Digitaler Wandel in Österreich: Das Mittelmaß als Messlatte

23. August 2016 Drucken
Digitaler Wandel in Österreich: Das Mittelmaß als Messlatte
Die Digitalsierung braucht Experten. NÖ startet über das AMS ein Umschulungs- und Weiterbildungsprogramm. |© APA © APA

Österreich liegt bei der Digitalisierung irgendwo in der europäischen Mitte. Der Ehrgeiz, zu den Spitzenländern aufzuschließen fehle, meint Wifo-Chef Kalr Aiginger. Die Breitband-Milliarde des Infrastrukturministeriums, die sich derzeit in der Ausschreibungsphase befindet, könnte laut einer Wifo-Studie bis zu 14.700 Beschäftigte auslasten.  Zwischen Euphorie und Ängsten Die Auswirkung der Digitalisierung auf die Arbeitswelt sei ein sehr komplexes Thema, […]

Österreich liegt bei der Digitalisierung irgendwo in der europäischen Mitte. Der Ehrgeiz, zu den Spitzenländern aufzuschließen fehle, meint Wifo-Chef Kalr Aiginger. Die Breitband-Milliarde des Infrastrukturministeriums, die sich derzeit in der Ausschreibungsphase befindet, könnte laut einer Wifo-Studie bis zu 14.700 Beschäftigte auslasten. 

Zwischen Euphorie und Ängsten

Die Auswirkung der Digitalisierung auf die Arbeitswelt sei ein sehr komplexes Thema, betonte Wifo-Experte für Industrieökonomie und Innovation, Michael Peneder, Koordinator der im Auftrag der A1 Telekom Austria erstellten Studie „Österreich im Wandel der Digitalisierung“, am Montag beim Pressegespräch in Wien. Generell bestehe die Tendenz, die volkswirtschaftlichen Effekte neuer technologischer Möglichkeiten kurzfristig zu über- und langfristig zu unterschätzen. „Die Diskussion pendelt zwischen Euphorie und Ängsten“, so Peneder.

Automatisierung ersetzt Routine

Bestehende Berufe würden durch Automatisierung in der Regel nicht obsolet, aber innerhalb der Berufe würden sich die Arbeitsinhalte zu Nicht-Routinetätigkeiten verschieben, während manuelle Routinetätigkeiten weiter unter Druck geraten werden. Die aus den USA stammende „Polarisierungshypothese“, wonach die Automatisierung kognitiver Routinetätigkeiten zunehmend Beschäftigung mit mittlerer Qualifikation ersetzt, finde in Österreich bisher keine Bestätigung.

Umbau ist gestaltbar

Wifo-Chef Karl Aiginger betonte, dass die mit dem digitalen Wandel einhergehenden Änderungen nicht abrupt eintreten würden und gestaltbar seien, besonders die gesellschaftlichen Auswirkungen. Digitalisierung könne gesellschaftliche Probleme verschärfen – aber auch lösen. Sie könne zu verstärkter Überwachung und Kontrolle führen, was aber sowohl positiv als auch negativ sein könne. Aiginger geht davon aus, dass die hervorgerufenen Veränderungen groß sein werden und Auswirkungen auf die Ungleichheit in der Bevölkerung („Digital Divide“) und die Arbeitswelt haben, wobei der Netto-Beschäftigungseffekt – also, ob mehr Jobs verschwinden oder mehr entstehen – derzeit noch unklar sei.

Digitalisierung kann Landflucht bremsen

Das technologische Rückgrat der Digitalisierung sei die Telekommunikation, so A1-Chefin Margarete Schramböck. Es gebe einen positiven Zusammenhang zwischen Digitalisierung und regionalem Beschäftigungszuwachs. A1 selbst investiere 500 Mio. Euro in den Breitbandausbau.

Hinter Schweden und der Schweiz

Die Investitionen der Telekom-Branche in Österreich läge zwar über dem Durchschnitt anderer Branchen, aber im internationalen Vergleich deutlich hinter Ländern wie Schweden oder der Schweiz, führte Peneder aus. Generell seien Länder mit hohen Einkommen auch höher digitalisiert. Gemessen am BIP-pro-Kopf liege Österreich hier aber zurück. Vor allem der Anteil von schnellem Breitband sei gering. Peneder fordert aber keine zusätzlichen Förderinstrumente – es gebe bereits eine breite Palette davon. „Entscheidend werden Effizienz, Effektivität und Geschwindigkeit bei der Umsetzung sein“, so der Experte.

Kein Zug zur Spitze

Aiginger sieht bei der Digitalisierung Österreichs ein ähnliches Bild wie bei Forschung, Bildung und Umwelt. Österreichs Position liege im europäischen Mittelfeld – mit zu wenig Ehrgeiz, ins Spitzenfeld vorzudringen. Aiginger hofft, dass der Breitband-Ausbau jetzt schneller als bisher vorankommt. „Ich sehe mehr Verständnis, mehr Bewusstsein, dass wir ein Problem haben“, so Aiginger. (APA)

 

Mehr zum Thema