Sparstudie: Warum ÖsterreicherInnen lieber für den Urlaub als für die Pension sparen

18. Oktober 2018 Drucken
Sparstudie: Warum ÖsterreicherInnen lieber für den Urlaub als für die Pension sparen
Urlaub statt Vorsorgesparen: Der Trend hält an. © pixabay

Die finanzielle Altersvorsorge sinkt im Stellenwert der ÖsterreicherInnen. Die Lust am Konsum wie Urlaubsreisen und Autoanschaffungen geht immer mehr auf Kosten des Vorsorgedankens, heißt es in der aktuellen Sparstudie von Erste Bank und Sparkassen. 

Sparen ist für drei Viertel der ÖsterreicherInnen sehr wichtig. Hauptgrund ist nach wie vor der Notgroschen beziehungsweise um finanziell abgesichert zu sein (82 Prozent). Im Vergleich zu 2009 wird aber vermehrt auf Urlaubsreisen (34 Prozent, +12), aber auch für größere Anschaffungen gespart: Für die eigenen vier Wände oder ein neues Auto will immerhin fast jeder Zweite (48 Prozent) sparen – das sind sechs Prozentpunkte mehr als 2009. Die Altersvorsorge ist nur mehr für 41 Prozent (2009: 56 Prozent) ein definiertes Sparziel, so das aktuelle Ergebnis einer repräsentativen IMAS-Studie im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen.
Nach wie vor fließt viel Geld in Freizeit und Konsum. Laut aktuellen Prognosen wird die Sparquote für 2018 bei sieben Prozent liegen und somit eine leichte Erholung aufweisen.

Wertpapiere nehmen an Bedeutung zu

Der Sparbetrag liegt aktuell bei 245 Euro. Im Jahr 2009 waren es noch 155 Euro (+58 Prozent). Zufrieden mit dem Sparbetrag ist aber nur die Hälfte der Bevölkerung. Vieles vom Ersparten, geht auch ganz offensichtlich weiterhin auf Sparbücher: Das Gesamtvolumen der Retail-Einlagen beläuft sich derzeit auf 254,3 Milliarden Euro, 2009 waren es noch 205,7 Milliarden Euro. Dass die Sparzinsen seit vielen Jahren deutlich unter der Inflationsrate liegen, daran scheint man sich in der Alpenrepublik gewöhnt zu haben. Das Sparbuch bleibt trotz dieses Umstands weiterhin die beliebteste Sparform der ÖsterreicherInnen; 80 Prozent haben Geld am Sparbuch. Einen Bausparer haben 60 Prozent, 44 Prozent lassen ihr Geld am Girokonto liegen. Wertpapiere konnten allerdings auf 28 Prozent (+11 Prozent) zulegen. Als Liquiditätsreserve werden rund drei Netto-Monatsgehälter am Sparbuch empfohlen. Den Rest sollte man so veranlagen, dass die Inflation ausgeglichen ist und am Ende ein Plus übrig bleibt.

Fondssparen als Vorsorge

Laut der aktuellen Studie spart knapp die Hälfte der österreichischen SparerInnen ohne konkreten Plan, nur 14 Prozent haben einen ganz konkreten Plan und 37 Prozent machen beides. Vor allem für „Neueinsteiger“ bieten sich Fonds an. Die Erste Bank hat dafür die wichtigsten Kundenbedürfnisse und größten Trends für den Vermögensaufbau analysiert und speziell fünf Themenpakete im „s Fonds Plan Mix“ geschaffen, in denen jeweils bis zu fünf Fonds stimmig gebündelt sind. Auch bei der Preisgestaltung hat man sich extra dafür etwas Neues einfallen lassen. Beim s Fonds Plan Depot fallen in den ersten drei Jahren bis zu einem  Gesamtkurswert von 10.000,- Euro weder Depot- noch Mindestgebühren an. PrivatanlegerInnen können demnächst das Depot zum s Fonds Plan Mix auch online über George eröffnen.

Mangelndes Finanzwissen 

Ein Faktor, warum Wertpapiere noch nicht fest im Anlageuniversum der ÖsterreicherInnen verankert sind, ist das mangelnde Wissen rund um Wirtschaft- und Finanzthemen. Laut der aktuellen Studie geben nur 36 Prozent an, sich sehr gut mit diesen Themen auszukennen. Zwei Drittel haben teils großen Aufholbedarf. Dies spiegelt sich auch in der Erklärungsnot bei diversen Finanzbegriffen wider. 91 Prozent können nicht erklären, was Anleihen sind, 70 Prozent ist der Begriff Fonds völlig unklar und 62 Prozent sind mit dem Wort Aktien überfordert. Immerhin nur mehr jeder Zweite (48 Prozent) hat mit dem Begriff Zinsen Probleme und „nur“ 35 Prozent wissen nicht, was Inflation bedeutet.

Wissenstransfer wird ausgebaut

Um dem entgegen zu wirken, gibt es von der Erste Bank unterschiedliche Initiativen. Eine solche ist beispielsweise der Erste Financial Life Park (FLiP). Dabei handelt es sich um eine weltweit einzigartige Bildungseinrichtung, die bei Jugendlichen ansetzt. Sie vermittelt spielerisch Finanzwissen, um den verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu fördern und die finanzielle Eigenverantwortung zu schärfen. Eine weitere Initiative dreht sich um Investitionen in die Aus- und Weiterbildung der BeraterInnen.

Licht am Ende des Tunnels 

Prognosen bestätigen ein anhaltend solides globales Wirtschaftswachstum – auch in Österreich. Wobei sich die Dynamik 2019 etwas abschwächen wird. Die Kapazitäten sind dennoch gut ausgelastet, die Arbeitslosenrate sinkt in der Eurozone und zuletzt sind die Löhne erstmals seit 2012 wieder stärker als zwei Prozent gewachsen. Daher ist die europäische Zentralbank zuversichtlich, dass sich der allgemeine Preisdruck verstärken wird und sich die Inflation in Richtung Ziel der Notenbank bewegt. Das ist die Voraussetzung für Zinserhöhungen in der Eurozone. Aber selbst wenn die Zinsen im Herbst 2019 beginnen zu steigen, werden weitere Zinsschritte voraussichtlich nur langsam erfolgen und moderat ausfallen. Dies wird von einem anhaltenden Wirtschaftswachstum, Lohnsteigerungen und einer anziehenden Kerninflation abhängen. Ein Niveau von zwei bis drei Prozent bei kurzfristigen Einlagezinsen für private Haushalte ist innerhalb der kommenden drei Jahre kaum absehbar. 

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