Autoindustrie: Wie Österreichs Zulieferer dem Druck standhalten

01. August 2017 Drucken
Autoindustrie: Wie Österreichs Zulieferer dem Druck standhalten
Autoscheinwerfer aus Österreich © FMMI

Die österreichische Unternehmen halten laut einer PwC Automotive-Studie dem Innovationsdruck erfolgreich stand und rechnen für 2017 mit Umsatzwachstum.

Globale Umweltauflagen, Elektromobilität und die Digitalisierung samt autonomen Fahren stellen die österreichische Zulieferindustrie vor extreme Herausforderungen. Die österreichische Unternehmen halten laut einer PwC Automotive-Studie dem Innovationsdruck erfolgreich stand und rechnen für 2017 mit Umsatzwachstum. PwC befragte 60 Österreichische Unternehmen aus der Zulieferindustrie. Die Studie stellt auch einen Vergleich der heimischen mit der slowakischen Zulieferindustrie her – mit spannenden Resultaten

2017 bringt Wachstum trotz steigenden Drucks

Für die Mehrheit der heimischen Automotive-Zulieferer verlief das Jahr 2016 durchaus erfolgreich: 33 % der befragten Unternehmen erzielten zweistellige Steigerungswerte und weitere 28 % verzeichneten eine Steigerung zwischen 5 und 10 %. Diese Tendenz lässt auch positive Prognosen für 2017 zu: Rund die Hälfte der Befragten (51 %) erwartet einen Umsatzanstieg von mehr als 5 %, knapp ein Viertel (23 %) eine Steigerung von mehr als 10 %.

Mitarbeiterqualität als Erfolgskriterium

Als besonders ausschlaggebend für erfolgreiches Wachstum sehen befragte Unternehmen dabei die Verfügbarkeit und Qualität von Fachkräften. Für 57 % kann ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften die Chancen auf neue Aufträge einschränken. Im Gegenzug nennen 20 % der österreichischen Zulieferer den anhaltenden Preis- und Produktivitätsdruck der OEM (Original Equipment Manufacturer) als große Gefährdung ihres Marktwachstums. Nur der drohende Abschwung auf den derzeitigen Hoch-Wachstumsmärkten stellt für viele ein größeres Risiko dar (22 %).

Umwelttrends gelten als erste Herausforderung

Die Studie konstatiert einen massiven Innovationsdruck bei immer kürzer werdenden Produktionslebenszyklen. Im Hinblick auf zunehmende Bestimmungen rund um CO2-Emissionen fokussieren die meisten Unternehmen ihre Produktinnovationen dabei auf Umwelt-Trends: So verfolgen 28 % eine Gewichtsreduktion durch die Verwendung neuer Materialen mit dem Ziel eines geringeren Treibstoffverauchs. Die Entwicklung alternativer Treibstoff-/Antriebssysteme, wie Hybrid und Strom, sehen 18 % als wichtigsten globalen Trend im Produktbereich. Aber auch moderne Technologien im Bereich Digitalisierung und autonomes Fahren spielen in der strategischen Planung eine wichtige Rolle. Dazu legt die österreichische Zulieferer-Industrie in den nächsten fünf Jahren einen besonderen Fokus auf Robotik & Sensorik, Batterie- und Energietechnik sowie Data-Mining und Analyse.

Smart Factories sind Realität

Lösungen und Komponenten von Industrie 4.0 sind für einen Großteil bereits gut in bestehende Abläufe und Prozesse integriert: 42% geben an, dass Smart Factory, Internet of Things & Co bereits Teil ihrer Aktivitäten sind.

Österreich und Slowakei: Hidden Champions vs. internationale Player

Neben der Erhebung von Erfolgs- und Risikofaktoren für die heimischen Zulieferer, zieht die Studie auch einen Vergleich der österreichischen und slowakischen Automotive-Industrie. Die AutomotiveBranche in den beiden Nachbarländern weisen dabei bedeutende strukturelle Unterschiede auf: Während die Branche in der Slowakei über eine starke OEM-Basis (inklusive asiatischer Hersteller) verfügt, basiert die Automotive-Branche in Österreich auf der starken Struktur von Zulieferern, die häufig  familiengeführt werden und ihren Hauptsitz und Produktionsbasis in Österreich haben.

Slowakei kämpft bereits mit Fachkräftemangel

Auch der Ansatz zur Personalbeschaffung der beiden Länder unterscheidet sich deutlich: In der Slowakei herrscht bereits ein Fachkräftemangel. Die österreichischen Zulieferer profitieren hingegen vom dualen Bildungssystem und können so immer noch einen Großteil des Personalbedarfs lokal abdecken. 48 % der befragten heimischen Unternehmen rekrutieren am österreichischen Arbeitsmarkt und stellen keine zusätzlichen Arbeitskräfte aus dem Ausland ein. Die weitergehende Versorgung mit qualifiziertem Personal wird dennoch als unsicher angesehen und ein Fachkräftemangel als bedeutender Risikofaktor.

 

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