Darf der Arbeitgeber Kleidungsvorschriften machen?

12. Mai 2017 Drucken
Darf der Arbeitgeber Kleidungsvorschriften machen?
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Bei manchen Jobs machen Kleider nicht immer Leute

Berechtigen Arbeitsvertragsklauseln oder Weisungsrecht den Arbeitgeber, auf die Kleidung oder das Aussehen des Mitarbeiters Einfluss zu nehmen? Die WK Tirol hat die Gesetzeslage untersucht.

Das Weisungsrecht des Arbeitgebers

Kleidung ist grundsätzlich ein Teil der Privatsphäre des Arbeitnehmers. Auch im dienstlichen Bereich hat der Arbeitnehmer eine (geschützte) Privatsphäre, die ihm erlaubt, seine Kleidung (oder etwa Schmuck, Haar- und Barttracht, Tätowierungen) frei zu wählen. Allerdings darf der Arbeitgeber dieses Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers immer dann einschränken und seinem Arbeitnehmer Ge- bzw. Verbote hinsichtlich seines äußeren Erscheinungsbildes erteilen, wenn er gute Gründe hat.

Im Einzelfall Vorschriften möglich

Obwohl es keine allgemein gültigen Regeln über die Zulässigkeit oder Nichtzulässigkeit von Bekleidungsvorschriften gibt, kann ein Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer im Einzelfall vorschreiben, wie dieser sich während der Arbeitszeit zu kleiden hat. So können spezielle Gründe das Interesse des Arbeitnehmers überwiegen:

  • der Arbeitnehmerschutz (z. B. wallende Gewänder bei der Arbeit an Maschinen, lange Ketten etc.),
  • Hygienevorschriften (z. B. in Krankenanstalten, in der Gastronomie etc.),
  • bestimmte Vorstellungen vom Erscheinungsbild des Arbeitnehmer in einer gewissen Branche (z. B. Banken) bzw. einem bestimmten Aufgabenbereich (z. B. Rechtsanwalt, Steuerberater etc.) oder
  • sonstige berechtigte Interessen des Arbeitgebers

Regelung im Arbeitsvertrag festhalten

Arbeitgeber und Arbeitnehmer können sich auch bereits im Arbeitsvertrag auf ein bestimmtes Erscheinungsbild einigen. Eine solche Vereinbarung spart im Einzelfall auch Zeit und Nerven. Solange für das gewünschte Erscheinungsbild (z. B. das Tragen eines Anzugs und einer Krawatte) nicht jede sachliche Rechtfertigung fehlt bzw. von einer Schikane auszugehen ist, sind solche Vereinbarungen regelmäßig zulässig.

 

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