Medizintechnik: Warum die Logistik über Markterfolge entscheidet

28. September 2017 Drucken
Medizintechnik: Warum die Logistik über Markterfolge entscheidet
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Die Logistikkette ist in der Branche der Medizintechnik schwerfällig und langsam. Eine Studie zeigt die Erfolgspotentiale eine flexiblen Supply Chain.

„Im Vergleich zu Branchen wie der Konsumgüterindustrie ist die Leistungsfähigkeit der Supply Chain der meisten Medizintechnikunternehmen schlicht unterdurchschnittlich“, heißt es in einer Pressemitteilung der Managementberatung A.T. Kearney.  Der Veränderungsdruck komme durch die Digitalisierung, steigenden Bedarf an Dienstleistungen und wachsenden Preisdruck. Zudem sei eine Machtverschiebung hin zu den Kostenträgern festzustellen, mit der Medizintechnikunternehmen operieren müssen.

Schnellere Lieferketten

Wie die Konsumgüterindustrie vor einigen Jahren, müssen Medizintechnik-Unternehmen jetzt ihre Supply Chain radikal umbauen, wenn sie für den Umbruch in ihrer Branche gerüstet sein wollen“, resümiert Scheel die Ergebnisse einer aktuellen A.T. Kearney-Untersuchung zur Zukunft des Supply Chain Managements in der Medizintechnik.

Veränderung ist zu langsam

Für ihre aktuelle Studie „What’s next for Medical Device Supply Chains“ hat A.T. Kearney eine weltweite Befragung unter Entscheidern 34 führender Medizintechnikunternehmen zu zentralen Supply-Chain-Leistungskennzahlen und strategischen Zielen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Medizintechnik-Firmen strategisch zwar die richtigen Weichen stellen, sich in der Umsetzung aber nur mit kontinuierlichen Verbesserungen zufriedengeben. Entscheidendes Potential zur Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit durch optimales Supply Chain Management bleibt ungenutzt.

Höhere Kosten als in den Benchmarkbranchen

Bezüglich Lieferzuverlässigkeit, Lagerbeständen und Supply-Chain-Kosten schneiden Medizintechnik-Unternehmen deutlich schlechter ab als Konsumgüterhersteller. Nur wenige Top-Performer unter den Medizintechnik-Unternehmen erreichen die Spitzenwerte der Konsumgüterhersteller. So stehen bei Lagerzeiten für Fertigwaren 17 Tage als Spitzenwert in der Konsumgüterindustrie 60 Tagen bei den diesbezüglich führenden Medizintechnikherstellern gegenüber (durchschnittlich 124 Tage).

Regulatorien als Ausreden

Der Performance-Rückstand der Medizintechnik-Firmen dürfe nicht alleine mit den höheren regulatorischen Hürden erklärt werden“, heißt es bei A.T Kearney. Ansätze wie “Postponement“ (späte Ausdifferenzierung) oder „pull“-basierte Produktionsplanung, mit denen sie ihre Supply Chain agiler und effizienter machen könnten, kommen noch zu selten zur Anwendung.

Viele Möglichkeiten ungenutzt

Dabei messen 75 Prozent der befragten Manager der Agilität ihrer Supply Chain hohe strategische Priorität bei, schöpfen aber die Möglichkeiten von Segmentierung, Szenario-basierter Planung und „End-to-End“-Visibilität nicht vollständig aus. So basiert ihre Segmentierung auf traditionellen Geschäftseinheiten (bei 64 Prozent); weniger als 40 Prozent haben gar keine Strategie zur Segmentierung ihrer Supply Chain. 85 Prozent der Befragten haben darüber hinaus laut eigener Auskunft keine effizienten Entscheidungsprozesse und nur 46 Prozent greifen auf „Postponement“ (späte Ausdifferenzierung) zurück, was in den agilen Lieferketten der Konsumgüterindustrie gang und gäbe ist. Fast so wichtig wie Agilität ist den Befragten kurz- bis mittelfristig eine Verbesserung ihrer Prognose-Methoden. Die Hälfte will zudem Lieferzeiten und den Produkteinführungsprozess verbessern.

Logistik entscheidet Wettbewerb

Dienstleistungen wie „Just-in-time“-Anlieferungen auf die Stationen und Produktspender am Verbrauchsort werden zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren – und setzen massive Eingriffe in die Supply-Chain voraus. Bislang ist das Angebot der „Just-in-time“-Lieferung auf die Krankenstation und in den OP-Raum nur für 8 Prozent des Gesamtvolumens möglich.

Produktivität allein entscheidet nicht

Medizintechnikhersteller dürften sich laut der Studienautoren nicht auf rein produktbezogenen Innovationen und der Effizienz ihrer Supply Chain ausruhen. Mit rasant wachsendem Bedarf nach zusätzlichen Dienstleistungen werde Agilität und Kundenfokus zur zentralen Herausforderung an die Supply Chain. Wer es schafft die hohen Anforderungen – neue Lieferorte und kürzere Reaktionszeiten, komplett gebündelte „End-to-End“-Lösungen und neue Services – zu erfüllen, und die erhöhte Komplexitätsehr effizient zu steuern, hat gewonnen, so die die Consulter.

 

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