USt-Senkung im Tourismus: So gehen Sie steuerlich mit Anzahlungen um

09. Mai 2018 Drucken
USt-Senkung im Tourismus: So gehen Sie steuerlich mit Anzahlungen um
Hotelzimmer (c) Petra Bork_pixelio.de

Die Reduktion der Umsatzsteuer für Beherbergung von 13 auf 10 Prozent tritt mit 1.11.2018 in Kraft. Bei geleisteten Anzahlungen kann sich durch die USt-Senkung allerdings ein Handlungsbedarf für das Tourismusunternehmen ergeben, wie LBG Österreich unterstreicht. 

Die neuen Steuersätze gelten für Umsätze, die nach dem 31. Oktober 2018 ausgeführt werden bzw. sich ereignen. Relevant ist somit der Zeitpunkt der tatsächlichen Nächtigung, unabhängig vom Zeitpunkt der Buchung oder einer gegebenenfalls vorab getätigten Anzahlung.

Ab wann und worauf?

Die Reduktion der Umsatzsteuer auf Nächtigungen von 13 auf 10 Prozent tritt mit 1.11.2018 in Kraft und gilt für die Beherbergung in eingerichteten Wohn- und Schlafräumen sowie die Vermietung von Grundstücken für Campingzwecke und die regelmäßig damit verbundenen Nebenleistungen, wenn dafür kein gesondertes Entgelt verrechnet wird (z.B. ortsübliches Frühstück, Begrüßungsgetränk, Verleih von Sportgeräten, Vermietung von Parkplätzen etc.). Der 10prozentigee Umsatzsteuertarif  ist auf Umsätze und sonstige Sachverhalte anzuwenden, die nach dem 31. Oktober 2018 ausgeführt werden bzw. sich ereignen.

Anzahlungen vor 1.11.2018 

Eine Versteuerung von Anzahlungen auf Beherbergungsumsätze kann unterbleiben, wenn die Anzahlung 35 Prozent des zu versteuernden Leistungspreises nicht übersteigt. Liegt die Anzahlung über 35 Prozent des Leistungspreises, ist die Anzahlung zur Gänze im Zeitpunkt des Zuflusses zu versteuern. Werden nun bis zum 31. Oktober 2018 Anzahlungen angenommen, die Übernachtungen ab dem 1. November 2018 betreffen, unterliegen diese bereits jetzt dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 10 Prozent. Sind bei bereits gelegten Anzahlungsrechnungen 13 Prozent in Rechnung gestellt worden, liegt eine Steuerschuld Kraft Rechnungslegung vor: Die in Rechnung gestellte Mehrwertsteuer ist vom Beherbergungsbetrieb an das Finanzamt abzuführen. Spätestens mit der Endabrechnung des Aufenthaltes sollte die Anzahlungsrechnung korrigiert und mittels Gutschrift berichtigt werden.

Es kommt drauf an

Die umsatzsteuerliche Behandlung von Anzahlungen ist abhängig von der Höhe und dem Zeitpunkt der geleisteten Anzahlung – vor bzw. nach Veröffentlichung der Umsatzsteuersenkung. LBG liefert dazu ein Praxis-Beispiel: Im März 2018 wird eine Hotelreservierung für Februar 2019 mit einem Bruttoentgelt von € 2.000 getätigt.

Anzahlungsrechnung über € 500 brutto im März 2018

Da der Anzahlungsbetrag unter 35 Prozent des Leistungspreises liegt, kann eine Versteuerung unterbleiben. Die Versteuerung erfolgt mit der Ausstellung der Hotelrechnung im Februar 2019. Auf den gesamten Betrag ist der 10 Prozentige Umsatzsteuersatz anzuwenden und in die Umsatzsteuervoranmeldung vom Februar 2019 aufzunehmen.

Anzahlungsrechnung über € 1.000 brutto im März 2018

Da der Anzahlungsbetrag über 35 Prozent des Leistungspreises liegt, unterliegt die Anzahlung in jedem Fall der Umsatzsteuer. Der Hotelier führte daher bereits im März 2018 € 115,04 (1.000 / 1,13 x 13 Prozent) Umsatzsteuer an das Finanzamt ab. Im Mai 2018 (bzw. spätestens mit der Endabrechnung) wird nun eine berichtigte Anzahlungsrechnung über € 1.000 mit 10 Prozent Umsatzsteuer ausgestellt, die Anzahlungsrechnung vom März 2018 wird gleichzeitig storniert. Die Differenz zwischen € 115,04 (Basis USt 13 Prozent) und € 90,90 (Basis USt 10 Prozent) beträgt € 24,14 und scheint als Gutschrift auf der Umsatzsteuervoranmeldung vom Mai 2018 als sonstige Berichtigung auf. Im Februar 2019 ist die Restzahlung von Brutto € 1.000 mit 10 Prozent Umsatzsteuer zu versteuern.

Anzahlungsrechnung über € 1.000 brutto im Mai 2018

Im Mai 2018 wird für die Reservierung im Februar 2019 eine Anzahlungsrechnung über € 1.000 brutto mit 10 Prozent Umsatzsteuer ausgestellt. Eine Berichtigung der Rechnung durch den Hotelier ist nicht erforderlich. Im Mai 2018 (für die Anzahlung) und im Februar 2019 (für den Restbetrag von € 1.000) sind jeweils € 90,90 Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen.

Handlungsbedarf für Beherbergungsbetriebe

In der Vergangenheit in Rechnung gestellte Anzahlungen mit 13 Prozent Mehrwertsteuer sollten am besten zeitnah korrigiert werden. In jedem Fall ist eine Korrektur spätestens mit der Endabrechnung fällig, ansonsten schuldet der Unternehmer die unrichtig (zu hoch) in Rechnung gestellte Umsatzsteuer Kraft Rechnungslegung. Dies gilt auch bei Pauschalangeboten oder für Vereinbarung von Nächtigungskontingenten.

 

Mehr zum Thema