Studie: Die österreichische Automobilwirtschaft in Zahlen

08. September 2017 Drucken
Studie: Die österreichische Automobilwirtschaft in Zahlen
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In Österreich sind 150 Unternehmen mit 30.000 Beschäftigten direkt in der Fahrzeugindustrie tätig. Insgesamt hängen rund 370.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Automobilwirtschaft und deren Zuliefern ab. Mit einem Auslandsumsatz von 14,1 Milliarden Euro ist diese die zweitwichtigste Exportbranche Österreichs. Themen wie E-Mobilität, Digitalisierung, innovative Technologien, autonomes Fahren oder CO2-Emissionen zwingen die gesamte Branche global und national zum Umdenken. Roland Berger hat Chancen und Risken der Automobilbranche untersucht.

Innovation made in Austria

Jährlich werden durchschnittlich 348 Patente in Österreich im Bereich Automotive angemeldet. Jede 67. Automobil-Innovation weltweit kommt mittlerweile aus Österreich. Nach Deutschland ist Österreich auf 100.000 Einwohner gerechnet das zweitinnovativste Auto-Land in Europa.  „Gerade in den Bereichen Elektromobilität und neue Materialien ist die heimische Forschung sehr stark. Im Bereich E-Car wurden in den vergangenen fünf Jahren nicht weniger als 233 Patente angemeldet“, so die Roland Berger – Studie. Die österreichische Automobilwirtschaft sei daher ein starker Innovationstreiber innerhalb Europas.

Diesel als Wirtschaftsfaktor

Dieselantriebe wurden in Österreich lange Zeit gefördert. Die Folge: Fast sechs von zehn Pkw fahren mit Dieselantrieb. Deshalb hat Diesel eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung für Österreich: Er erzielt 17,2 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung, leistet einen Beitrag von sechs Prozent zum österreichischen BIP und ist für immerhin 5,2 Prozent aller heimischen Arbeitsplätze verantwortlich.

Automobilindustrie muss Wandel schaffen

Mit dem „Automotive Disruption Radar“ untersuchen die Experten von Roland Berger regelmäßig in einem weltweiten Ländervergleich den Übergang der Automobilindustrie zum Mobilitätsdienstleister der Zukunft.  Der Radar unterstützt so  Automotive-Unternehmen bei ihren Investitionsentscheidungen. Dafür werden rund 11.000 Verbraucher in elf Ländern befragt. Der „Automotive Disruption Radar“ befasst sich mit den Themen der Zukunft – Mobilität, Autonomes Fahren, Digitalisierung und Elektromobilität sowie vor allem den regulatorischen Rahmenbedingungen und Infrastrukturen, die solche Innovationen ermöglichen.

Niederländer sind mit alternativen Mobilitätskonzepten ganz vorne

Die aktuelle Studie zeigt, dass die Niederlande vorbildlich aufgestellt sind, der Automobilstandort Deutschland mit Platz 5 im Mittelfeld rangiert und die USA auf Platz 10 landen. Eine Veränderung zur ersten Untersuchung vom April 2017 zeigt sich beim Kundeninteresse, der Technologie und den regulatorischen Vorgaben. In allen drei Kategorien sind mit China, Singapur und Südkorea asiatische Staaten führend.

Autonomes Fahren als Haupttrend

Der Trend geht Richtung autonomes Fahren: 45 Prozent der Befragten weltweit interessieren sich für autonomes Fahren und gerade die asiatischen Länder schaffen bürokratische Hürden schneller ab und zeigen sich offener gegenüber neuen Technologien. Wollen Deutschland und Europa den Anschluss an die Weltspitze nicht verlieren, müsse die Gesetzgebung die Rahmenbedingungen für neue Verkehrskonzepte und innovative Mobilitätslösungen unterstützen, so die Roland Berger-Studie.

Umstieg auf neue Technologien erfordert Finanzkraft

Die Automobilzulieferer konnten – auch in Österreich – in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich wachsen. Den Grund dafür sieht Roland Berger im weltweiten Volumenwachstum und in den steigenden Anforderungen an die Produkte. Die Branche stehe allerdings vor zwei wesentliche Herausforderungen, der Globalisierung und der Disruption. Durch die Globalisierung verlagert sich der Schwerpunkt der Automobilproduktion nach Asien, was vor allem für mittelständisch geprägte Firmen hohe Anforderungen an Investition und Technologie bedeutet.

Neue Technologien ersetzen alte Systeme

Zudem werden sich die Fahrzeuge der Zukunft vor allem durch E-Mobilität und autonomes Fahren tiefgehend verändern. „Höhere Anforderungen an Leichtbau, Elektronik und werthaltigem Innenbau bieten Chancen für neue Produkte“, ist Thomas Schlick überzeugt. Auch die Wertschöpfungskette wird sich verändern. Viele Fahrzeughersteller werden versuchen, die Wertschöpfung im eigenen Haus zu halten, um so drohendem Stellenabbau entgegenzuwirken. Für Dienstleister ergeben sich neue Geschäftschancen vor allem im Bereich Antriebstechnologien, da sich die Komplexität der Fahrzeuge erhöht. Der Umstieg auf neue Technologien und neue Produkte erfordert Finanzkraft, Mitarbeiter mit anderen Profilen und letztlich auch Zeit. Daher gelte es, über neue Wege der Technologiegewinnung wie M&A und/oder Kooperationen nachzudenken. Letzteres ist in vielen mittelständig geprägten Firmen neu und erfordert ein Umdenken.

Know how nützen

Gerade in Österreich gebe es eine lange Historie des Verbrennungsmotors in Forschung, Lehre und Produktion. Speziell für Österreich sieht die Anlayse einen Wachstumspfad durch komplexe Antriebstechnologien der Zukunft wie Hybrid oder Wasserstoff. „Insbesondere kleine Länder mit tiefem Know-how wie Österreich haben jetzt die Chance, Wettbewerbsvorteile zu erlangen oder auszubauen. Dadurch kann es gelingen, die Abwanderung von Produktionsstätten in Niedriglohnländer zu vermeiden“, so die Roland Berger-Studie.

 

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