Steuer: Bei Incentive-Reisen müssen Sponsoren die Empfänger nennen

06. November 2018 Drucken
Steuer: Bei Incentive-Reisen müssen Sponsoren die Empfänger nennen
© pixabay

Die Finanzverwaltung verlangt Auskunft zu Empfängern von geltend gemachten Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten.

Der Grund dafür: Die Behörden wollen überprüfenZiel ist die Überprüfung, ob der Empfänger bspw. von Incentive-Reisen seinen steuerlichen Verpflichtungen nachgekommen ist. Der VwGH hat zu Gunsten der Finanz entschieden – und die Kanzlei LBG Österreich hat das Urteil analysiert.

Massive steuerliche Auswirkung

Wird der Empfänger nicht genannt, dann werden geltend gemachte Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten steuerlich aberkannt. Damit aber nicht genug: Körperschaften (z.B. GmbH) kann zusätzlich ein 25prozentiger Zuschlag zur Körperschaftssteuer hinsichtlich der steuerlich aberkannten Aufwendungen vorgeschrieben werden. Diese gesetzliche Bestimmung wurde vom VwGH auch für den Fall bestätigt, dass ein Aufwand steuerlich gar nicht angesetzt wurde und trotz Verlangens der Finanzverwaltung eine genaue Empfängernennung unterblieb.

GmbH übernahm Kostenanteil von Kundenreisen

Eine GmbH übernahm einen Aufwand von rund € 25.000 für die Teilnahme ihrer Kunden an einer Incentive-Reise. Der getätigte Aufwand war im unternehmensrechtlichen Jahresabschluss der GmbH enthalten, wurde jedoch steuerlich nicht als Betriebsausgabe geltend gemacht, sondern in der Mehr-Weniger-Rechnung wieder hinzugerechnet. Anlässlich einer Außenprüfung durch die Finanzverwaltung wurde die GmbH mehrfach aufgefordert, bekanntzugeben, für wen konkret sie diesen Reiseaufwand übernommen hat.

Strafe trotz erfüllter Steuerpflicht

Dieser Aufforderung kam die geprüfte GmbH jedoch (wohl auch, um ihre Kunden nicht in Verlegenheit zu bringen) nicht nach. Die Finanz verhängte daraufhin einen Zuschlag zur Körperschaftsteuer in Höhe von 25 Prozent auf die steuerlich von der GmbH gar nicht angesetzten Aufwendungen für Incentive-Reisen.

Empfänger soll geprüft werden können

Strittig war in diesem Fall, ob der Körperschaftsteuer-Zuschlag auch dann festgesetzt werden kann, wenn die zugrunde liegenden Ausgaben gar nicht steuerwirksam als Betriebsausgaben geltend gemacht worden waren. Der VwGH hat diese Rechtsansicht der Finanz und des Bundesfinanzgerichtes (BFG) schlussendlich mit folgender Begründung bejaht: Die Bestimmung betreffend den 25prozentigen Zuschlag (= Sicherheitszuschlag mit Strafcharakter) wurde deshalb eingeführt, um allfällige Steuervorteile beim Empfänger (z.B. eingeladene Kunden) zu unterbinden.

Zuwendungen erhöhen Bemessungsgrundlage

Erfolgt nämlich eine ungeklärte Zahlung an eine natürliche Person, werden bei dieser die Einkünfte einem Grenzsteuersatz von bis zu 50 Prozent unterliegen. Dem steht eine Betriebsausgabe auf Ebene der zahlenden GmbH gegenüber, die lediglich einer Körperschaftsteuer von 25 Prozent unterliegt. Dadurch kann die gebotene Besteuerung von bis zu 50 Prozent Einkommensteuer durch eine Körperschaftsteuer von 25 Prozent ersetzt werden. Die Festsetzung des 25 Prozent-Zuschlags erfolgt somit unabhängig davon, ob die fraglichen Ausgaben in der Körperschaftsteuererklärung der zahlenden Gesellschaft als Betriebsausgaben überhaupt geltend gemacht wurden oder nicht.

Empfänger müssen Wert der Einladung melden

Lädt eine GmbH ihre Kunden zu einer Incentive-Reise ein und übernimmt hierfür die Kosten, so liegt aus Sicht der Finanzverwaltung die Vermutung nahe, dass den eingeladenen (Firmen-)Kunden, allfällig auch deren Mitarbeitern, ein nicht erklärter steuerpflichtiger Vorteil erwachsen ist. Verweigert die GmbH die genaue Empfängerbenennung trotz Aufforderung, wodurch der Finanzverwaltung die Verfolgung von Steueransprüchen an die Empfänger verwehrt bleibt, so hat sie den 25prozentigen Körperschaftsteuerzuschlag (als Sicherheits- und Strafzuschlag) in Kauf zu nehmen. Ob und in welcher Höhe die Kunden hinsichtlich des erlangten wirtschaftlichen Vorteils aus der Teilnahme an der Incentive-Reise tatsächlich steuerpflichtig gewesen wären, ist dabei laut LBG Österreich unbeachtlich.

Mehr zum Thema