Autowirtschaft: Warum die Konzerne immer mehr Start-ups aufkaufen

11. Dezember 2017 Drucken
Autowirtschaft: Warum die Konzerne immer mehr Start-ups aufkaufen
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Ein Ranking der Strategieberatung Oliver Wyman zeigt einen sprunghaften Anstieg der Beteiligungs-Aktivitäten im ersten Halbjahr 2017. BMW, Daimler und GM waren besonders aktiv. 

Automobilbauer (OEM) setzen verstärkt auf Beteiligungen und Partnerschaften, um den Zugriff auf Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren und umweltfreundliche Antriebe zu sichern. Ein internationales Ranking der Strategieberatung Oliver Wyman zeigt einen sprunghaften Anstieg der Beteiligungs-Aktivitäten im ersten Halbjahr 2017. BMW, Daimler und GM waren besonders aktiv. 

Über die vergangenen Jahre haben sich die deutschen Hersteller BMW und Daimler unter den Top-3-Investoren weltweit platziert – neben dem US-Hersteller GM. Der Druck auf die Autohersteller wächst, weil kapitalstarke Unternehmen aus mehreren technologiegetriebenen Branchen wie IT und Telekommunikation in den Mobilitätssektor drängen.

Junge Tech-Firmen sind gesucht

Klassische Automobilbauer drücken aufs Tempo, um nicht bei neuen Technologien abgehängt zu werden. Bis Anfang September diesen Jahres sind die führenden Hersteller (OEM) bei 52 überwiegend jungen Tech-Firmen eingestiegen, die sich im Mobilitätssektor positionieren. Oliver Wyman hat für eine Studie die Beteiligungsstrategien von zwölf Marken untersucht – darunter BMW, Daimler, Volkswagen und Audi aus Deutschland. 2016 lag die Zahl der Risikokapitalinvestitionen bei 41. Mit zusammen gut 70 Prozent bilden Mobilitätsdienstleistungen (32%), Green Vehicles (22%) – dazu zählen beispielsweise Fahrzeuge mit Elektro- oder Brennstoffzellenantrieb – sowie vernetzte und autonome Fahrzeuge (16%) den Schwerpunkt.

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Die große Lösung wird noch gesucht

Allerdings fehlt den Beteiligungsstrategien vieler Autobauer eine klare Ausrichtung: „Man sieht, dass viele Hersteller unsicher sind, wo die Reise hingeht. Budgets werden nach dem Gießkannenprinzip verteilt“, heißt es bei Oliver Wyman. Inzwischen werden die Zielunternehmen reifer und damit teurer. Erste Hersteller haben das erkannt: Daimler beispielsweise investiert massiv in den Bereich Mobility Services, während GM den Einstieg bei Techniklieferanten für nachhaltige Fahrzeuge in den Mittelpunkt gerückt hat. „Günstig kann es zudem sein, sehr junge Firmen in eigenen Inkubatoren zu unterstützen“, rät das Consultingunternehmen.

Deutsche Premiumhersteller mit der höchsten Aktivität

Im langfristigen Ranking liegen zwei deutsche Unternehmen weit vorne: Mit 37 Beteiligungen führt BMW die Rangliste knapp an – vor Daimler mit 36 und GM mit 35 Investitionen. Volvo (27), Ford (24) und Toyota (18) finden sich im Mittelfeld. Volkswagen (12), Honda (9) und Audi (8) liegen nur knapp vor den französischen Herstellern Renault und PSA, die mit je sieben bzw. sechs Beteiligungen in diesem Zeitraum das Schlusslicht bilden. Einige Hersteller holen gerade stark auf. So haben Toyota und PSA eigene Beteiligungsfonds aufgesetzt – nach dem Vorbild des Pioniers BMW, der bereits 2011 seinen Fonds „i Ventures“ ins Leben gerufen hat. Mit einem bereitgestellten Kapital von 500 Millionen Euro liegen die Münchener hier weit vorne. Volkswagen eröffnete in diesem Jahr den eigenen Inkubator „IDEATION:HUB“ – nach dem Vorbild von Daimler und BMW, die schon länger eigene Einheiten für die Förderung von Start-ups unterhalten.

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Verspätung bringt Fokussierung – und höhere Preise

Oliver Wyman sieht die Nachzügler nicht unbedingt in einer schwächeren Position: „OEMs, die frühzeitig begonnen haben, in verschiedene Bereiche zu investieren, besitzen aufgrund der hohen Breite des Beteiligungsportfolios zwar einen Vorteil. Wer unter den Konzernen noch zugewartet hat, kann den Markt beobachten und sich dann fokussiert auf einzelne Partnerschaften festlegen. So habe Toyota jüngst einen Fonds mit 100 Millionen US-Dollar ausgestattet, der ausschließlich im Bereich der künstlichen Intelligenz investiert. Die Schlüsseltechnologie  hilft einerseits im Fahrzeug etwa bei der Auswertung von Straßenschildern, genauso aber auch bei der Steuerung des Angebots von Mobilitätsdienstleistungen

Neue Herausforderer für die OEMs

Nicht nur zwischen den klassischen OEMs verschärft sich die Konkurrenz. „Neue Player wie Uber und DiDi Chuxing drängen in den Markt und fordern die etablierten Hersteller heraus“, sagt Nienhaus. „Auch sie beteiligen sich verstärkt an Start-ups und haben inzwischen je 21 Investitionen abgeschlossen“. Zudem positionieren sich Unternehmen wie die japanische Softbank Group. Der Telekommunikations- und Medienkonzern hat jüngst 5,5 Milliarden US-Dollar in den chinesischen Fahrdienstvermittler DiDi Chuxing investiert und bereitet Medienberichten zufolge zudem eine Investition in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar in den DiDi-Konkurrent Uber vor. Neben weiteren Beteiligungen bei Mobilitätsdiensten wie OLA und Grab strebt Softbank auch mit mehreren Investitionen in den Bereich autonomes Fahren.

 

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