Partnerschaft und Finanzen: Frauen fordern mehr Unabhängigkeit

01. März 2018 Drucken
Partnerschaft und Finanzen: Frauen fordern mehr Unabhängigkeit
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Frauen und Finanzen: 6 von 10 Österreicherinnen geben an, dass der Mann in der Beziehung der Hauptverdiener ist. Dabei ist 8 von 10 Frauen finanzielle Eigenständigkeit in einer Beziehung wichtig

In Österreich fühlen sich Frauen finanziell abhängig von ihrem Partner. Sechs von zehn Österreicherinnen geben an, dass der Mann in der Beziehung der Hauptverdiener ist. Und sieben von zehn dieser Frauen sagen , dass sie ihren derzeitigen Lebensstandard alleine nicht halten könnten. Dies sind Ergebnisse einer Befragung, die das Marktforschungsinstitut IMAS im Auftrag der Erste Bank zum Thema Frauen und Finanzen durchgeführt hat. 

Frauen, die in Partnerschaften leben, würden finanziell gerne unabhängig sein, wie eine repräsentative IMAS Studie im Auftrag der Erste Bank und Sparkassen zeigt. Acht von zehn Frauen ist diese Eigenständigkeit in einer Beziehung wichtig – dem gegenüber stehen sechs von zehn Männern.

Getrennte Konten sind wichtig

Vor allem streng getrennte Konten werden für Frauen in einer Partnerschaft bedeutsamer (+ acht Prozent, 2018: 58 Prozent, 2017: 50 Prozent), während gemeinsame Konten für immer weniger in Frage kommen (2018:18 Prozent, 2017: 23 Prozent).  Auch, dass Frauen mehr für sich selbst sparen, verdeutlicht, dass sie finanziell auf eigenen Beinen stehen wollen. Diese Entwicklung wird den Männern zunehmend bewusst und von ihnen auch unterstützt. Rund die Hälfte der Männer legt für die Partnerin Geld zur Seite. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser Wert um +sechs Prozent gestiegen (2018: 50 Prozent, 2017: 44 Prozent).

© Erste Bank

Geldsorgen hatte bereits jeder zweite Erwachsene

50 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher hatten schon einmal Geldsorgen. Als Hauptgrund wird der „Verlust des Einkommens“ genannt. Auffällig dabei ist, dass öfter Frauen als Männer (42 Prozent zu 36 Prozent) davon betroffen waren. Frauen haben aufgrund von Karenzzeiten und Teilzeitarbeit einen Nachteil im Verdienst. Weitere Unruheherde sind die „hohen Kreditraten fürs Eigenheim“ (18 Prozent) oder „hohe unerwartete Kosten“ (15 Prozent). Aber auch „Krankheit“ (14 Prozent) wird als Grund angeführt.

Bankberater bleibt zentraler Ansprechpartner

Bei Fragen zu Geld und Finanzangelegenheiten ist für Herr und Frau Österreicher der persönliche Kontakt wichtig. Der Bankberater ist für 78 Prozent der ÖsterreicherInnen die Anlaufstelle Nummer 1, gefolgt vom Partner (52 Prozent), Familie (46 Prozent), Freunden (34 Prozent). Internet (31 Prozent) und Medien (23 Prozent) spielen eine untergeordnete Rolle. Jedes dritte Paar geht gemeinsam zum Bankberater, bei einem weiteren Drittel kümmert sich ein Partner darum und ebenso bei einem Drittel nimmt jeder für sich selbst Banktermine wahr.

Fixkosten bieten Zündstoff

Knapp die Hälfte der in Beziehungen lebenden Österreicherinnen und Österreicher führt die Finanzen gemeinschaftlich. Finanzielle Entscheidungen werden mehrheitlich ebenso gemeinsam getroffen (67 Prozent). Dennoch trügt diese Harmonie: Gerade wenn man Finanzentscheidungen gemeinsam fällt, sind Konflikte bei jedem zweiten österreichischen Paar vorprogrammiert. Jedes fünfte Paar streitet regelmäßig ums liebe Geld, jedes dritte gelegentlich. Streitfaktoren sind vorrangig die zu „ungleichen Teilen getragenen Fixkosten“ und der „Beitrag zum Haushaltseinkommen“. Letzteres geben vor allem Männer (62 Prozent) vermehrt an. Dahinter steht allerdings der Fakt, dass durch die vermehrte Teilzeitarbeit von Frauen und Karenzzeiten der Mann in Beziehungen der Hauptverdiener bleibt und ihm das auch bewusst ist. Weiteren Diskussions-Zündstoff bieten die „unterschiedliche Prioritätensetzung bei Ausgaben“, die „ständige Geldknappheit“ oder der „sorglose Umgang mit dem Geld“.

Frauen interessieren sich weniger für Wertpapiere 

Der durchschnittliche monatliche Sparbetrag bei Frauen liegt aktuell bei 220 Euro, der von Männern bei 269 Euro. Seit 2014 ist dieser bei beiden Geschlechtern kontinuierlich gestiegen. Top vier Sparmotive bleiben sowohl bei Herr und Frau Österreicher der „Notgroschen“ (74 Prozent), die „finanzielle Absicherung“ (70 Prozent), das „Ansparen für größere Anschaffungen wie Haus, Wohnung oder Auto“ (53 Prozent) sowie die „Zukunftsvorsorge“ (52 Prozent).

© Erste Bank

Inflation frisst Sparbuch

Bei den Spar- und Anlageprodukten setzen beide Geschlechter vorrangig auf Sicherheit. Bausparen, Sparbuch und Lebensversicherung rangieren in der Beliebtheitsskala auf den vordersten Plätzen. Aktien, Fonds oder Anleihen sind deutlich weniger interessant. Vor allem im Geschlechtervergleich zeigt sich ein klarer Unterschied im Interesse: Währenddessen sich nur jede dritte Frau (34 Prozent) für Wertpapiere interessiert, ist es bei den Männer jeder Zweite (54 Prozent). Doch, dass das in der Anlagestrategie der falsche Weg ist, verdeutlicht folgendes Beispiel: Wer vor fünf Jahren 5.000 Euro auf ein Sparbuch gelegt hätte, hätte aktuell rund 4.700 Euro. Wer dagegen auf einen Fonds mit 50-prozentigem Aktienanteil gesetzt hätte, hätte heute rund 5.600 Euro.

Hohe Kante

Rund drei Monatsgehälter sollten für kurzfristige Ausgaben auf dem Sparbuch verfügbar sein. Geplante Investitionen sollten mit Produkten mittlerer Laufzeit – Anlagehorizont rund fünf bis acht Jahre – abgedeckt werden und für die Pensionsvorsorge sollten langfristige Anlagemöglichkeiten gewählt werden.

Bei Geldregen: Immobilienkauf und Reisen

Welche Wünsche würden sich die Österreicher mit einer plötzlichen Finanzspritze erfüllen? Auf den ersten beiden Plätzen rangieren bei beiden Geschlechtern „Reisen“ und ein „Immobilienkauf“. Auf Platz drei gehen die Träume allerdings in andere Richtungen: Während bei Männern ein neues Auto hoch im Kurs steht, möchten Frauen etwas von dem Geldregen den Kindern und Familienangehörigen geben.

Zur Umfrage

Die Erste Bank beauftragte das Marktforschungsinstitut IMAS International für eine telefonische Befragung anlässlich des Weltfrauentags zum Thema Frauen und Finanzen. Im Zeitraum 23. Jänner  bis  2. Februar  2018  wurden 500 Personen befragt.