt auf Hochtouren. |© Facebook Granadier Guards © Facebook

Großbritannien steuert nach dem Brexit-Schock auf den stärksten Konjunktureinbruch seit der Weltwirtschaftskrise von 2009 zu. Das Londoner Forschungsinstitut Markit schließt aus seinen am Mittwoch veröffentlichten Umfragedaten unter Einkaufsmanagern, dass sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal um 0,4 Prozent verringern wird. Indikatoren schlagen Alarm Einen solchen Rückgang hat es seit mehr als sieben Jahren nicht […]

Großbritannien steuert nach dem Brexit-Schock auf den stärksten Konjunktureinbruch seit der Weltwirtschaftskrise von 2009 zu. Das Londoner Forschungsinstitut Markit schließt aus seinen am Mittwoch veröffentlichten Umfragedaten unter Einkaufsmanagern, dass sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal um 0,4 Prozent verringern wird.

Indikatoren schlagen Alarm

Einen solchen Rückgang hat es seit mehr als sieben Jahren nicht mehr gegeben. Das Markit-Barometer für die Dienstleister zeigte im Juli wie bereits im Vormonat 47,4 Zähler an. Werte unter 50 Punkten signalisieren einen Rückgang der Wirtschaftsaktivität in dem entsprechenden Sektor.

Rückschläge in allen Branchen

Auch aus anderen Bereichen häuften sich zuletzt schlechte Nachrichten, die Furcht vor einer Rezession nähren: Der Bausektor schrumpfte so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr und auch die Industrie ging rasant auf Talfahrt. Die Daten dürften bei der Bank of England für Alarmstimmung sorgen, die sich nach Ansicht vieler Experten am Donnerstag mit einer Zinssenkung gegen den Abwärtstrend stemmen wird.

Zinsen auf 0,25 Prozent halbiert

Die Bank of England hatte den Schlüsselsatz zur Versorgung der Finanzinstitute mit Geld zuletzt Anfang 2009 gekappt. Seither liegt er auf dem historischen Rekordtief von 0,5 Prozent. Als Reaktion auf das EU-Austrittsvotum vom 23. Juni hat die Notenbank vor wenigen Wochen bereits die Kapitalregeln für Banken gelockert. Mit einer Verringerung des Leitzinses könnten Kredite zudem günstiger werden. Dies soll der Wirtschaft einen Schub verleihen. Das Londoner Forschungsinstitut NIESR taxiert das Risiko, dass es auf der Insel bis Ende 2017 zu einer Rezession kommt, auf 50 Prozent. Der Zinssatz wurde heute Donnerstag von 0,50 Prozent auf 0,25 Prozent verringert.Damit liegt der Zinssatz auf einem neuen Rekordtief.

Immobilienpreise geben erstmals nach

Die aktuelle Unsicherheit schlägt auch auf den Londoner Immobilienmarkt durch. Häuserpreise im exklusiven Zentrum der britischen Hauptstadt sanken im Juli so stark wie seit fast sieben Jahren nicht mehr, wie am Mittwoch aus einem Index der Beratungsfirma Knight Frank hervorging. Demnach gab es auf Jahressicht einen Rückgang um 1,5 Prozent. „Seit der Abstimmung haben viele Käufer einen Abschlag wegen der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit gefordert“, sagte Knight-Frank-Experte Tom Bill. Die Briten haben am 23. Juni in einem Referendum entschieden, die EU zu verlassen.  (APA)