Studie: Wirtschaftsstandort Österreich kämpft mit alten Mängeln

19. April 2017 Drucken
Studie: Wirtschaftsstandort Österreich kämpft mit alten Mängeln
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Eine internationale Studie zeigt eine Stagnation bei ausländischen Direktinvestitionen in Österreich. In der Analyse von  A.T. Kearney rangiert Österreich auf dem wenig zufriedenstellenden 24. Platz. Dafür sind die Prognosen für Europa und die Weltwirtschaft positiv. Der Brexit wirft seine ersten Schatten auf die Insel. Mantra: Fehlende Strukturreformen und hohe Lohnnebenkosten Ausländische Investoren zeigen Österreich weiterhin die kalte […]

Eine internationale Studie zeigt eine Stagnation bei ausländischen Direktinvestitionen in Österreich. In der Analyse von  A.T. Kearney rangiert Österreich auf dem wenig zufriedenstellenden 24. Platz. Dafür sind die Prognosen für Europa und die Weltwirtschaft positiv. Der Brexit wirft seine ersten Schatten auf die Insel.

Mantra: Fehlende Strukturreformen und hohe Lohnnebenkosten

Ausländische Investoren zeigen Österreich weiterhin die kalte Schulter. “Während Deutschland immer beliebter wird, tritt Österreichs Wirtschaft auf der Stelle“, heißt es in einer Pressemitteilung von  A.T. Kearney. In der Aussendung werden Ergebnisse des „17. FDI Confidence Index“ präsentiert. In der Studie untersucht A.T. Kearney seit 1998 Verhalten und Vorhaben global agierender Unternehmen hinsichtlich der attraktivsten Zielländer für ihre ausländischen Direktinvestitionen. In diesem Index landet Österreich im europäischen Vergleich auf dem 17. Platz. International betrachtet schaffte es die Alpenrepublik mit Rang 24 gerade noch auf den vorletzten Platz. Nur Südafrika schneidet noch schlechter ab“, so A.T. Kearney. Den Grund für diese Stagnation ortet die Unternehmensberatung in der fehlenden Standortattraktivität. Die Argumnente sind nicht neu: Fehlende Strukturreformen und hohe Lohnnebenkosten würden die Investitionsbereitschaft mindern. Neue Rechtsunsicherheit, wie z.B. die negative Entscheidung zum Flughafenausbau, seien dem Standort ebenfalls nicht förderlich.

Stimmung nicht so schlecht

2015 war Österreich erstmals nach 13 Jahren wieder in die Top 25 Liste des FDICI aufgerückt. Zu verdanken hatte man den 21. Platz den unter anderem großen Investitionen des Pharmakonzerns Roche oder dem Deal der Telekom Austria mit América Móvil. Doch seit zwei Jahren geht es wieder bergab und Österreich stagniert auf niedrigem Niveau. Trotzdem sind die Investoren, was den Wirtschaftsstandort Österreichs betrifft, durchaus optimistisch gestimmt. So stieg gegenüber 2016 die Zuversicht um 23 Prozent. Zum Vergleich: Mit 45 Prozent optimistischer als im vergangenen Jahr sind die Investoren für die USA, was wohl auch mit den von Donald Trump angekündigten Investitionsprogrammen und Steuersenkungen zu tun hat.

Brexit wirft erste Schatten

Große Wachstumschancen sehen die befragten Topmanager vor allem in Europa, das 11 Länder (13 Länder 2016) unter den Top 25 vorzuweisen hat. Deutschland besetzt als Europas Wirtschaftsmotor erstmals den zweiten Platz (Rang 4 im Jahr 2016). Mit seiner politisch stabilen und wirtschaftlich soliden Basis ist Deutschland – trotz Flüchtlingskrise – attraktivster Investitionsstandort in Europa. Erste Schatten wirft hingegen der Brexit voraus. Zwar schaffte Großbritannien noch den Sprung auf den vierten Rang (Rang 5 im Jahr 2016), da viele Unternehmen, die derzeit nur in Kontinentaleuropa eine Niederlassung haben, versuchen, noch rasch einen Fuß in den britischen Markt zu bekommen. Langfristig rechnen Investoren aber damit, dass Investitionen künftig verstärkt in Kontinentaleuropa getätigt werden. Als mögliche Brexit-Gewinner sehen die Studienautoren auch Schweden (von Rang 22 auf 15), Italien (von Rang 16 auf 13) und Irland (von Rang 23 auf 20). Leicht zulegen konnten Frankreich (von Rang 8 auf 7) und Spanien (von Rang 13 auf 11). Während neben Österreich auch die Niederlande stagnieren, zählen die Schweiz (von Rang 11 auf 12) und Belgien (von Rang 19 auf 22) zu den Absteigern.

