Außenhandel 2016: Defizit hat sich auf 4,45 Mrd. Euro mehr als verdoppelt

03. Juli 2017 Drucken
Außenhandel 2016: Defizit hat sich auf 4,45 Mrd. Euro mehr als verdoppelt
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Das Defizit im Außenhandel war mit 4,54 Mrd. Euro mehr als doppelt so hoch wie 2015 (-1,99 Mrd. Euro). Der Handel mit Drittländern legt immer stärker zu.

Der Gesamtwert der Einfuhren von Waren lag im Zeitraum Jänner bis Dezember 2016 laut endgültigen Ergebnissen von Statistik Austria mit 135,67 Mrd. Euro um 1,6% über dem Vorjahreswert, die Ausfuhren von Waren verzeichneten mit -0,3% einen leichten Rückgang auf 131,13 Mrd. Euro. Das Defizit im Außenhandel 2016 war mit 4,54 Mrd. Euro mehr als doppelt so hoch wie 2015 (-1,99 Mrd. Euro).

Handelsbilanz mit EU mit 6 Mrd. negativ

Österreich bezog 2016 aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union Waren im Wert von 96,92 Mrd. Euro (+3,1%). Der Wert der in diese Länder versandten Waren stieg ebenfalls leicht und betrug 91,17 Mrd. Euro (+0,4%). Die Handelsbilanz mit der Europäischen Union war negativ und belief sich auf -5,75 Mrd. Euro. Der Außenhandel mit Drittstaaten wies im Vergleich zum Vorjahr, sowohl bei den Importen (-1,9% auf 38,75 Mrd. Euro) als auch bei den Exporten (-1,8% auf 39,96 Mrd. Euro) einen Rückgang auf. Das daraus resultierende Handelsbilanzaktivum im Warenverkehr mit Drittstaaten von 1,21 Mrd. Euro zeigt, dass mehr Waren in Drittstaaten ausgeführt als aus diesen eingeführt wurden. Allgemein gewann der Außenhandel mit Drittstaaten in den vergangenen zehn Jahren an Bedeutung. Wurden 2007 noch jeweils rund ein Viertel der österreichischen Importe bzw. Exporte mit Drittstaaten getätigt, kamen 2016 bereits 29% der Importe aus bzw. gingen schon knapp 31% der Exporte in Drittstaaten.

Entwicklung des österreichischen Außenhandels seit dem EU-Beitritt

Im Jahr des österreichischen EU-Beitritts, 1995, lag der Gesamtwert der Einfuhren von Waren bei 48,55 Mrd. Euro und jener der Ausfuhren bei 42,15 Mrd. 2016 waren die Einfuhr- und Ausfuhrwerte nahezu dreimal so hoch. Anstelle des für den österreichischen Warenaußenhandel typischen Handelsbilanzdefizits ergaben sich in den Berichtsjahren 2002 (+0,30 Mrd. Euro) und 2007 (+0,43 Mrd. Euro) positive Handelsbilanzsalden. Die 100-Milliarden-Euro-Marke der Ausfuhr- bzw. Einfuhrwerte wurde erstmals 2006 überschritten. Seit 2011 lagen die Einfuhren bei rund 130 Mrd. Euro und darüber. In der Ausfuhr wurde diese Marke erstmals 2015 überschritten.

Wichtigste Produktgruppe im Außenhandel: „Maschinen und Fahrzeuge“

Über 85% der österreichischen Ausfuhren verteilten sich 2016 auf vier Produktgruppen: „Maschinen und Fahrzeuge“ (40,1%), „Bearbeitete Waren“ (21,5%), „Chemische Erzeugnisse“ (13,5%) und „Sonstige Fertigwaren“ (11,7%). Die wertmäßig mit Abstand bedeutendste Produktgruppe „Maschinen und Fahrzeuge“ legte einfuhrseitig um 6,4% auf 48,44 Mrd. Euro zu, die Ausfuhren hingegen blieben nahezu unverändert (+0,4% auf 52,59 Mrd. Euro). Im Berichtsjahr 2016 zeigten sich außerdem starke absolute Ausfuhrzuwächse bei den Produktgruppen „Rohstoffe“ (+0,19 Mrd. Euro) und „Ernährung“ (+0,13 Mrd. Euro). Der höchste absolute Ausfuhrrückgang wurde bei „Bearbeitete Waren“ (-0,63 Mrd. Euro) festgestellt.

