Wie Red Bull die heimischen Agrar- und Lebensmittelexporte beflügelt

22. Januar 2018 Drucken
Wie Red Bull die heimischen Agrar- und Lebensmittelexporte beflügelt
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Die heimischen Agrar- und Lebensmittelexporte wuchsen 2017 überdurchschnittlich stark. Red Bull liefert für den Exporterfolg einen wesentlichen Beitrag.

Der österreichische Agrar- und Nahrungsmittel-Außenhandel ist 2017 gegenüber 2016 deutlich angestiegen. Ersten Hochrechnungen der Agrarmarkt Austria Marketing zufolge erreichten die Lebensmittelexporte einen Wert von 11,11 Mrd. Euro nach 10,39 Mrd. Euro im Jahr davor. Red Bull liefert für den Exporterfolg einen wesentlichen Beitrag.

Bei den Agrar-Exporten wurde 2017 ein Plus von 6,9 Prozent verzeichnet. Die Menge an sich stieg um 3,1 Prozent. Importiert wurden Agrargüter im Warengesamtwert von 12,01 Mrd. Euro (+5,1 Prozent).

Exportschlager alkoholfreie Getränke

Das Außenhandelsdefizit im Agrar- und Nahrungsmittelbereich vom lebenden Tier bis hin zur Limonade verringerte sich von 1,03 Mrd. Euro im Jahr 2016 auf knapp 900 Mio. Euro im Vorjahr. Wichtigste Produktgruppen im Agrarexport sind v.a. wegen Red Bull alkoholfreie Getränke (17,6 Prozent; knapp 1,96 Mrd. Euro), Fleisch und Fleischzubereitungen (14 Prozent) sowie Milch und Milchprodukte (11 Prozent). Jeweils für rund neun Prozent der Ausfuhren sorgen frisches und zubereitetes Obst und Gemüse sowie Backwaren. Alkoholische Getränke steuern 4,2 Prozent zum Gesamtwert bei. Das erläuterten AMA-Geschäftsführer Michael Blass und AMA-Aufsichtratschef Stefan Hautzinger vor Journalisten in Berlin aus Anlass der bevorstehenden Agrar- und Nahrungsmittelindustriemesse Grüne Woche.

Konjunktur macht hungrig und durstig

Grund für die Steigerungen der Lebensmittelexporte ist vor allem die angestiegene internationale Konjunktur. Die Konsumlaune sei angesprungen, sagten die Vertreter der AMA-Spitze. Ein Turbo seien alkoholfreie Getränke. „Ohne Red Bull wäre es natürlich eine andere Bilanz“, sagte Hautzinger.

Deutschland und Italien als Hauptmärkte

Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Agrarexporte gehen nach Deutschland. Das Nachbarland liegt somit vor dem anderen großen Nachbarland Italien (12 Prozent) auf Platz 1. Erstmals seit 2014 stiegen die Ausfuhren Richtung Rom an – um 5 Prozent. Dritter sind die USA (8 Prozent), was ebenso hauptsächlich auf Red-Bull-Ausfuhren zurückzuführen ist. Rund 90 Prozent der Agrar-Exporte in die USA machen alkoholfreie Getränke aus. Auch in die Vereinigten Staaten wurde 2017 mehr exportiert als 2016 – und zwar gleich um 15 Prozent. Auf den Plätzen folgen in absteigender Reihenfolge die Schweiz (430 Mio. Euro), Ungarn (418), Slowenien (311), Tschechien (310), die Niederlande (302), Frankreich (249) , Polen (232) und alle übrigen Staaten, die gemeinsam für knapp ein Viertel aller Ausfuhren oder 2,79 Mrd. Euro sorgten.

Bestes Jahr seit langem

„2017 charakterisiert in der langjährigen konstanten Entwicklung, dass es das beste Jahr seit langem war“, sagte Blass mit Blick aufs Wachstum von 2016 auf 2017. „Deutschland bleibt die Lokomotive.“ In allen landwirtschaftsnahen Zollkapiteln gab es voriges Jahr Steigerungen. Der Wert pro exportiertem Kilogramm stieg von 1,11 auf 1,15 Euro. „Außenhandelsbilanzdefizite sind in Industriestaaten eher die Regel als die Ausnahme“, betonte der AMA-Marketing-Chef.

