Innovation: Die „Big Spender“ der heimischen Forschungslandschaft

07. November 2018 Drucken
Innovation: Die „Big Spender“ der heimischen Forschungslandschaft
@Infineon Technologies AG

In Österreich sind die F&E-Ausgaben der Top-30 Unternehmen seit 2012 um 23 Prozent gestiegen.  Der Chiphersteller ams ist dabei der Spitzenreiter bei den Forschungsausgaben.

Der Wirtschaftsstandort Österreich braucht sich in puncto Forschungsintensität in Relation zu Gesamteuropa nicht verstecken: Die durchschnittliche F&E-Intensität der 30 börsennotierten österreichischen Unternehmen hat in den vergangenen fünf Jahren deutlich zugenommen.

Österreich legt weiter zu

Während die F&E-Ausgaben 2012 3,6 Prozent der kumulierten Unternehmensumsätze betrugen, konnten sie 2017 auf 4,2 Prozent gesteigert werden. Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen leichten Anstieg um 0,1 Prozent. Europaweit ging die F&E-Intensität von 3,6 Prozent auf 3,4 Prozent zurück. Die Innovationsfreudigkeit spiegelt sich auch in den Ausgaben, die für Forschung und Entwicklung getätigt wurden, wider: Während die 30 österreichischen „Forschungskaiser“ 2012 641 Millionen Euro investierten, waren es im Jahr 2017 bereits 1,225 Milliarden Euro – fast eine Verdoppelung der Ausgaben. Von 2016 auf 2017 steigerten sich die F&E Ausgaben um 23 Prozent. Das sind einige Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die die F&E-Budgets der 30 börsenorientierten Unternehmen in Österreich mit den höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung untersucht wurden.

ams Spitzenreiter bei F&E-Ausgaben

Das Ranking der Unternehmen mit den höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung führt die ams AG aus dem steirischen Premstätten an. Der weltweit tätige Technologiekonzern investierte 2017 214 Millionen Euro in Innovationen, das ist eine Steigerung von 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr. An zweiter Stelle reihte sich die Voestalpine ein, die 2017 140 Millionen Euro ausgab (+ sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr), gefolgt von KTM, die 128 Millionen Euro investierte – rund 20 Prozent mehr als in 2016. Die größte Steigerung der Ausgaben erzielte der viertplatzierte IT-Anbieter S&T mit einem Plus von 386 Prozent (115 Millionen Euro in 2017).

Technologiesektor federführend bei F&E-Intensität

„Doch nicht nur die Investitionen, sondern auch die Forschungsintensität – also der Anteil der Forschungsausgaben am Umsatz – ist mit einer Steigerung von 4,1 auf 4,2 Prozent zumindest im leichten Aufwärtstrend. In Österreich führt Fabasoft im Bereich F&E-Intensität an – mit Ausgaben in Höhe von 25,9 Prozent des Umsatzes im Geschäftsjahr 2017. An zweiter und dritter Stelle platzieren sich ams (20,1 Prozent) sowie Kapsch TrafficCom (13,2 Prozent). Den fünften Platz sichert sich mit KTM das erste Mal im Ranking ein Unternehmen aus dem Industriesektor. Der Motorrad- und Sportwagenhersteller investierte 8,3 Prozent seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung.

Industrie verändert sich stark

„Die IT-Branche investiert gut jeden achten Euro in Forschung und Entwicklung, also 13,5 Prozent – Tendenz steigend. Im Bereich Informationstechnologie aber auch im Industriesektor ist ein starker Wandel durch die Digitalisierung erkennbar“, heißt es in der Aussendung von EY.  Während in Österreich die Sparten Informationstechnologie, Industrie und Bergbau/Metallgewinnung am meisten in F&E-Projekte investieren, sind weltweit gesehen Pharmakonzerne sowie Biotechnologie Speerspitze. Mit einer F&E-Intensität von 45,5 Prozent ist der US-amerikanische Pharmakonzern Celgene federführend.

F&E-Intensität in Europa rückgängig

Im Gegensatz zu Österreichs Plus von 4,2 Prozent war die F&E-Intensität im gesamteuropäischen Raum von 2016 auf 2017 mit einem Minus von 0,2 Prozent auf 3,4 Prozent leicht rückläufig. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind im gleichen Zeitraum europaweit um drei Prozent gestiegen. Hier führen die österreichischen Top-Forscher das Feld mit einer Ausgabensteigerung um 13 Prozent von 2016 auf 2017 klar an – analysiert man den Verlauf seit 2012, so ergibt sich sogar eine Erhöhung von ganzen 23 Prozent über sechs Jahre. Global gesehen liegt der europäische Raum weit hinter den USA und Asien: Nordamerika steigerte seine F&E-Ausgabe innerhalb eines Jahres um 11 Prozent, Asien und der Pazifikraum um 6 Prozent. Die F&E-Intensität wuchs in den USA leicht um 0,2 Prozentpunkte, der asiatische Raum blieb konstant und investierte 2016 ebenso wie 2017 2,6 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Weltweit ist die F&E-Intensität in der Schweiz am höchsten (6,6 Prozent), gefolgt von den USA (5,9 Prozent).

Asien mit großen F&E- Anstrengungen

Allerdings befinden sich unter den ersten zehn Ländern, die im Verhältnis zum Umsatz am meisten in Forschung und Entwicklung investieren, vier asiatische Staaten (Taiwan, Japan, China und Südkorea). Mit Taiwan (3,7 Prozent) ist das erste asiatische Land an sechster Stelle im Top-10-Ranking vertreten. „Asiatische Unternehmen sind zunehmend international ausgerichtet und haben erkannt, dass Innovationen der Schlüssel zu langfristiger internationaler Wettbewerbsfähigkeit und höheren Margen sind. Sie werden daher zukünftig im weltweiten Innovationswettbewerb eine immer größere Rolle spielen. Bereits jetzt können wir hier in Österreich einiges von asiatischen Konzernen lernen: Wer wenig in Forschung, Entwicklung und Innovationen investiert, darf auf der anderen Seite auch keine großen Durchbrüche erwarten“, meint Reimoser.

Hohe EBIT-Marge bei hoher F&E-Intensität

Nicht nur die durchschnittliche F&E-Intensität der Top-30 F&E-Unternehmen Österreichs konnte gesteigert werden, sondern auch die Umsätze (+6 Prozent von 2016 auf 2017) und das EBIT (+30 Prozent von 2016 auf 2017). Speziell im Bereich Informationstechnologie zeigte sich deutlich der Zusammenhang zwischen überdurchschnittlicher F&E-Intensität und einer hohen EBIT-Marge: Unternehmen mit besonders hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung erzielten durchschnittlich eine EBIT-Marge von 13,7 Prozent. Hingegen erreichten Konzerne mit unterdurchschnittlicher F&E-Intensität nur eine EBIT-Marge von 10,2 Prozentpunkten. Diese Entwicklung zeichnet sich nicht nur im IT-Sektor, sondern auch im Bergbau und der Metallgewinnung sowie der Industrie ab.

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