Außenhandel mit der Gruppe der 20

Zur Gruppe der 19 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer sowie der Europäischen Union (EU) (G20) gehören neben der EU die vier EU-Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Italien sowie die Länder Argentinien, Australien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Japan, Kanada, Mexiko, Republik Korea, Russische Föderation, Saudi-Arabien, Südafrika, Türkei und Vereinigte Staaten. Mehr als 60% des österreichischen Außenhandels wurden 2016 mit diesen 19 einzeln aufgezählten Ländern abgewickelt (Einfuhranteil: 64,6%, Ausfuhranteil: 61,8%). 2016 ergaben sich die stärksten relativen Exportzuwächse bezogen auf Länder der G20 bei Australien (+36,4% auf 1,04 Mrd. Euro), Mexiko (+22,9%auf 0,94 Mrd. Euro), Indien (+11,2% auf 0,78 Mrd. Euro) und Indonesien (+9,6% auf 0,24 Mrd. Euro); wohingegen die höchsten Exportrückgänge mit Saudi-Arabien (-17,2% auf 0,58 Mrd. Euro), Südafrika (-10,8% auf 0,44 Mrd. Euro) und Brasilien (-9,8% auf 0,57 Mrd. Euro) verzeichnet wurden.

Top-20-Außenhandelspartner; Deutschland unangefochten auf Platz 1

Ein Einfuhranteil von 37,2% und ein Ausfuhranteil von 30,5% machte Deutschland auch 2016 wieder zum mit Abstand bedeutendsten Partnerland für den österreichischen Außenhandel. Die Entwicklung beider Verkehrsrichtungen lag weit über dem globalen Durchschnitt: Einfuhren +2,4% auf 50,41 Mrd. Euro, Ausfuhren +1,5% auf 40,05 Mrd. Euro. Insbesondere „Maschinen und Fahrzeuge“ (+4,1% auf 16,94 Mrd. Euro), „Bearbeitete Waren“ (-2,7% auf 9,28 Mrd. Euro) und „Sonstige Fertigwaren“ (+1,2% auf 4,94 Mrd. Euro) wurden nach Deutschland exportiert.

Die Top20-Importländer

Die 2016er-Reihung der 20 wichtigsten Einfuhrpartner, aus denen 87,8% der Gesamteinfuhren kamen, zeigte im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügige Veränderungen. Ungarn löste die Niederlande auf Rang 8 ab, Spanien verdrängte die Russische Föderation von Platz 13 und Japan überholte Belgien auf Rang 15. Positive Wachstumsraten wurden mit 15 Einfuhrpartnern festgestellt – teils mit großer Dynamik: Spanien (+11,8%), Polen (+11,7%) und Vereinigtes Königreich (+10,3%) (siehe Tabelle 4.1).

Die Top20-Exportmärkte

Im Vergleich zum Vorjahr wurden bei Österreichs Top-20-Ausfuhrpartnern, in die 83,9% der Exporte gingen, nur marginale Änderungen verzeichnet. Japan verbesserte sich von Platz 21 (2015) auf den 19. Rang. Die Türkei belegte Rang 20, verlor dabei einen Platz und verwies Kroatien 2016 aus dieser Liste. Fast die Hälfte dieser 20 Ausfuhrpartner wies Rückgänge auf, wobei diese über dem globalen Durchschnitt lagen. Die größten absoluten Abnahmen zeigten die Ausfuhren nach Frankreich (-0,54 Mrd. Euro), in die Vereinigten Staaten (-0,36 Mrd. Euro) und nach Polen (-0,23 Mrd. Euro). Bei 16 dieser 20 Ausfuhrpartnerländer stand die Produktgruppe „Maschinen und Fahrzeuge“ an der Spitze. „Bearbeitete Waren“ wurden vor allem nach Italien (27,6%) und Slowenien (25,9%) ausgeführt – bei den Exporten in die Schweiz (30,5%) und in die Russische Föderation (33,6%) waren es vorrangig „Chemische Erzeugnisse“.

 

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