Don’t smoke: Passivrauch um nichts weniger schädlich als selber rauchen

27. September 2018 Drucken
Don’t smoke: Passivrauch um nichts weniger schädlich als selber rauchen
Am 1. 10 startet das Volksbegehren für ein Rauchverbot in der Gastronomie. © pixabay
Passivrauch sei ähnlich gefährlich wie jener Nikotindunst, den die aktiven Raucher aufnehmen, unterstreicht ein Experte für Luftschadstoffe. Am 1. Oktober startet das Volksbegehren „Don’t smoke“.

„Im Wesentlichen sind die Partikel im frischen Passivrauch noch kleiner als im Aktivrauch, dringen daher tiefer in die Lunge vor und transportieren auf ihrer großen Oberfläche noch mehr Pyrolyseprodukte“, sagte  der Wiener Umwelthygieniker Manfred Neuberger gegenüber der APA. Passivrauchen erhöht zum Beispiel das Schlaganfallrisiko um 20 bis 30 Prozent.

Stärker als Deiselmotor

Neuberger ist Leiter der Abteilung für Allg. Präventivmedizin am Institut für Umwelthygiene der Med.-Universität Wien und hat sich seit vielen Jahren mit dem Problem von Luftschadstoffen beschäftigt. In einem wissenschaftlichen Übersichtsartikel schrieb er jetzt: „Drei nacheinander im Aschenbecher verglimmende Zigaretten führten in einem 60 Kubikmeter großen Raum eine Stunde lang zu zehn Mal höheren Feinstaubkonzentrationen als ein im selben Raum über 30 Minuten laufender Pkw-Dieselmotor.“

Mehr Schadstoffe in der Rauchschwade

In mancher Hinsicht sind unfreiwillige Passivraucher im Vergleich zu den oft nikotinabhängigen Aktivrauchern gesundheitlich schlecht gestellt. Der Experte: „Dazu kommt, dass der Nebenstromrauch von der Zigarettenspitze viel höhere Konzentrationen an krebsfördernden Schadstoffen (z. B. tabakspezifische Nitrosamine) enthält als der Hauptstromrauch, den der Raucher freiwillig inhaliert, weil die Verbrennungstemperatur in den Zugpausen geringer ist. Auch die Partikelgröße ist im Nebenstromrauch geringer und damit seine Oberfläche größer, mit der er mit Schleimhautoberflächen in Kontakt kommt. Die kleinsten Partikel gelangen über die Alveolen (Lungenbläschen; Anm.) zum Teil auch ins Blut und damit in alle Organe.“

Keine Schwellenwerte verfügbar

Das Problem: Für die Schadstoffbelastung durch das Rauchen gibt es keine Schwellenwerte, ab denen eine Schädigung sprunghaft zunimmt bzw. unter denen kein negativer Effekt eintritt. Wahrscheinlich – so der Experte – steigt das Risiko einer Schädigung sogar im unteren Bereich steiler an.

Erhöhtes Schlaganfallrisiko

Und so sehen die Konsequenzen aus, wie Neuberger schrieb: „Das Rauchen einer einzigen Zigarette pro Tag ist assoziiert mit etwa der halben Risikoerhöhung für Herzinfarkt und Schlaganfall wie das Rauchen von 20 Zigaretten pro Tag und regelmäßiges Passivrauchen erhöht ischämische Herzkrankheiten (Angina pectoris, Infarkt etc.; Anm.) in vergleichbarem Ausmaß wie leichtes Aktivrauchen. Passivrauchen erhöht zum Beispiel das Schlaganfallrisiko um 20 bis 30 Prozent.“

Belastung in der Gastronomie ist belegt

Wissenschaftliche Studien haben die Belastung durch Passivrauchen in der Gastronomie längst belegt. Der Experte formulierte das so: „An Arbeitstagen scheiden nichtrauchende Angestellte im Gastgewerbe bis zu 25 Mal mehr Nikotin im Harn aus als an ihren freien Tagen und bis zu 4,5 Mal mehr tabakspezifische Karzinogene. Im Harn nichtrauchender Kellner nimmt das potenteste Lungenkarzinom (Nitrosamin; Anm.) des Tabakrauches um sechs Prozent pro Arbeitsstunde zu.“ Selbst an arbeitsfreien Tagen hätte sich die Belastung noch nachweisen lassen.

Gastro-Rauchverbot verringert Infarkt-Risiko spürbar

Fazit, wie der Experte schrieb: „In Österreich sterben im Schnitt drei Menschen pro Tag, weil andere rauchen, und noch mehr Menschen erkranken deshalb an Herzkreislauf- und Lungenkrankheiten sowie an Krebs.“ Das ehemals geplante Rauchverbot an allen Arbeitsplätzen „ließe binnen eines Jahres einen nachhaltigen Rückgang der Herzinfarkte um ca. 15 Prozent sowie nachhaltige Rückgänge von Zerebralinsulten, chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Krebserkrankungen und Stoffwechselstörungen erwarten. Studien in Europa und Nordamerika wiesen einen signifikanten Rückgang von Frühgeburten und kindlichem Asthma nach, da Passivrauch durch das Rauchverbot in der Gastronomie als Luftverschmutzung wahrgenommen und Rauchen in der Öffentlichkeit zunehmend denormalisiert wurde.“

Verkehrsemissionen versus Gastronomie: 0:1

Der Umwelthygieniker zieht folgenden Vergleich zwischen den Schadstoffen in der Luft in der Umwelt und dem Passivrauchen: „An einer verkehrsreichen Straße in Wien ist das kardiovaskuläre Sterberisiko um ca. sieben Prozent erhöht, bei achtstündiger Arbeit in der Gastronomie um ca. 20 Prozent.“

Volksbegehren startet am Montag

Das Volksbegehren „Don`t smoke wird von Krebshilfe und Ärztekammer initiert.