Umfrage zum EU-Ratsvorsitz: EU-Skeptiker sind in der Minderheit

27. Juni 2018 Drucken
Umfrage zum EU-Ratsvorsitz: EU-Skeptiker sind in der Minderheit
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Der EU-Ratsvorsitz regt zum Nachdenken an: Ein Viertel der heimischen Bevölkerung sieht primär Nachteile. Ein Drittel schreibt der EU-Mitgliedschaft Österreichs zumindest „überwiegend“ Vorteile zu. Der größte Anteil entfällt mit 44 Prozent auf die Unentschlossenen.

Am 1. Juli übernimmt Österreich zum dritten Mal den EU-Ratsvorsitz. Ursprünglich wäre dies erst für 2019 vorgesehen gewesen, doch durch den Verzicht Großbritanniens aufgrund des Brexit ist Österreich vorgerückt. Drei Viertel der Bevölkerung ist diese bevorstehende Ratspräsidentschaft bewusst. Das Meinungsforschungsinstitut INTEGRAL hat nachgefragt.

73 Prozent der Teilnehmer der INTEGRAL-Befragung haben von der österreichischen Ratspräsidentschaft gehört. Sechs von zehn Befragten wissen auch, dass diese Funktion halbjährlich wechselt. Männer und Personen zwischen 50 und 69 Jahren sind am besten informiert. Doch nur ein gutes Viertel (28 Prozent) gibt an, mit den Aufgaben und Zielsetzungen der EU-Organe sehr oder eher gut vertraut zu sein. In dieser Frage nimmt die Schulbildung den größten Einfluss: Personen mit Matura- oder Uni-Abschluss schätzen sich selbst als deutlich kompetenter ein.

Mehr Vor- als Nachteile

Ein Drittel schreibt der Mitgliedschaft Österreichs überwiegend oder ausschließlich Vorteile zu. Besonders positiv urteilen Befragte zwischen 16 und 29 Jahren und Höhergebildete. Ein Viertel sieht primär Nachteile. Doch der größte Anteil entfällt mit 44 Prozent auf die Unentschlossenen.

Nur ein Viertel ist EU-skeptisch

Jeder Zweite bewertet Österreichs EU-Mitgliedschaft positiv, 27 Prozent negativ. Auch hier ist der Anteil der Unentschlossenen mit 25 Prozent recht groß. Je höher die Schulbildung, desto stärker die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft. Die EU-Mitgliedschaft vermittelt 42 Prozent der Befragten Sicherheit, für ein Drittel vermag sie dieses Gefühl nicht zu transportieren. In dieser Frage sind Junge und Höhergebildete positiver eingestellt. Auch die Auswirkungen des Brexit auf den Bestand der EU werden als gering eingeschätzt. Nur 17 Prozent haben Sorge, dass der Austritt Großbritanniens einen Zerfall der EU einleitet.

Beim Geld teilen sich die Fraktionen

Geht es jedoch ums Budget, sind die Reaktionen deutlich zurückhaltender: Nur ein Fünftel ist der Ansicht, Österreich sollte in Zukunft auch bereit für höhere EU-Mitgliedsbeiträge sein. Gleichsam wünscht man keine Aufnahme wirtschaftlich schwächerer Länder: Zwei Drittel lehnen diese ab.

Skepsis bleibt in der Mitte verankert

Betrachtet man diese Ergebnisse vor dem Hintergrund der Wertewelten der Menschen (Sinus-Milieus) , so wird klar, dass – trotz mehrheitlich positiver Wahrnehmungen – eine gewisse Skepsis gegenüber der EU gerade in der Mitte unserer Gesellschaft beheimatet ist, nämlich in den Milieus der Bürgerlichen Mitte.

Österreich sieht sich selbst positiv

Da Österreich in den kommenden sechs Monaten verstärkt im Rampenlicht stehen wird, hat INTEGRAL auch die österreichische Selbstwahrnehmung mittels einer bevölkerungsrepräsentativen Telefonstichprobe erhoben. Besonders im Kulturbereich ist man selbstbewusst: 79 Prozent finden, Österreich steht im internationalen Vergleich sehr oder eher gut da. Auch bei der Wirtschaft erhält Österreich von 67 Prozent ein positives Urteil. In Bildungsfragen ist man mit 54 Prozent Zustimmung schon selbstkritischer. Das Schlusslicht bildet die Politik – nur ein Drittel findet, dass Österreich hier im Vergleich gut dasteht.

 

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