Schwellenländer holen auf

Auch wenn Industriestaaten das Ranking dominieren, Schwellenländer holen weiter kräftig auf. Zählte der Index vergangenes Jahr noch fünf Schwellenländer, waren es dieses Jahr schon sieben. Neu im Index sind die Vereinigten Arabischen Emirate, Neuseeland und Südafrika. Damit sind zum ersten Mal überhaupt ein afrikanisches und arabisches Land im Index vertreten. Das zeigt auch die steigende Risikobereitschaft unter den Investoren. Größtes Sorgenkind bleibt Brasilien, das im Index zum zweiten Mal in Folge abrutscht. Innerhalb von zwei Jahren fiel das Land von Rang 6 (2015) auf Rang 16 zurück. Wieder auf Erholungskurs befindet sich Mexiko, das nach dem Absturz im vergangenen Jahr einen Platz gutmachen konnte.

Safety First, Marktgröße Second!

Politische Risiken lassen Investoren allerdings weiter vorsichtiger werden. 7 von 10 Entscheidungsgründe betreffen den Bereich Governance und Regulierung. Besonders wichtig sind den Investoren ein sicheres politisches Umfeld, Rechtsicherheit und die Aus- und Abgabenquote. Dagegen sind Investitionsanreize wie Infrastruktur und Arbeitskräftepotential weniger Ausschlag gebend. Spannend: Die Markgröße eines Landes verliert dabei an Bedeutung. Sie fällt von Platz 1 im Jahr 2016 auf Platz 6 zurück.
Was die Weltwirtschaft betrifft, sind die Investoren durchaus positiv gestimmt. Während sie im vergangenen Jahr gespalten waren, gehen dieses Jahr 60 Prozent der Unternehmen optimistisch in die Zukunft. Investoren sehen zum dritten Mal in Folge ein Ansteigen der geopolitischen Spannungen als das höchste Risiko für die Weltwirtschaft.

75 Prozent planen Investitionen

Das Gesamtvolumen grenzüberschreitender Investitionen sank laut Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent auf 1,5 Billionen Dollar. Grund sind vor allem die gesunkenen Investitionen in Schwellenländer. Die Autoren rechnen, dass Unternehmen ihre Investitionsentscheidungen wegen politischer Unsicherheiten aber nur kurzfristig zurückstellen. Die große Mehrheit der befragten Unternehmer (75 Prozent) plant, ihre Investitionen jenseits ihrer heimischen Märkte innerhalb der nächsten drei Jahre sogar auszubauen, und sieht darin den besten Hebel, um ihre Profitabilität zu steigern und sich Wettbewerbsvorteile zu sichern. Das entspricht einer Steigerung um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Als Gründe nennen die Befragten attraktive Investitionsmöglichkeiten und das günstige makroökonomische Umfeld.

Auslandsinvestitionen ziehen an

Die aktuellen Ergebnisse des Foreign Direct Investment Confidence Index (FDICI) zeigen eine deutliche Wiederbelebung der Investitionsbereitschaft im Ausland. Trotz Kritik an Globalisierung und protektionistischer Stimmung in vielen Ländern suchen die Unternehmen verstärkt nach neuen Chancen durch Direktinvestitionen im Ausland. Investoren sehen ausländische Direktinvestitionen als Wachstumschance inmitten steigender Anti-Globalisierungs-Stimmung.

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