Heimische Kaufkraft wächst – rasanter Abstieg der Wiener Außenbezirke

13. April 2018 Drucken
Heimische Kaufkraft wächst – rasanter Abstieg der Wiener Außenbezirke
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Österreich belegt im europäischen Kaufkraft-Ranking unverändert den Platz 8. 2017 konnten sie pro Kopf und Jahr um 21.812 Euro einkaufen. Auffallend ist der rasante Kaufkraft-Verlust in einigen Wiener Außenbezirken.

Die Österreicher verfügten 2017 über eine durchschnittliche Kaufkraft von 21.812 Euro pro Kopf und Jahr. Das sind 717 Euro mehr als im Jahr zuvor, heißt es in einer Analyse von RegioData Research. Auffallend ist der rasante Kaufkraft-Verlust in einigen Wiener Außenbezirken.

Unter Berücksichtigung der Inflation bleiben somit etwa 23 Euro/Monat mehr als im Vorjahr übrig, der florierenden Wirtschaft und dem boomendem Tourismus sei Dank.

Schweizer können sich am meisten leisten

Betrachtet man nur die Eurozone, macht das immerhin Rang 2 hinter Luxemburg. Auch an der Spitze gibt es keine Überraschung: Die Schweizer bleiben mit einer absoluten Kaufkraft von umgerechnet 39.588 Euro auf Platz 1. Jedoch stechen die immer größer werdenden Kaufkraft-Unterschiede zwischen den Ländern scharf hervor: Ein durchschnittlicher Schweizer hat fast doppelt so viele Geldmittel zur Verfügung wie ein durchschnittlicher Bewohner Österreichs. Weiter hinten im Ranking gibt es sehr wohl Veränderungen: Island konnte aufgrund florierender Wirtschaft und Wechselkursveränderungen spektakuläre Kaufkraftzuwächse erzielen und dadurch Norwegen überholen. Des Weiteren platziert sich Belgien mit einer absoluten Pro-Kopf-Kaufkraft von 21.019 Euro erstmals unter den Top 10 und verdrängt somit Frankreich aus dem Ranking.

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Enorme Unterschiede unter Wiener Bezirken

Die fünf kaufkräftigsten Bezirke Österreichs bleiben gleich wie in den Jahren zuvor. Wien 1., Innere Stadt, führt weiterhin mit großem Abstand die Tabelle an. Allerdings sind die Zuwächse im Vergleich zu den übrigen Top-Platzierten und zu den Vorjahren schwächer ausgeprägt. Dass die Kaufkraftspanne innerhalb Wiens sehr groß ist, veranschaulicht das Ergebnis der aktuellen Studie ganz besonders: In Wien liegen 13 Bezirke über und zehn Bezirke unter der durchschnittlichen Pro-Kopf-Kaufkraft Österreichs. Gesamt ergibt dies ein durchschnittliches Ergebnis. Neben Wien 20., Brigittenau, und Wien 15., Rudolfsheim-Fünfhaus, befindet sich 2017 erstmals auch Wien 10., Favoriten, unter den fünf kaufkraftschwächsten Bezirken Österreichs! Zwettl war 2016 nicht im Ranking der Kaufkraftärmsten, zählt 2017 aber wieder dazu. Wien 10. und Zwettl „befreien“ die Südoststeiermark und Murau aus der Reihung der Letztplatzierten. Von den kaufkraftärmsten Bezirken haben Lienz und Zwettl mit 26 Prozent den größten Zuwachs erfahren. Unter den kaufkräftigsten Bezirken sticht Eisenstadt mit einem Wachstum von 23 Prozent hervor.

Niederösterreich überholt wieder Salzburg

Die durchschnittliche nominelle Kaufkraft in Österreich (= alle Einkünfte aus unselbständiger Arbeit, selbständiger Arbeit, Transferzahlungen, Kapitalvermögen etc.; abzüglich Steuern und Sozialversicherung) betrug 2017 pro Kopf und Jahr 21.812 Euro . 2016 waren es um 717 Euro weniger. Bei Betrachtung der durchschnittlichen Pro-Kopf-Kaufkraft auf Bundeslandebene ist ein generell stärkeres Wachstum als in den Jahren zuvor erkennbar. Während es im Jahr 2015 nur eine nominelle Steigerung von 1,4 Prozent gab, waren es 2016 bereits 2,2 Prozent und 2017 sogar satte 3,4 Prozent Wachstum.

Schwaches Wiener Wachstum

Die bundesweit geringsten Zuwächse werden erneut in Wien verzeichnet: Mit lediglich + 2,9 Prozent auf 21.841 Euro liegt Wien nur im Mittelfeld – hinter Niederösterreich, Salzburg, Vorarlberg und Oberösterreich. In der Rangreihung gab es einen Wechsel unter den Top Platzierten: Niederösterreich holt sich Platz 1 zurück (22.554 Euro) und setzt Salzburg mit knappem Abstand auf Platz 2 (22.534 Euro). Den Anstieg hat Niederösterreich den Kaufkraftzuflüssen aus Wien zu verdanken, da kaufkraftstarke Wiener nach wie vor vermehrt in umliegende Gemeinden der Bundeshauptstadt ziehen. Verstärkte Kaufkraftzuwächse gab es 2017 insbesondere in den Wien-nahen Bezirken Tulln, Bruck/Leitha, Mistelbach, Sankt Pölten Stadt und Land sowie Baden. Generell werden Stadt-Land-Unterschiede in der Kaufkraft immer geringer, da ländliche Gebiete nach und nach aufholen. Das kaufkraftschwächste Bundesland Österreichs ist und bleibt Kärnten mit einer absoluten Kaufkraft von 20.505 Euro pro Kopf und Jahr.

Ranking Bundesland Durchschnittliche 

Pro-Kopf-Kaufkraft  im Jahr 2017 in €

Veränderung  nominell 2016 -2017
1 Niederösterreich 22.554 3,5 %
2 Salzburg 22.534 3,0 %
3 Vorarlberg 22.227 3,5 %
4 Oberösterreich 22.028 3,5 %
5 Wien 21.841 2,9 %
6 Tirol 21.585 3,6 %
7 Burgenland 21.319 3,6 %
8 Steiermark 20.909 3,8 %
9 Kärnten 20.505 3,6 %
  Österreich 21.812 3,4 %

Quelle: RegioData Research, Kaufkraftdaten Österreich – Ausgabe 2018

 

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