Einzelhandel: Wer expandiert in Österreich

24. Februar 2017 Drucken
Einzelhandel: Wer expandiert in Österreich
Vorarlberger Einzelhandelsgeschäfte lukrierten im ersten Halbjahr 2014 nominelle Umsatzzuwächse. |© Heike / pixelio.de © Heike / pixelio.de

Der stationäre Einzelhandel kämpft nach wie vor mit stagnierenden Umsätzen. Dennoch planen die Einzelhändler weitere Filialeröffnungen. Im Sportartikelhandel verstärkt der Markteintritt eines französischen Mitbewerbers die Konkurrenz.  Expansion mit Vorsicht Laut einer aktuellen Befragung von RegioData Research sind derzeit rund 560 filialisierte Einzelhändler und handelsnahe Unternehmen auf der Su­che nach neuen Standorten in Österreich. Die Anzahl der […]

Der stationäre Einzelhandel kämpft nach wie vor mit stagnierenden Umsätzen. Dennoch planen die Einzelhändler weitere Filialeröffnungen. Im Sportartikelhandel verstärkt der Markteintritt eines französischen Mitbewerbers die Konkurrenz. 

Expansion mit Vorsicht

Laut einer aktuellen Befragung von RegioData Research sind derzeit rund 560 filialisierte Einzelhändler und handelsnahe Unternehmen auf der Su­che nach neuen Standorten in Österreich. Die Anzahl der Unternehmen beziehungsweise Vertriebslinien, die in Österreich in diesem Jahr expan­dieren möchten, ist im Vergleich zu 2015 und 2016 sogar leicht gestie­gen. An der Gesamtzahl der Filialfläche im österreichischen Einzelhandel wird sich aber deshalb nichts Gravierendes ändern, denn: Bei einem Großteil der Neueröffnungen findet lediglich ein Austausch von Filialisten statt. Die Expansion passiert auf bestehender Fläche. Das bedeutet: Verdrängung statt Erweiterung.

Kleine Standorte mit durchschnittlich 200 m2 sind gefragt

Die Expansionsentwicklung folgt dem Trend der letzten Jahre: Die Mehr­heit der Retailer will weiter wachsen, geht dabei aber sehr achtsam vor. Im Vordergrund steht nicht mehr das Flächenwachstum um jeden Preis, sondern die Qualität des Standortes. Am begehrtesten sind nach wie vor innerstädtische Geschäftslagen gefolgt von Flächen in Einkaufszentren. Je nach Handelsbranche werden hauptsächlich Verkaufsflächen zwischen 100 m2 und 200 m2 beziehungsweise zwischen 200 m2 bis maximal 500 m2 gesucht. Flächen von bis zu 100 m2 sind speziell bei filialisierten Dienstleistern oder Online-Händlern gefragt. Letztere beispielsweise su­chen Kleinflächen für Pick-Up-Stationen. Ebenso gefragt sind Kleinflächen als temporäre Standorte für Pop-Up-Stores, die mittlerweile kein Ni­schenphänomen mehr sind.|© Regio Data Grafik

Expansion durch Modehandel und Systemgastronomie

Laut RegioData wird die Expansion durch den Fashion-Bereich und die Systemgastronomie getragen. In diesen beiden Branchen gibt es aber auch die größte Fluktuation: „Neue Konzepte lösen alte rasch ab“, heißt es in der Studie.

Mit „verhaltener Expansion“ zu rechnen

RegioData hat im Jänner dieses Jahres über 800 filialisierte Handels- und handelsnahe Dienst­leistungsunternehmen nach ihren Expansionsabsichten in 2017 befragt. Der Umfrage zufolge planen 560 dieser Unternehmen, neue Filialen in Österreich zu eröffnen, wobei für das Jahr 2017 mit insgesamt etwa 800 – 900 neuen Mietver­tragsabschlüssen zu rechnen ist. Grundsätzlich möchten alle im heimischen Handel vertretenen Branchen ihr Filialnetz erweitern.

