Luftfahrt: Wie Internet-on-Board zur Cash Cow der Airliner wird

26. Mai 2017 Drucken
Luftfahrt: Wie Internet-on-Board zur Cash Cow der Airliner wird
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Eine Studie untersucht die Wichtigkeit eines Internet-on-Board-Angebotes bei Fluglinien und wie viel die Passagiere bereits sind, dafür zu bezahlen.

Ein Internet-Anschluss während des Flugs zählt zu den drei wichtigsten Kriterien bei der Flugauswahl. Und zwei von drei Passagieren sind bereit, für Internet-on-Board zu bezahlen, heißt es in einer Untersuchung des Münchner Beratungs-Konzerns Roland Berger.

Internetzugang bringt bis zu 3,60 Euro pro Passagier

Internet-on-Board erschließt Fluggesellschaften neue Einnahmequellen, da immer mehr Passagiere auch im Flugzeug online sein wollen und ihre Flüge danach auswählen. Noch können Airlines allein für den technischen Zugang Geld verlangen. Mittelfristig dient das Internet-Angebot an Bord aber vor allem als zusätzlicher Vertriebskanal, über den Kunden einkaufen, Flüge upgraden oder Meilen einlösen können. Insgesamt sind aus dem Online-Bereich auf Kurzstrecken Einnahmen von 1,20 Euro je Fluggast möglich, auf Langstrecken etwa 3,60 Euro. Die Erträge stammen nicht nur aus den Einnahmen für den kostenpflichtigen WiFi-Zugang, sondern auch aus gezielten Shopping-Angeboten, Werbung und Sponsoring, heißt es in der Roland Berger-Studie „Spread your wings“ über Chancen der On-Bord-Konnektivität im Fluggeschäft.

Internet-on-Board als ausschlaggebendes Kriterium

Eine aktuelle Umfrage unter 20 internationalen Fluggesellschaften zeigt, welche Kriterien bei der Flugauswahl für Passagiere eine wichtige Rolle spielen. Standen in der Vergangenheit Faktoren wie Preis, Flugplan sowie die Marke des Anbieters oder bestimmte Produkteigenschaften im Vordergrund, gehört die Internet-Verfügbarkeit an Bord bei Suchanfragen auf Buchungsplattformen schon jetzt zu den drei wichtigsten Kriterien.

Wichtiger als Essen oder Unterhaltung

Eine deutliche Mehrheit der Passagiere zieht laut einer Umfrage von Inmarsat aus dem Jahr 2016 den Internet-Zugang (54%) während des Fluges einer Mahlzeit (19%) oder einem Unterhaltungsangebot (16%) vor. Zwei Drittel der Befragten sind sogar bereit, für den Internet-Zugang zu bezahlen. Doch das Potenzial ist größer, erklärt Kai-Marcus Peschl von Roland Berger: „Wichtiger als die Gebühren für die Internet-Nutzung ist die Möglichkeit für die Fluggesellschaften, ihren Passagieren personalisierte Shopping-Angebote oder Dienstleistungen anzubieten. Dadurch können Airlines weiteres Geschäft generieren.“

Abnehmende Zahlungsbereitschaft

Wollen internationale Fluggesellschaften den Internet-Zugang an Bord als Differenzierungsfaktor nutzen, müssten sie so schnell wie möglich ein passendes Angebot entwickeln. Das Zusatzgeschäft wird für Fluggesellschaften, die zu spät Internet an Bord anbieten, nicht mehr gut ausfallen. Denn mittelfristig wird die Zahlungsbereitschaft der Passagiere abnehmen.

Kooperation mit Provider

Damit Fluggesellschaften das Potenzial der Online-Abdeckung an Bord voll ausschöpfen können, sollten sie deshalb eine Zusammenarbeit mit einem digitalen Partner anstreben. Dieser sollte nicht nur innovative Technologien liefern, sondern die Fluggesellschaft auch an Neuerungen und Kosteneinsparungen beteiligen. Denn neben Shopping-Angeboten für Passagiere eröffnen sich durch die Vernetzung auch neue Möglichkeiten im Flugbetrieb sowie an der Schnittstelle zwischen Kabinen- und Boden-Services. So können etwa die Electronic Flight Bags der Piloten während des Fluges Echtzeitdaten zu Wetter und Verkehr verarbeiten, auf deren Grundlage Route und Geschwindigkeit neu berechnet werden können. Und Daten aus Flugzeugüberwachungssystemen tragen dazu bei, teure Stillstandzeiten am Boden zu reduzieren.