Heimischer Käse braucht stärkere Marken

Der Auftritt Österreichs bei der Grünen Woche sei für die Bearbeitung des wichtigsten Exportmarktes besonders wichtig, betonten Blass und Hautzinger. Das Außenhandelsbilanzdefizit beträgt aber rund eine halbe Milliarde Euro. Luft nach oben gebe es noch beim Käse und dessen Kampagnisierung (etwa mit Produkten mit regionaler Herkunftskennzeichnung) auf dem deutschen Markt, so Blass, auch wenn die Exportmenge die vierthöchste unter europäischen Staaten ist. Produkte aus einigen „Vorbildländern“ erzielen deutlich mehr Wertschöpfung pro Kilogramm Käse als österreichische Produkte. Österreich lukriert 4,50 Euro je Kilo, die Schweiz 7,80 Euro, Italien 6,80 Euro, Griechenland 5,40 Euro und Frankreich 5,10 Euro. Jedenfalls genießen heimische Produkte laut Blass, der dies mit einer Studie untermauerte, in Deutschland einen guten Ruf.

Regional geschützte Marken

„Wir wollen Hersteller stärker als in der Vergangenheit motivieren, Produkte mit geschütztem Ursprung zu produzieren bzw. sich darum zu bemühen.“, kündigte Blass an. „Es geht viel um die Geschichte eines Produktes, von wo es her kommt.“ Hautzinger sagte, „das ist ein Zukunftsthema.“ Es geht um ein Fortführen der Qualitätsstrategie „ohne Wenn und Aber“.

Vernetzte Markenpolitik

Ein Beispiel dafür, wo man noch eine regionales geschütztes Produkt umsetzen könnte, wäre Blass zufolge etwa steirisches Geflügel. Europaweit gibt es laut Blass rund 300 geschützte Produkte, in Österreich rund 20. „Das ist nicht so schlecht aber auf der anderen Seite haben uns manche Nachbarländer, etwa Slowenien, überholt“, so Blass. Es gehe unter anderem um den „Willen der Erzeuger sich in Konsortien um solche Bezeichnungen zu bemühen.“ So könnten oft höhere Preise erzielt werden. Das zeigten die oben genannten Länder beim Käse vor.

Nationale Selbstversorgung bleibt Sekundärziel

Die Lebensmittel-Selbstversorgung, wie sie sich im ÖVP-FPÖ-Regierungsprogramm findet, sei zwar ein „feines, hohes Ziel“, so Blass. Bei einer Reihe von Produkten gebe es auch einen Selbstversorgungsgrad von 100 Prozent oder mehr. Aber: „Tatsache ist, dass wir in einer Welt leben, in der der internationale Handel, Wohlstandsgewinne und ein mehr an Lebens- und Lebensmittelqualität ermöglicht. Bei aller Freude und Konsumpatriotismus: Vom Prinzip des internationalen Warenaustausches möchten wir sicher nicht abgehen.“

Nur Qualität verspricht Erfolg

„Das beeindruckende ist der langjährige Rückblick. Die Ergebnisse der Lebensmittelexporte sind seit dem EU-Beitritt toll“, sagte Hautzinger. 1995 beliefen sich die Agrarausfuhren auf knapp 1,8 Mrd. Euro, das Außenhandelsdefizit auf 1,36 Mrd. Euro. „Schlüssel zum Erfolg ist eine kompromisslose Qualitätsproduktion mit einer durchgängigen Kontrolle und die Innovationsfreude unserer Unternehmer, denn das schafft beim Konsumenten Vertrauen“, so Hautzinger, der heuer aus dem AMA-Aufsichtsrat aufgrund des Endes seiner Funktionsperiode ausscheiden wird. (APA)