Zu wenig Lehrlinge: „Meister“ als akademischer Grad

03. Oktober 2017 Drucken
Zu wenig Lehrlinge: „Meister“ als akademischer Grad
© Continental AG

Den Firmen in Gewerbe und Handwerk fehlen rund 20.000 Lehrlinge, obwohl sie heuer bereits ca. 14.000 Personen zusätzlich beschäftigt haben. Insbesondere Baufirmen, Tischler, Friseure, Elektronikbetriebe und Sanitärausstatter suchen Nachwuchs. In den Jahren von 2012 bis 2016 klagten im Schnitt 27 Prozent der Betriebe über Fachkräftemangel, heuer sind es 34 Prozent, so die KMU Forschung Austria.

Aufwertung des „Meisters“

Nun wollen Gewerbe und Handwerk mit einem 6-Punkte-Plan gegensteuern. So soll vor der Lehre die „Ausbildungsreife“ stehen, sprich ein Nachweis über Mindeststandards in Lesen, Schreiben und Rechnen. Weiters soll es einen verpflichtenden Talente-Check in der 7. und 8. Schulstufe geben. Und der „Meister“ soll ein Titel wie ein akademischer Grad werden.

Gleichstellung von Lehrlingen mit Schülern

Die Kosten der Lehrlingsausbildung tragen die heimischen Betriebe. Künftig soll die Lehrlingsentschädigung während der Berufsschulzeit von der öffentlichen Hand getragen werden. Und die Ausbildung zum Meister soll mit einem Stipendium ähnlich dem von Studierenden gefördert werden.

22.000 Euro für Lehrlingsausbildung

Rund 22.000 Euro jährlich koste die komplette Ausbildung eines Lehrlings dem Ausbildungsbetrieb, inklusive der Kosten für die Ausbildner in den Betrieben. Jeder zweite Lehrling wird in Gewerbe und Handwerk ausgebildet, so Scheichelbauer-Schuster vor Journalisten.

Lehrlinge und Lehrbetriebe werden weniger

Die Zahl der Lehrlinge schwankte in den vergangenen 20 Jahren zwischen 132.000 und 107.000, wobei dieser Tiefststand im Vorjahr erreicht wurde. Den höchsten Stand gab es 2008, dem Jahr der Lehman-Pleite. Die Anzahl der Lehrbetriebe ist ebenfalls seit 2008 im Sinken – von 38.000 auf 28.000 im Vorjahr.

Junge Flüchtlinge benötigen mehr Betreuung

Zahlen, wie sich der Zuzug von jungen Flüchtlingen auf den Lehrstellenmarkt auswirkt, hat die Branche nicht. Aber die Erfahrung zeige, dass die Jugendlichen sehr interessiert und motiviert seien. Allerdings bräuchte es hier mehr Begleitung und Vorbereitungszeit. Zur besseren Integration in den Arbeitsmarkt arbeitet die Branche mit der „lobby.16“ zusammen, einem privaten Unterstützungsverein für junge, unbegleitete Flüchtlinge. (APA)

 

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