OeNB: Investitionen bedingen Kreditboom bei sinkenden Konditionen

23. Oktober 2018 Drucken
OeNB: Investitionen bedingen Kreditboom bei sinkenden Konditionen
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Seit Ende 2016 ist die Nachfrage nach Unternehmenskrediten aufgrund der guten Konjunktur stark gestiegen. Dieser Trend könnte bis Ende des Jahres ein Plateau erreichen, heißt es im Kreditmonitor der OeNB.

Die Entwicklung im Privatkundengeschäft verläuft vergleichsweise moderater. Das zeigen die Ergebnisse der vierteljährlichen Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum, in der führende Banken nach ihren Einschätzungen gefragt werden. Die aktuellen Entwicklungen vollziehen sich vor dem Hintergrund des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes.

Investitionen beflügeln Kreditboom

Der aktuelle Kreditboom wird vom gestiegenen Finanzierungsbedarf infolge der kräftigen Investitionstätigkeit der heimischen Unternehmen getrieben. Die Bruttoanlageinvestitionen legten 2016 und 2017 real um 4,3 Prozent bzw. 3,9 Prozent zu, die Ausrüstungsinvestitionen sogar um 10,6 Prozent bzw. 4,6 Prozent. Die OeNB erwartet für 2018 eine ähnlich gute Konjunktur wie im vergangenen Jahr. Steigende globale handels- und wirtschaftspolitische Risiken werden das Wachstum in weiterer Folge jedoch bremsen.

Banken haben Margen ständig gesenkt

Die starke Kreditnachfrage von Seiten der österreichischen Unternehmen trifft auch auf anhaltend attraktive Konditionen. Seit Mitte 2016 haben die Banken die Margen für durchschnittlich risikoreiche Kredite – hauptsächlich aus Wettbewerbsgründen – kontinuierlich gesenkt.

Privatkundengeschäft entwickelt sich ruhiger

Im Privatkundengeschäft verläuft die Entwicklung moderater. Langfristig betrachtet zieht die Nachfrage nach Wohnbaukrediten sowie Konsum- und sonstigen Krediten seit 2010 tendenziell an. Seit Mitte 2017 ist es, den Umfrageergebnissen zufolge, jedoch kaum noch zu merklichen Nachfrageänderungen gekommen. Wie im Unternehmenskundengeschäft hat sich auch im Privatkundengeschäft die Wettbewerbssituation der Banken zu Gunsten der Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer ausgewirkt. So wurden die Margen für durchschnittlich risikoreiche Wohnbaukredite von den Banken ab 2017 immer weiter gelockert – auch im dritten Quartal 2018.

Negativer Einlagenzinssatz

Themen der Umfrage waren diesmal auch das erweiterte Programm des Eurosystems zum Ankauf von Vermögenswerten und der negative Einlagenzinssatz des Eurosystems. Gemäß den Ergebnissen belastet das Ankaufprogramm seit seinem Bestehen aufgrund von gesunkenen Nettozinsmargen die Ertragslage der Banken, hatte aber auch positive Einflüsse auf ihre Liquidität und ihre Finanzierungsbedingungen. Ihre Ertragslage sehen die Banken auch vom negativen Einlagenzinssatz nachteilig betroffen. Dieser verursacht – den Angaben der Umfrageteilnehmer zufolge – einen anhaltenden Abwärtsdruck auf die Kreditzinsen und -margen und damit auch auf die Nettozinserträge der Banken.

Zur Methode

Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über das Kreditvergabeverhalten der Banken, das Kreditnachfrageverhalten von Unternehmen und privaten Haushalten zu verbessern. Für den Kreditmonitor werden rund 150 führende Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht Institute aus Österreich.

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