Digitale Herausforderung: Wie Blockchain-Dienstleistungen die Finanzbranche verändern

21. August 2017 Drucken
Digitale Herausforderung: Wie Blockchain-Dienstleistungen die Finanzbranche verändern
Bitcoin gilt als Musterbeispiel für Blockchain-Anwendungen © pixabay

Blockchain-Methoden gelten in der Branche der Finanzdienstleistungen als Motoren des Umbaus. Eine Studie von Roland Berger & Partner erwartet in drei bis fünf Jahren breite Anwendungen . Die Autoren sind sich sicher, dass Blockchain in den kommenden Jahren verstärkt Einzug in die Finanzbranche halten und die digitale Transformation der Geschäftsmodelle zusätzlich verstärken wird.

2025 sind bis zu 10 Prozent des globalen BIP betroffen

Blockchain ist das technologische Rückgrat, das beispielsweise die digitale Währung Bitcoin ermöglicht hat. Durch Blockchain erhalten viele Nutzer Transaktionsmöglichkeiten mit Netzwerken, in denen sie Informationen austauschen und Geschäfte abwickeln können. Finanztransaktionen, die bislang über Intermediäre liefen, können künftig direkt zwischen den Beteiligten abgewickelt werden. Das World Economic Forum geht davon aus, dass bis 2025 insgesamt 10 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts mithilfe dieser Technologie abgewickelt wird.

Katalysator für neue Finanzdienstleistungen

„Blockchain wird die Art, wie weltweit Geschäfte gemacht werden, verändern“, prognostiziert eine Studie von Roland Berger. Die Technologie und ihre breiten Einsatzmöglichkeiten erlaubten es,  bei Handelstransaktionen oder Vertragsabschlüssen auf vermittelnde Institutionen oder Treuhänder zu verzichten. Dadurch können Finanzinstitute Kosten sparen und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Überweisungen, Kredite und Wertpapierhandel können schneller und günstiger werden. In der neuen Studie „Enabling decentralized, digital and trusted transactions – Why blockchain will transform the financial services industry“ analysieren die Roland Berger-Experten Chancen und Risiken der Blockchain-Technologie.

Blockchain: Dezentrale Transaktionen und Kosteneinsparungen

Die Blockchain-Technologie nutzt eine Vielzahl vernetzter Teilnehmer, um den Verlauf von Transaktionen lückenlos, sicher und rückverfolgbar dezentral abzuspeichern. Außerdem ist die Anwendung automatisierter Vertragsabwicklungen (Smart Contracts) möglich. „Gerade in der Finanzbranche mit ihren großen Datenmengen, zahlreichen Intermediären und Dienstleistungen, die abgesichert und verifiziert werden müssen, ergeben sich für Blockchain viele Anwendungsmöglichkeiten“, heißt es in der Studie. Durch den Einsatz der Technologie kann die Finanzindustrie zudem erheblich Kosten sparen – nicht nur durch den Verzicht auf verschiedene Intermediäre, sondern auch durch die hohe Automatisierung der Prozesse.

Überweisung mit Bedingungen

Die deutsche Tageszeitung „Die Welt“ bringt zum Thema „Smart Contracts“ soannende Beispiel: So können künftig Vertragstexte in Kurzform in die Datenkette eingebaut, deren Klauseln dann im Falle der Fälle automatisch ausgeführt. Was damit gemeint ist, lässt sich am Beispiel eines Autokredits zeigen. Zahlt der Kreditnehmer pünktlich seine Raten, gibt es keine Probleme. Doch sobald er säumig wird, springt sein Auto nicht mehr an, die Bordelektronik ist blockiert, im Display erscheint die Aufforderung, die ausstehende Rate zu zahlen. Zweites Beispiel: Bei Unternehmensanleihen könnte nicht nur der Eigentümer in der Blockchain definiert sein sondern auch eine Bedingung: Zum Zeitpunkt X muss der Kupon in Höhe Y an den Anleger Z ausgezahlt werden.

Finanzindustrie: Kundenzentrierte Geschäftsmodelle, neue Produktangebote

Blockchain ermöglicht neu neue Geschäftsmodelle. Mit dieser Technologie können Finanzdienstleister  weltweit neue Kunden gewinnen, die bislang keine Bankkonten oder Versicherungen hatten. Außerdem bietet die Technologie hohe Sicherheitsstandards. Und schließlich sind Blockchain-Transaktionen schneller als traditionelle Vertragsabschlüsse und Transfers. Dadurch können Finanzdienstleister zusätzliche Kunden gewinnen und neues Geschäft generieren.

Garantien und Bürgschaften auf neuer Basis

Zum Beispiel bei der Finanzierung von Handelstransaktionen, oder bei der Absicherung von Transportrisiken, etwa beim Schiffstransport im Fernhandel: Bisher müssen Verkäufer und Käufer über ihre Banken zahlreiche Dokumente organisieren, die festhalten, welchen Wert die Ware hat, wie sie verladen und transportiert wird und wer bis zu welchem Zeitpunkt haftet. Solche Unterlagen müssen allen Beteiligten im Original vorliegen. Mit Blockchain ließen sich die Dokumente unveränderbar, mit Zeitstempel und nachverfolgbar digital speichern, so dass die Handelspartner schnell und kostengünstig darauf zugreifen können. Dadurch können Zahlungen schneller angestoßen und die Warenlieferung beschleunigt werden.

Individualisierte Polizzen

Ebenso effizient lassen sich auch Versicherungsfälle regeln. Denn mithilfe der Blockchain-Technologie können auch sensible Kunden- und Objektdaten sicher gespeichert und aktualisiert werden. Zum Beispiel bei Kfz-Versicherungen: Dank Blockchain können Versicherungen anhand der Fahrer- und Fahrzeugdaten maßgeschneiderte Policen anbieten und schnell zu Hilfe eilen, wenn Unfälle bzw. Pannen passieren. Das Fahrersystem meldet den Vorfall in Echtzeit bei der Versicherung – Reparaturdienst, Taxi oder andere Dienstleister werden sofort benachrichtigt, um dem Fahrer zu helfen. Über intelligente Sensoren werden Autoschäden sofort erfasst und der Versicherung gemeldet.

Breite Marktreife beginnt in drei bis fünf Jahren

Allerdings hält die neue Technologie auch Hürden bereit, die noch zu überwinden sind. Dazu zählen die Roland Berger-Experten unter anderem einheitliche Standards als Voraussetzung für die Kooperation über Länder-, Branchen- und Unternehmensgrenzen hinweg. Zudem sind auch rechtliche Grundlagen und Sicherheitsaspekte wesentliche Faktoren, damit sich die Blockchain etablieren kann. Momentan befindet sich die Blockchain-Technologie in der Finanzbranche noch in einer Testphase; marktfähige Anwendungen zeichnen sich aber jetzt schon ab. Mit einer breiteren Nutzung der Technologie rechnen die Roland Berger-Experten in drei bis fünf Jahren. Entsprechend sollten sich Finanzdienstleister jetzt schon vorbereiten, um sich frühzeitig Wettbewerbsvorteile zu sichern.

 

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