Kaufkraft: Fast alle Problemländer der Euro-Krise heute reicher als damals

07. Juni 2017 Drucken
Kaufkraft: Fast alle Problemländer der Euro-Krise heute reicher als damals
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Wie sich die Kaufkraft jener Krisenländer entwickelt hat, die 2008 und 2009 während der Finanzkrise in Turbulenzen kamen

Durch die Immobilien- und Finanzkrise nach 2008 sind eine Reihe europäischer Staaten in größere wirtschaftliche Turbulenzen geraten, namentlich Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Irland und Island. Die Auswirkungen auf den Wohlstand der Bevölkerung sind jedoch sehr unterschiedlich: In allen genannten „Problemländern“ sind die Menschen im Durchschnitt heute wohlhabender als noch vor fünf Jahren – mit einer einzigen Ausnahme: Griechenland. Regio Data hat die Kaufkraftstärke der Staaten untersucht.

Comeback der Iren und Isländer

Zu den Aufsteigern kann man jedenfalls Irland und Island zählen. Der durchschnittliche Isländer verfügt 2016 über € 27.313 an absoluter Kaufkraft, während es vor fünf Jahren noch unter € 20.000 waren. Allerdings hat hier die Wechselkursveränderung kräftig mitgeholfen. In Irland ist der Kaufkraftsprung dagegen kleiner, von € 17.052 im Jahr 2011 versus € 18.361 pro Kopf 2016. Auch Spanien, wo vor allem der Immobiliensektor stark getroffen wurde, hat sich bisher gut erholt. Hier gibt es pro Einwohner ein absolutes Kaufkraftplus von € 943 und damit € 13.465 im Jahr 2016. In dieser Ländergruppe lassen sich auch in den nächsten Jahren durchaus positive Entwicklungen erwarten.

Stagnation in Italien und Portugal

Italien und Portugal dagegen treten, zumindest was die Kaufkraft betrifft, ein wenig auf der Stelle. Hier gab es über die letzten 5 Jahre, keine Höhen oder Tiefen: Italien ist mit einer absoluten pro Kopf Kaufkraft von € 16.448 im Jahr 2016 im Mittelfeld und damit absolut gesehen auch stärker als beispielsweise Spanien, doch gab es seit 2011 nicht wirklich eine Veränderung, denn damals hatte der Italiener auch schon € 16.328 zur Verfügung. In Portugal sieht es ähnlich aus. Waren es 2011 € 9.449, so sind es 2016 € 9.676 pro Kopf in Portugal, und damit sind auch hier keine Aufsehen erregenden Veränderungen zu erkennen.

Griechenland taumelt

Das Land, das wohl mit der Krise bekanntermaßen nicht fertig geworden ist, ist Griechenland. Und es ist auch das einzige unter den hier genannten Problemländern, in dem die Bevölkerung absolut gesehen Einbußen verzeichnen musste. € 11.010 stand dem Einwohner 2011 noch an absoluter Kaufkraft zur Verfügung, 2016 sind es nur mehr € 9.186. Doch die Zahlen sollten nicht verwundern, die Auswirkungen der Staatsschuldenkrise sind wohl noch zu frisch, als dass geeignete Maßnahmen hier in so kurzer Zeit hätten greifen können.

 

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