IHS: Warum die Gastronomie ein Rauchverbot nicht fürchten muss

20. März 2018 Drucken
IHS: Warum die Gastronomie ein Rauchverbot nicht fürchten muss
Rauchen pixabay

Der Plan der schwarz-blauen Regierung, das Gastro-Rauchverbot zu kippen, wird häufig mit negativen wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Gastronomie begründet. Doch dies ist laut dem Institut für Höhere Studien (IHS) eine falsche Annahme. Nur in Schottland sei es in Pubs zu Umsatzrückgängen gekommen.

Darauf deutet eine Erhebung über die wissenschaftlichen Daten auf internationaler Ebene hin, die das IHS im Auftrag der NÖ Gebietskrankenkasse erstellt hat. „In Österreich wird mehr geraucht als im EU-Durchschnitt. In der Debatte um den Nichtraucherschutz wird gerne das Argument des drohenden ‚Wirtesterbens‘ ins Treffen geführt“, stellten die Experten um den Gesundheitsökonomen Thomas Czypionka fest. Daher hätte man eine Übersicht zur internationalen Studienlage erstellt. Ergebnis: Es wurden keine Negativfolgen für die Gastronomie festgestellt. Es gibt nur eine Ausnahme für Schottland.

Studie findet fast keine Hinweise auf Einbussen

„Dabei wurden sowohl vorhandene Übersichtsarbeiten als auch Studien aus einzelnen Ländern ausgewertet und das Wissen aus über 200 Einzelstudien aus 16 verschiedenen Ländern zusammengetragen. Es zeigten sich in der ganz überwiegenden Zahl der Studien keine Umsatzeinbußen, teilweise sogar Umsatzsteigerungen“, hieß es in einer Aussendung. Czypionka sagte gegenüber der APA: „Aus den meisten Studien aus anderen Ländern lässt sich keine große Gefahr für die Gastronomie ablesen.“ Einzige Ausnahme ist Schottland, wo Pubs nach dem Rauchverbot Umsatzeinbussen verzeichneten. Englische und irische Studien haben dies jedoch nicht bestätigt.

Im Widerstreit mit Tabakindustrie

Der weit überwiegende Teil der internationalen Evidenz deute darauf hin, dass Rauchverbote keine negativen wirtschaftlichen Auswirkungen für die Gastronomie mit sich bringen. Eine bereits 2014 publizierte internationale Übersichtsarbeit hätte beispielsweise in 88 Prozent der darin betrachteten Einzelstudien keine oder positive Effekte eines Gastro-Rauchverbotes festgestellt. Eine ähnliche „Reviewstudie“ aus dem Jahr 2008 hätte darauf hingewiesen, dass wissenschaftliche Untersuchungen, welche negative wirtschaftliche Auswirkungen von Gastro-Rauchverboten erbracht hätten, einfach von deutlich schlechterer wissenschaftlicher Qualität gewesen seien und „größtenteils von der Tabakindustrie (mit-)finanziert“ waren.

Nur schottische Pubs haben Umätze verloren

Teilweise differenzierte Effekte hätte es in Hinblick auf die Art des gastronomischen Betriebs gegeben. Im Durchschnitt seien die Auswirkungen von Rauchverboten in Restaurants vorteilhafter als in der Getränkegastronomie. In Bars und Pubs sei es vereinzelt zu kurzfristigen Rückgängen in Umsätzen bzw. Beschäftigung gekommen. Die Autoren der Übersichtsarbeit dazu: „Die acht in den Einzelstudien betrachteten Länder (USA, Belgien, Bayern/Deutschland, Irland, Italien, Norwegen, Tessin/Schweiz, Schottland/UK) unterscheiden sich sowohl bezüglich kultureller Charakteristika als auch bezüglich der klimatischen Bedingungen.“ Mit erwähnter Ausnahme von Schottland blieben negative Auswirkungen trotzdem in allen anderen Ländern weitgehend aus.

Starker Einfluss auf Passivraucher

Etwa 24 Prozent der österreichischen Bevölkerung über 15 Jahre rauchen laut aktueller Gesundheitsbefragung der Statistik Austria täglich – im EU-Schnitt sind es laut Eurostat etwa 18 Prozent. Neben dem Anteil der Aktivraucher ist der Anteil der Passivraucher in Österreich vergleichsweise hoch. „Während im EU-Schnitt etwa 21 Prozent der Bevölkerung angeben, regelmäßig Tabakrauch in Innenräumen ausgesetzt zu sein, sind es in Österreich etwa 28 Prozent – beinahe ein Drittel davon sind Nichtraucher“, führte das IHS an. (APA)