Energiewirtschaft in Österreich: 10 Trends für die Zukunft

20. Oktober 2016 Drucken
Energiewirtschaft in Österreich: 10 Trends für die Zukunft
Big- Data- Blockchain-Technologie, E-Mobilität: Die heimische Energiewirtschaft muss reagieren. |© APA © APA

Big Data und Blockchain-Technologie werden in der Energiewirtschaft keinen Stein auf dem anderen lassen.  Der Consulter PWC hat für eine Studie 150 österreichische Unternehmen aus der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie nach den energierelevanten Entwicklungen der kommenden Jahre befragt. Großer Nachholbedarf bei Big Data 33 % der befragten Stromlieferanten geben an, dass die Speicherung von Daten zu Analysezwecken […]

Big Data und Blockchain-Technologie werden in der Energiewirtschaft keinen Stein auf dem anderen lassen.  Der Consulter PWC hat für eine Studie 150 österreichische Unternehmen aus der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie nach den energierelevanten Entwicklungen der kommenden Jahre befragt.

Großer Nachholbedarf bei Big Data

33 % der befragten Stromlieferanten geben an, dass die Speicherung von Daten zu Analysezwecken in den nächsten fünf Jahren noch nicht vorgesehen ist. Die Industrie ist hier der Energiewirtschaft voraus. 43 % der Industrieunternehmen analysieren spezifische Daten, um neue Produkte einzuführen. Mit der Smart-Meter Einführung wird die Datenflut zunehmen und somit auch die Möglichkeiten zur Datenanalyse. Ein zukunftsorientiertes EVU muss auf diese Entwicklungen mit einer weitreichenden Digitalisierungsstrategie reagieren.

Energiemarkt im Wandel: Blockchain-Technologie führt Revolution an

Via Blockchain kann Strom automatisiert bilateral (P2P) zwischen Erzeugern und Verbrauchern per Algorithmus gehandelt werden. So ist es möglich, dass einzelne Marktfunktionen, wie z.B. Clearingstellen, Energielieferanten usw., durch Blockchain-Technologie ersetzt werden. Ein Durchbruch dieser Technologie würde den Stromhandel revolutionieren.

Verdrängungsgefahr durch branchenfremde Akteure

76 % der Energieversorger nehmen eine Bedrohung durch branchenfremde Akteure wahr. Dennoch richtet ein Großteil der Energieversorger die Unternehmensstrategie nur geringfügig danach aus. 70 % der Stromlieferanten erachten die Ausweitung des Produktportfolios als einen guten Ansatz, um sich gegen branchenfremde Akteure zu wappnen. Allerdings sehen nur 2 % der Industrieunternehmen, die bereits einmal den Anbieter gewechselt haben, in Zusatzleistungen einen Hauptgrund für den Wechsel. Haushaltskunden lassen sich im Gegensatz dazu vermehrt mit Zusatzleistungen an den Versorger binden.

Energieflatrate: Energieeffizienz als große Herausforderung

Die bestehenden Tarifmodelle sind in den meisten Fällen nicht mit den zukünftigen Anforderungen der Kunden bzw. den geänderten Marktbedingungen gewachsen. 39 % der befragten Industrieunternehmen und 37 % der Stromlieferanten halten die Einführung einer Energieflatrate bis 2020 für wahrscheinlich. Ein großes Thema wird dabei die Ausgestaltung von Anreizsystemen sein, damit eine entsprechende Flatrate nicht zu einem zusätzlichen unnötigen Stromverbrauch führt.

Speichertechnologien werden den Markt stark verändern

Der Mobilitätssektor ist ein Technologietreiber für Batteriespeicher. Rund 50 % der befragten Industrieunternehmen beabsichtigen bis 2020 Elektroautos in den Fuhrpark aufzunehmen. Im Haushaltsbereich mehren sich auf Grund fallender Produktionskosten die Angebote für Batteriespeicherlösungen. Durch die Dezentralisierung der Stromerzeugung wird die Bedeutung von Stromspeichern in Zukunft weiter zunehmen.

Dezentrale Anlagen, zentrales IT-System: Virtuelle Kraftwerke

Virtuelle Kraftwerke sind eine Möglichkeit, um viele dezentrale Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen gemeinsam über ein zentrales IT-System zu vermarkten. Etablierte Energieversorger nützten bisher diese Möglichkeiten kaum. 10 % der energieintensiven Unternehmen haben ihren Stromverbrauch bereits an die Preissituation am Strommarkt angepasst. Eine ähnliche Anzahl energieintensiver Unternehmen ist bereits selbst zum Regelenergieanbieter geworden.

Intensivere Kooperationen mit Unternehmen

Kooperationen mit Start-ups und branchenfremden Unternehmen bieten eine gute Möglichkeit zur Erweiterung des eigenen Kompetenzbereichs. Dabei können neues Wissen aufgebaut sowie bestehende Kernkompetenzen durch neue Ansätze vertieft werden.

Österreichs Versorgungssicherheit im europäischen Spitzenfeld

63 % der energieintensiven Unternehmen gaben an, dass ihnen im Falle einer Stromunterbrechung unmittelbar ein wirtschaftlicher Schaden entsteht. Daher investierten bereits 58 % der Unternehmen in Notstromaggregate oder Batterien, sodass im Falle einer Stromunterbrechung die Aufrechterhaltung der Produktion gewährleistet werden kann. In Österreich hatte 2014 im Durchschnitt jeder Netzkunde weniger als 70 Minuten keinen Strom zur Verfügung. Im europäischen Vergleich liegt Österreich damit im Spitzenfeld.

Energieeffizienzmaßnahmen: Internationale Verpflichtungen machen Druck

79 % der befragten energieintensiven Industrieunternehmen gaben an, ausgehend vom aktuellen Stand bis 2020 ein Energieeinsparpotenzial von weniger als 10 % zu sehen. Trotzdem wurden 2015 in Österreich fast doppelt so viele Energieeffizienzmaßnahmen als gesetzlich benötigt gesetzt, wodurch das Maßnahmenziel bis 2020 ohne größere Schwierigkeiten erreicht werden sollte. Ob die gemeldeten Maßnahmen immer in einer Verbrauchsreduktion resultieren, wird von den zuständigen Behörden nicht geprüft.

Emissionszertifikate stehen vor einem Neustart

Der Preis für Emissionszertifikate ist mit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 sowie dem daraus resultierenden Mengenüberschuss eingebrochen, wodurch die Zertifikate ihre Lenkungswirkung verloren haben. Auf Grund des deutlichen Überschusses an Zertifikaten am Markt ist nicht absehbar, wann die von der EU gesetzten Maßnahmen zur Preisstabilisierung greifen und

Methode

Im Rahmen der ÜWC.Studie wurden 150 Unternehmen aus der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie zu Rahmenbedingungen sowie zu zukünftigen Entwicklungen der Branche befragt. Des Weiteren wurden Tiefeninterviews mit ausgewählten Führungskräften von Großunternehmen durchgeführt.

 

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