Standort-Ranking Österreich: Bestnoten für Infrastruktur, blauer Brief für Digitalisierung

18. Oktober 2018 Drucken
Standort-Ranking Österreich: Bestnoten für Infrastruktur, blauer Brief für Digitalisierung
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Österreich hinkt im weltweiten Standort-Ranking des World Economic Forums (WEF) bei der Digitalisierung hinterher. Gute Werte erzielt das Land jedoch bei der makroökonomischen Stabilität sowie bei der traditionellen Infrastruktur, erklärt das Österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) die Ergebnisse des Global Competitiveness Report 2018.

Österreich landet im neuen Standort-Ranking des World Economic Forum auf Platz 22, weist aber in den einzelnen Kategorien unterschiedliche Zuordnungen auf. Österreich nimmt beim Indikator der Digitalisierung nur Rang 46 von 140 Ländern ein.

Nutzung noch schlechter als die Breitband-Infrastruktur

Das Wifo begründet dies vor allem mit der „unterdurchschnittlichen Nutzung von leistungsfähigen Netzen der Breitbandkommunikation“. Die Nutzung sei „in diesem Bereich noch schlechter als die Infrastruktur, wobei auch diese nicht übermäßig ausgebaut ist“, führt Wifo-Volkswirt Michael Peneder auf APA-Anfrage aus. Daraus ergebe sich vor allem ein Nachfrageproblem, aufgrund dessen die wirtschaftspolitischen Anreize zum weiteren Ausbau der Infrastruktur fehlen würden. Andererseits könnte eine bessere Infrastruktur auch eine bessere Nachfrage hervorrufen, so Peneder.

Hoffnungen ruhen auf 5G-Netz

Hier spielt der geplante Ausbau auf den neuen Mobilfunkstandard 5G eine Rolle. Peneder sieht Österreich in diesem Punkt im internationalen Vergleich gut unterwegs. Im vergangenen September hatte die heimische Telekombehörde RTR angekündigt, dass die Auktion von 5G-Frequenzen nicht vor Februar 2019 statt finden wird. Ursprünglich war die Auktion für den Herbst 2018 geplant gewesen.

Schwacher Börsenplatz

Neben der Digitalisierung fallen im Ranking des WEF auch einige Indikatoren im Bereich des Finanzsystems in Österreich unterdurchschnittlich aus. Negativ schlagen sich vor allem die Bewertung der Börsenkapitalisierung, der Verfügbarkeit von Risikokapital, der Dauer einer Neugründung sowie der Bereitschaft zu unternehmerischem Risiko nieder, heißt es beim Wifo.

Hauptmerkmal Stabilität

Starke Ergebnisse erzielt Österreich dagegen bei der makroökonomischen Stabilität. Österreich belegt in dieser Kategorie zwar Rang eins, teilt sich den Spitzenplatz jedoch mit 30 anderen Ländern. Auch bei der traditionellen Infrastruktur wie Straßen- und Eisenbahnverbindungen oder Wasser- und Stromversorgung ist Österreich mit Rang 12 gut bewertet, geht aus der Studie des Weltwirtschaftsforums hervor.

Dauerthema Arbeitskosten

Am Arbeitsmarkt liegt Österreich an 26. Stelle. Bestwerte erzielt das Land zwar bei den Arbeitnehmerrechten sowie der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Dagegen schneidet Österreich bei den lohnabhängigen Steuern und Abgaben, der Arbeitskräftemobilität sowie bei der Flexibilität der Lohnfindung schlechter ab und belastet damit die Gesamtwertung in dieser Säule. Im Bildungsbereich (Rang 17) sticht vor allem die Bewertung des Lehrlingswesens positiv hervor, während digitale Fertigkeiten und die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte die Platzierung belasten.

Senioren-Projekt als Digitalisierungsschub

In dem globalen Vergleich für die Wettbewerbsfähigkeit liegt Österreich auf dem 22. Platz von 140 Ländern. Schwerpunkt des Wirtschaftsministeriums im Bereich Digitalisierung ist die Initiative „fit4internet“. In einem ersten Schritt soll dabei ein Format für die Generation 60+ bereitgestellt werden, das „Kaffee Digital“. Dieses soll Senioren erste Schritte in Richtung Online-Welt ermöglichen. Daneben steht der Abschluss von Wirtschaftspartnerschaften im Fokus „um Exporte und Arbeitsplätze und damit Wohlstand in Österreich zu sichern“, heißt es.

Neue Berechnungsmethode

Das diesjährige Ergebnis ist mit denen der Vorjahre nicht vergleichbar. Denn das WEF hat sein Ranking methodisch umfassend modernisiert. So wurde die Anzahl der Indikatoren von 114 auf 98 reduziert, wovon 64 neu sind. „Harte“ statistische Daten sind nun für 70 Prozent der Gesamtbewertung
verantwortlich. 30 Prozent beruhen auf den Einschätzungen von mehr als 12.000 Führungskräften weltweit. 128 davon haben an der vom WIFO durchgeführten Befragung in Österreich teilgenommen. Wenn man die neue Methode rückrechnet, um die Ergebnisse vergleichbar zu machen, dann
verliert Österreich gegenüber dem Vorjahr einen Platz, liegt aber in einem sehr dichten Feld. (APA/red)

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