Alte und neue Player kämpfen um Anteile

Die meisten Expansionen sind allerdings im Bereich „Fashion“ zu erwarten. Über 160 Bekleidungsunternehmen geben an, expandieren zu wollen. Rechnet man den Schuh- und Lederfachhandel dazu, sind es nahezu 200 Unternehmen. Neben neuen Marken, die in den letzten Jahren in den heimischen Markt gedrängt sind (Primark, TKMaxx, Hunkemöller etc.), planen auch alteingesessene Riesen wie H&M, Zara und Mango weitere Fili­aleröffnungen. Es sei aber mit einer verhaltenen Expansion zu rechnen, da sich der Bekleidungseinzelhandel in den letzten fünf Jahre im Vergleich zu fast allen anderen Branchen umsatzmäßig am schwächsten entwickelt habe.

Konkurrenz im Sporthandel verschärft sich

Spannender dürfte es da im heißumkämpften Sportfachhandel werden. 2017 hat sich neue Konkurrenz angesagt: Der französische Sportdiskonter Decathlon sowie der norwegische Händler XXL haben den Markteinstieg in Österreich angekündigt.

Wenig attraktive Freiflächen vorhanden – hohe Verkaufsflächendichte

Abgesehen von flauen Einzelhandelsumsätzen bremst auch die geringe Flächenverfügbarkeit große Expansionspläne. Aufgrund der ohnehin großen Verkaufsflächendichte, mangelnder Neu­bauprojekte sowie einiger schwächelnder Einzelhandelsimmobilien sind freie Flächen in attrak­tiven Lagen in Österreich rar. Insbesondere der Shopping Center-Markt ist seit einigen Jahren gesättigt. Im gesamteuropäischen Vergleich zählt Österreich mit einer Verkaufsflächendichte von 1,7 m2/Einwohner bereits zu den europäischen Spitzenreitern. Das bedeutet: In naher Zu­kunft wird der Trend zu weniger Verkaufsflächen weiter anhalten.

Systemgastronomie expansionsfreudig

Eine immer wichtigere Rolle im Einzelhandel nimmt die Systemgastronomie ein. Die Gastrono­mieflächen in Shopping Centern und Einkaufsstraßen sind in den letzten Jahren deutlich gestie­gen. Zum einen erhöhen gastronomische Angebote die Verweildauer der Kunden zum anderen wird der Außer-Haus-Konsum immer beliebter. Die Systemgastronomie profitiert von diesem Trend ganz besonders, was zu einem deutlichen Anstieg an filialisierten Gastronomieangeboten geführt hat. Heuer möchten 63 filialisierte Gastronomen, darunter Altbekannte wie Mc Donald’s und neuere Franchise-Konzepte wie Burgerista oder Hans im Glück, weitere Filialen eröffnen.

Lebensmittelhandel schichtet bei Standorten um

Obwohl die Ausgaben für Lebensmittel in Österreich stagnieren, hegt auch der Lebensmittel­handel nach wie vor Expansionpläne. Sowohl Diskonter als auch klassische Einzelhändler sind auf der Suche nach Standorten und halten unabhängig von ihrer Ausrichtung Ausschau nach Flächen in allen Lagen. Der Fokus liegt dabei klar auf frequenzstarken Orten statt – wie noch vor einigen Jahren – auf der grünen Wiese.  Mehr zum Thema

Die RegioData Research GmbH mit Sitz in Wien ist Spezialist bei regionalen Wirtschaftsdaten in Euro­pa. Wir liefern Entscheidungsgrundlagen für Handel, Real Estate und Finanzierung. Aktuell, klar und si­cher! RegioData Research erhebt und berechnet als Marktführer seit 20 Jahren Daten zur Kaufkraft in Österreich und allen anderen europäischen Ländern. Die Studie „Wer expandiert in Österreich – Ausgabe 2017“ ist aktuell zum Preis von € 360,- (zzgl. 20% MwSt.) bei RegioData erhältlich. Nähere Informationen unter www.regiodata.eu