Zentral- und Osteuropa: Wie Arbeitskräfte zur Mangelware werden

28. August 2017 Drucken
Zentral- und Osteuropa: Wie Arbeitskräfte zur Mangelware werden
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Wie der Arbeitskräftemangel den osteuropäischen Unternehmen immer stärker zu schaffen macht

Der zentral- und osteuropäischen Aufschwung am Arbeitsmarkt führte dazu, dass Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von qualifiziertem Personal haben. Der Mangel an Arbeitskräften und der damit verbundene Anstieg der Lohnkosten stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen, heißt es in einer Konjunkturanalyse des Kreditversicherers Coface.

Haushaltseinkommen steigen

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt war für private Haushalte aber positiv. Steigende Löhne, eine niedrige Inflation und stärkeres Vertrauen der Konsumenten führten zu niedrigeren Arbeitslosenquoten und einem Anstieg des privaten Konsums. Seit 2010 sind die Bruttolöhne in Rumänien und Bulgarien um mehr als 30% und in Ungarn und Polen um mehr als 20% gestiegen.

Arbeitslosenquoten meist unter EU-Durchschnitt

Der Arbeitsmarkt in Zentral- und Osteuropa zeigt anhaltende Verbesserungen. Die Länder der Region verzeichnen die niedrigsten Arbeitslosenquoten, in den meisten Volkswirtschaften bewegen sich diese sogar unter dem EU-Durchschnitt. Besonders in den letzten zwei Jahren war diese positive Entwicklung am stärksten. Durch steigende Löhne, eine niedrige Inflation und eine Verbesserung des Konsumentensentiments wurde der private Konsum zum stärksten Wirtschaftsmotor der Region. Vor allem am Beispiel der Lohndynamik konnte in den meisten zentral- und osteuropäischen Ländern ein positiver Trend in den vergangenen Jahren beobachtet werden.

Abwanderung führt zu einem Arbeitskräftemangel

Während die Haushalte und die Wirtschaftstätigkeit der Region davon profitieren, leiden die Unternehmen unter dieser Entwicklung. Letztere sind mit einer schwächeren Position bei den Lohnverhandlungen konfrontiert und gezwungen, höhere Vergütungskosten zu akzeptieren. Die dynamische Auslands- und Inlandsnachfrage, die niedrige Geburtenrate und die Abwanderung nach Westeuropa haben zu einem Arbeitskräftemangel geführt. Immer mehr Unternehmen sehen dies als eine ernstzunehmende Barriere in die Erweiterung ihrer Geschäftstätigkeit.

Tschechien und Ungarn am stärksten betroffen

Selbst die Unternehmen, die ein höheres Lohnniveau halten, haben weiterhin Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Besonders akut ist die Situation in der Tschechischen Republik und in Ungarn. Die Lohnerhöhungen übertreffen laut Coface derzeit die Arbeitsproduktivität. Im Schnitt sind die regionalspezifischen Lohnkosten  im Durchschnitt aber immer noch nur ein Drittel der Kosten in CEE, heißt es in einer Aussendung.

Rückwanderung unwahrscheinlich 

Die Unternehmen leiden unter dem Mangel an Arbeitskräften und qualifizierten Facharbeitern. Am größten ist, aktuellen Umfragen zufolge, der Mangel an Fahrern und Ingenieuren. Dabei könnte mit Anreizen für die Rückkehr von Emigranten und durch mehr Zuwanderung entgegengesteuert werden. Dies würde eine Änderung seitens der Regierungen und in der Einwanderungspolitik erfordern. Eine hohe Zahl von Rückkehren ist dennoch eher unwahrscheinlich. Abgewanderte Arbeitskräfte, die vom Brexit oder ähnlichen politischen Entwicklungen betroffen sind, werden aufgrund der signifikanten Einkommensunterschiede eher in anderen westeuropäischen Ländern auf Arbeitssuche gehen, als zurückzukehren.

Erhöhung der Frauenquoten

Einen weiteren Lösungsansatz sieht Coface in der Förderung von ethnischen Minderheiten, Frauen und älteren Menschen am Arbeitsmarkt. Die Quoten an weiblichen Arbeitskräften beispielweise sind in den zentral- und osteuropäischen Ländern deutlich niedriger als in westeuropäischen: So arbeiten in Polen 61% der Frauen, in Ungarn 59%, in Rumänien 57%, verglichen mit einem Anteil von 78% in Schweden, 72% in Deutschland und 71% in Österreich. Eine weitere Maßnahme würde die Förderung von Berufsbildungs- und Hochschulausbildungsprogramme umfassen.

 

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