Wohlstands-Report: Österreich kommt nicht vom Fleck

02. Mai 2017 Drucken
Wohlstands-Report: Österreich kommt nicht vom Fleck
15743421084831574341247790

Österreich liegt in einem globalen Wohlstandsranking auf Rang 15 und ist führend im CEE-Vergleich. Die Verfasser verweisen auf einen breiten, aber stagnierenden Wohlstand in Österreich. Hauptgrund dafür ist die schleppende Wirtschaftsentwicklung. Weltweit auf Platz 15 Echter Wohlstand bedeutet gleichermaßen Wohlbefinden als auch materiellen Reichtum. Österreich liegt laut Wohlstandsindex ( Legatum Prosperity Index™) in der CEE-Region an […]

Österreich liegt in einem globalen Wohlstandsranking auf Rang 15 und ist führend im CEE-Vergleich. Die Verfasser verweisen auf einen breiten, aber stagnierenden Wohlstand in Österreich. Hauptgrund dafür ist die schleppende Wirtschaftsentwicklung.

Weltweit auf Platz 15

Echter Wohlstand bedeutet gleichermaßen Wohlbefinden als auch materiellen Reichtum. Österreich liegt laut Wohlstandsindex ( Legatum Prosperity Index™) in der CEE-Region an der Spitze. Global liegt Österreich am Wohlstand gemessen am 15. Platz und liefert von den 149 vom Institut bearbeiteten Ländern auch den fünfzehntgrößten positiven Wohlstandsüberschuss. Ein Wohlstandsüberschuss bedeutet, dass das jeweilige Land in der Lage ist, im Verhältnis zu seinem Vermögensniveau mehr Wohlstand zu schaffen.

Aufholbedarf gegenüber Vergleichsnationen

Eine eingehendere Analyse zeigt aber auch, dass die Entwicklung Österreichs unter jener von Ländern mit einem ähnlichen Vermögensniveau – wie etwa Dänemark, Deutschland, Schweden und Australien – liegt. Außerdem stagnierte der Wohlstand in Österreich, während er in CEE-Ländern und beispielweise Deutschland zugenommen hat. Der Bericht zeigt, dass der Wohlstand in Österreich zwar eine breite Basis hat – in Form einer sicheren und freien Gesellschaft, eines qualitätsvollen Bildung- und Gesundheitswesens, stabiler wirtschaftlicher und politischer Strukturen – , im letzten Jahrzehnt aber stagniert hat.

Rückgang des Sozialkapitals

Die Stagnation des österreichischen Wohlstands wird durch einen im globalen Vergleich sehr starken Rückgang des Sozialkapitals – definiert als Bindungen und Vertrauen zwischen den Bürgern sowie zwischen Bürgern und Institutionen – erklärt. Die Studie stellte fest, dass das Sozialkapital in Österreich im Lauf des letzten Jahrzehnts um 8% gesunken ist. Die Verfasser des Berichts heben hervor, dass derart große Veränderungen im Sozialkapital selten sind. Im Bericht wird des Weiteren auch angemerkt, dass der steile Abfall des österreichischen Sozialkapitals eine Folge wirtschaftlicher, nicht jedoch sozialer Veränderungen war.

Zusammenhalt hat gelitten

Bei der Bewertung des Sozialkapitals zählen Zusammenhalt und Netzwerke in der Gesellschaft, Bürgersinn und die Existenz sozialer Normen, welche die Zusammenarbeit fördern. Sozialkapital kann in vier Komponenten aufgeteilt werden: Vertrauen, Familie und Gemeinschaft, gesellschaftliches Engagement und Bürgerpartizipation.

Schleppende Wirtschaftsentwicklung als Hauptursache

In einem Kommentar zu den Feststellungen des Berichts erklärte Paul Caruana Galizia, der federführende Verfasser des Berichts, dass „entgegen jüngsten Schlagzeilen über wachsenden Populismus in Österreich und hitzigen Debatten über die Immigration das Problem nicht ein wachsendes Misstrauen gegenüber Minderheiten und Immigranten, sondern das schleppende Wirtschaftwachstum sei. Dies hat einerseits dazu geführt, dass im privaten Bereich eine starke wechselseitige finanzielle Unterstützung notwendig, es andererseits aber auch schwieriger geworden ist, diese zu leisten. Dadurch kam Österreichs Sozialkapital und der Wohlstand im Allgemeinen unter Druck.“

Das Sozialkapital ist ein Grundpfeiler des Wohlstands, weil es auch eng mit anderen Subindices wie Vertrauen in das Unternehmertum und in Governance verbunden ist. Seine Stärkung hat damit eine stark positive Wirkung auf den Wohlstand.

Erster Wohlstandsbericht für CEE

Das Legatum Institute, eine internationale Denkfabrik und Bildungseinrichtung, stellte ihren ersten Wohlstandsbericht für Zentral- und Osteuropa („Central and Eastern Europe Prosperity Report“) in der Erste Group in Wien im Rahmen eines Roundtable-Gesprächs mit Fokus auf Österreich vor. Mit dem Wohlstandsindex ( Legatum Prosperity Index™)  wird ein Länderranking auf Basis von potentiellen Stärken und Schwächen in neun verschiedenen Bereichen erstellt: Wirtschaftliche Grundlagen, Unternehmertum, Governance, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, persönliche Freiheit, Sozialkapital und Umwelt.